Der Kabineneklat beim FC Bayern krönte die hitzigen Wochen des deutschen Rekordmeisters: Sadio Mané verpasste Leroy Sané einen Schlag ins Gesicht, dieser kassierte eine blutige Lippe – und trainierte doch Tage später wieder mit dem Senegalesen im Team.
Beim FC Bayern entbrannte ein Streit um Sanktionen für den Flügelstürmer, auch wurde von mannschaftsinternen Differenzen berichtet. Spieler würden sich von Mané abwenden. Wem ein derartiger Vorfall bekannt vorkommt? Dem Bayern-Fan aus der der Saison 2011/12!
Nur fanden sich damals in der Rolle der zentralen Protagonisten zwei andere Flügelstürmer wieder: Franck Ribéry und Arjen Robben. Das kongeniale Duo „Robbery“ hatte in seiner Bayern-Zeit auch handfeste Dispute, samt einem Schlag ins Gesicht. Und dennoch könnte gerade ein solcher zu einem guten Omen werden.
Am 17. April 2012 stand das Halbfinal-Hinspiel in der Champions League zwischen dem FC Bayern und Real Madrid an. Man bedenke: Die sportlichen Gemüter waren ähnlich erhitzt, das „Finale dahoam“ wartete im Siegesfall. Vor der Halbzeitpause wurde den Bayern ein Freistoß zugesprochen, der klaren Anweisung des damaligen Trainers Jupp Heynckes‘ zufolge sollten diesen entweder Toni Kroos oder Ribéry selbst schießen.
Der Holländer mischte sich jedoch in die Auswahl der Freistoßschützen ein, plädierte für den heutigen Real-Spieler Kroos (der Ball landete übrigens in der Mauer). Dabei zog Robben den Unmut des heißblütigen Franzosen schon auf dem Spielfeld auf sich, in der Halbzeitpause langte Ribéry dann in der Kabine hin und gab Robben eine saftige Watschn.
Robben erschien damals zum Post-Match-Interview mit einem Veilchen unter dem rechten Auge. Es folgte eine medienwirksame Aufruhr um die beiden Stars.
Man könnte meinen das Drehbuch wurde also elf Jahre später nur noch einmal neu aufgesetzt: Champions League, eine handfeste Kabinen-Auseinandersetzung, dann ein öffentlicher Streit. Wie sich das Verhältnis von Robben und Ribéry und die allgemeine Bayern-Situation damals allerdings entwickelte, hing wohl an zwei Faktoren: Dem Trainer und dem sportlichen Erfolg.
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Heynckes und das Triple als Bayern-Rettung
Heynckes ließ den Disput damals nicht zu einer öffentlichen Schlammschlacht ausarten. Eher ging der erfahrene Bayern-Trainer in seiner zweiten Amtszeit beim Rekordmeister mit Gelassenheit damit um und wiegelte zumindest nach außen erfolgreich ab. Diese Parallele bringt Thomas Tuchel ebenfalls mit: Auf der Pressekonferenz der Bayern am Freitag vor der Bundesliga-Partie gegen Hoffenheim leugnete Tuchel die Auseinandersetzung nicht und räumte den Vorfall den Medienschaffenden gegenüber derart aus der Welt, dass jegliche Nachfragen nahezu überflüssig erschienen.
Sadio Mané erhielt mit einem Spiel interne Sperre seine Bestrafung, zudem muss er einen sechsstelligen Betrag zahlen. Tuchel verwies aber darauf, dass so, „wie die Spieler und auch die Beteiligten damit umgehen“, der Vorfall auch „eine reinigende Wirkung“ hätte. Diese reinigende Wirkung innerhalb des mannschaftlichen Gefüges könnte lediglich den sportlichen Geschehnissen zum Opfer fallen.
Der FC Bayern holte in der Saison 2011/12 keinen der drei großen Titel: Die Meisterschaft gewann der BVB am 32. Spieltag, auch das DFB-Pokalfinale mit 5:2. In der Champions League ging das „Finale dahoam“ zudem wohl als eine der großen Tragödien in die Vereinshistorie ein. Und doch unterscheiden sich sie sportlichen Rahmenbedingungen der damaligen Situation drastisch zu den heutigen.
Denn Robben und Ribéry waren damals die unangefochtenen Stars der Bayern: Trotz des Elfmeterfehlschusses Robbens im CL-Finale und der unentwegten Pfiffe der Bayern-Fans gegen den eigenen Spieler – übrigens in der Sané-Causa wiederzuerkennen – bedurfte es keiner Zweifel, dass sich die niederländisch-französische Kombination auf Topniveau befand. Das zeigte nicht zuletzt die darauffolgende Saison.
Mit dem Triple 2012/13 blühte die sportliche Übermacht aus Oberbayern auf: Robben, der damals „Geschädigte“ erzielte in 31 Pflichtspielen 13 Assists und 13 Tore, darunter das wohl wichtigste in Wembley: In der 89. Minute schob der Niederländer den Ball an Roman Weidenfeller zum bayerischen CL-Triumph vorbei. Auch Ribéry glänzte in dieser Spielzeit: In 43 Pflichtspielen kam der Franzose auf 11 Tore und 23 Asissts, dazu die schiere Spielfreude. Im Interview einige Jahre später offenbarte Ribéry, dass sich die beiden unterdessen bestens verstünden.
Robben und Ribéry ein Vorbild für Sané und Mané?
Kann es also auch bei Sané und Mané zu einer Aussöhnung und einem sportlichen Aufschwung kommen? Einer hitzigen Diskussion um die Trainerentlassung von Julian Nagelsmann und die Verpflichtung von Thomas Tuchel folgten, vergleichbar zu 2012, sportliche Tiefschläge: Das überraschende Pokal-Aus gegen den SC Freiburg mit dem entscheidenden Gegentreffer in der Nachspielzeit, und das 0:3 im Viertelfinal-Hinspiel in der Champions League gegen die von Pep Guardiola angeleitete Truppe von Manchester City.
Während die Leistung von Leroy Sané insbesondere gegen Manchester City akzeptabel war (SPORT1-Note 3), ist von Manés‘ Anfangseuphorie in München kaum noch etwas zu sehen. Sportlich erinnert der Senegalese kaum an die herausragenden Zeiten in Liverpool, kam gegen City erst in der 69. Minute und ließ selbst kaum ein Aufbäumen erkennen.
Kann der Schlag ins Gesicht, sowohl im wörtlichen Sinne als auch im sportlichen ein erweckendes Erlebnis sein? Immerhin scheint das Verhältnis nicht ganz gebrochen: Sané plädierte bei den Bayern-Bossen für eine milde Strafe seines Teamkollegen.