Nun gilt es für den FC Bayern.

Nach der 2:3-Vorwochen-Niederlage bei Borussia Mönchengladbach und dem 1:0-Sieg von Borussia Dortmund bei der TSG Hoffenheim, durch den sich der Meisterschaftsrivale auf Platz eins vorbeischob, steht der Rekordmeister gegen Union Berlin (ab 17.30 Uhr im Liveticker) unter Zugzwang.

Nur mit einem Sieg gegen die Eisernen kehrt die Elf von Trainer Julian Nagelsmann wieder an die Tabellenspitze zurück – bei einer Niederlage droht sogar der dritte Platz. (DATEN: Die Tabelle der Bundesliga)

Vor dem deutschen Spitzenspiel sprach der Schweizer Blick mit Lothar Matthäus über Union-Coach Urs Fischer – und der deutsche Rekordnationalspieler sprach geradezu begeistert vom Trainer an der Alten Försterei.

Fischers Arbeit in Berlin sei „überragend“, so Matthäus. „Seine Art und Weise, wie er nach außen auftritt, gefällt mir extrem. Er lässt sich nicht verunsichern, strahlt Ruhe, Souveränität und auch Positivität aus. Er bleibt seiner Linie treu, ist bodenständig. Er schätzt die Situation in jedem einzelnen Interview richtig ein, da ist nichts gespielt. Und er ist immer ehrlich. Und das ist gerade in Bezug auf die Mannschaftsführung ein wichtiger Punkt.“

Matthäus: „Ich traue Urs Fischer Bayern München zu“

Obwohl die Berliner in der jüngeren Vergangenheit ihre besten Spieler immer wieder verkaufen müssten, ließe sich Fischer nicht beunruhigen und wüsste mit den Begebenheiten bei Union genau umzugehen, fügte Matthäus an: „Wie er spielen lässt, wie ruhig er auftritt, wie er sich auf die Mannschaft verlässt – das ist beeindruckend. Die Spieler merken, dass er von ihnen überzeugt ist und ihnen Ruhe vermittelt. Nur so ist es möglich, dass sie dann immer wieder Rückstände in Siege umwandeln, wie es mehrfach passiert ist in dieser Saison.“

Was Matthäus dem 57-Jährigen zudem zutraut: „Fischer könnte jeden der 18 Bundesligisten trainieren, und das kann ich nicht über jeden Trainer sagen. Ja, wahrscheinlich ist er der einzige, über den ich das sagen würde. Er kann einen Abstiegskandidaten übernehmen, einen Champions-League-Kandidaten oder einen Meisterschaftsfavoriten. Aufgrund seiner menschlichen Art.“

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nCAPTION: FC Bayern München: Julian Nagelsmann Anspannung vor dem Kracher gegen Union
nDESCRIPTION: Verkniffen wirkt Julian Nagelmann vor dem Showdown gegen den FC Union und nach den Turbulenzen rund um seine Schiedsrichterbeleidigung in Gladbach nebst empfindlicher Geldstrafe.

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Somit wäre auch der deutsche Serienmeister keineswegs ein Tabu: „Ich traue Urs Fischer Bayern München zu. Aber ich persönlich bin auch der Meinung, dass man Dinge, die funktionieren, nicht auseinanderbrechen sollte. Ich glaube, dass weder Urs Fischer noch Union im Moment einen Gedanken daran verschwenden.“ Aber: „Irgendwann kommt bei ihm vielleicht der Gedanke, eine neue Herausforderung anzunehmen, möglicherweise einen größeren Verein zu trainieren“, so Matthäus weiter.

Matthäus: Nagelsmann hat nicht volle Rückendeckung

Angesprochen auf die Entlassung von Toni Tapalovic und Manuel Neuers Interview zur Personalentscheidung um den langjährigen Torwarttrainer glaubt Matthäus, dass die daraus entstandenen Unruhen an der Säbener Straße noch längst nicht ausgestanden sind: „In den Köpfen bleibt etwas zurück. Du kannst nicht sagen, wir drücken auf den Knopf, und dann ist alles raus, was da passiert ist. Das nimmt man mit, aber sie müssen alle professionell miteinander eine Art finden, dass sie gleich erfolgreich weiterarbeiten wie in der Vergangenheit.“

Dabei kritisierte Matthäus auch Bayerns Führungsriege um den Vorstandsvorsitzenden Oliver Kahn und Sport-Vorstand Hasan Salihamidzic – und verglich sie mit ihren Vorgängern.

„Es ist eben diese Souveränität, die Uli (Ehrenpräsident Hoeneß, Anm. d. Red.) und auch Kalle Rummenigge (Ex-Vorstandschef, Anm. d. Red.) ausgestrahlt haben. Gerade bei heiklen Themen, die immer wieder auftauchten, haben sie sich sofort intern besprochen und nach außen besser kommuniziert, als es heute der Fall ist. Ich meine, Manuel Neuer hat vor mehr als zwei Monaten einen Beinbruch erlitten, und das Thema ist irgendwie immer noch nicht über die Bühne..“

Was für Matthäus noch dazukommt: Bei Nagelsmann habe er „nicht das Gefühl, dass er den 100-prozentigen Support hat. Man hat ihm nicht die Unterstützung nach außen hin gegeben oder die Interviews gegeben, bei denen du das Gefühl kriegst: Der ganze Verein steht hinter Julian Nagelsmann. Man hörte weder von Oli noch von Hasan noch von Herbert Hainer (Klub-Präsident, Anm. d. Red.) etwas Substanzielles über den Fall in Gladbach, wo ich eben glaube, dass Uli den Trainer direkt nach dem Spiel schon in Schutz genommen hätte.“