In seiner Presseerklärung am Montag gibt sich der SC Freiburg alle Mühe, den Eindruck von einem Prozesshansel zu vermeiden. (NEWS: Alle aktuellen Infos zur Bundesliga)

Man befinde sich „in einem unverschuldeten Dilemma“, steht dort zu lesen, man sei von der Rechts- und Verfahrensordnung des DFB „formal in eine aktive Rolle“ gezwungen worden, „um die Vorgänge rechtlich überprüfen zu lassen“. Und damit es niemand übersieht: Alles geschehe „wider Willen“.

Wenige Sätze tiefer folgt, worum es geht: Der SC Freiburg wird Einspruch gegen das 1:4 einlegen, das man am vergangenen Samstag gegen Bayern München erlitten hat, und den Einspruch damit begründen, dass der Gegner Sekunden lang zu zwölft statt zu elft auf dem Rasen gestanden hat. Mit der Rolle als Kläger, so Freiburg, fühle man sich „ausgesprochen unwohl“: Man bürde ihnen die „Verantwortung für die Aufarbeitung“ auf.

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nCAPTION: 2 nach 10: Wechselfehler des FC Bayern München in Freiburg
nDESCRIPTION: Bei dem Spiel zwischen dem SC Freiburg und dem FC Bayern kam es zu einem Wechselfehler – Bayern spielte ca. 17 Sekunden zu zwölft. Der DFB drängt nun Freiburg in Position zu handeln.

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„Freiburg muss sich nicht entschuldigen“

Die vorauseilende Entschuldigung für alles, was diese Woche juristisch folgen wird, ist komplett unangebracht.

Der SC Freiburg muss sich für nichts entschuldigen, sondern hat sogar das gute Recht, dass eine Lücke, die das Regelwerk offenbar nicht restlich schließen kann, vor DFB-Gremien ausgeleuchtet und bewertet wird. So läuft das Rechtssystem nun einmal. Der FC Bayern hätte umgekehrt, Hand drauf, nicht anders gehandelt.

Dass der SC Freiburg trotzdem um Nachsicht bettelt, hat schon seine Gründe. In Umfragen zeigt die Öffentlichkeit herzlich wenig Verständnis dafür, dass eine sportliche Niederlage via Petitesse in einen juristischen Sieg umgewandelt werden soll.

Eine Wahl hat die Klubführung gleichwohl nicht: Die Geschäftsführung steht qua Amt in der Pflicht, Schaden vom Unternehmen abzuwenden, wenn es möglich erscheint.

DFB sollte die Schuldfrage für Wechselfehler klären

Viel schlimmer erscheint der Umstand, dass der Verband selbst nicht die Initiative ergreifen darf. Die eigenen Schiedsrichter, angeführt von Christian Dingert, nahmen bei der Spielleitung eine unrühmliche Rolle ein: Ihnen war die Wechselpanne des FC Bayern nicht aufgefallen.

Folglich sollte dem DFB eigentlich daran gelegen sein, die Schuldfrage und ihre Konsequenzen zu klären; aber die Paragraphen lassen keinen Menschenverstand zu.

Wenn die Verfahrensordnung die Ausnahme nicht zulässt, muss man halt die Verfahrensordnung ändern.

Der Fußball ist längst so komplex geworden, dass jede Klärung von komplizierten Sachverhalten (und ein solcher ist die Wechselpanne) nur dienlich sein kann.

Was nicht passieren darf: dass der SC Freiburg sich dafür rechtfertigen muss, dass er Feinheiten der Regelauslegung geklärt haben will.

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Pit Gottschalk ist Chefredakteur von SPORT1. Zuvor war der Journalist und Buchautor bei Sport Bild in Hamburg und bei Funke Sport in Essen. Die Abonnenten des täglichen Fußball-Newsletters Fever Pit’ch...