Auf die Frage, wo sich die größten Baustellen bei Hertha BSC befinden, wusste Felix Magath erst einmal keine Antwort.

„Das ist eine gute Frage, die ich aber leider nicht beantworten kann. Ich muss erstmal ein Gefühl für die Menschen entwickeln, muss sie sprechen, fühlen, riechen, um das erkennen zu können“, sagte Berlins neuer Coach bei seiner Antritts-Pressekonferenz.

Viel Zeit bleibt ihm allerdings nicht, denn die Hertha befindet sich nach fünf Niederlagen in Serie auf dem 17. Tabellenplatz der Bundesliga. Magath hat nur acht Spieltage Zeit, um den Hauptstadt-Klub vor dem Abstieg zu retten. (NEWS: Alle aktuellen Infos zur Bundesliga)

Auch wenn Magath sich erst noch ein genaues Bild machen will – SPORT1 listet schon einmal die größten Baustellen bei Hertha auf, die der neue Coach beheben muss.

– Hertha BSC: Keine Einheit und faules Obst

Bereits vor der Niederlage in Gladbach wies Sport-Geschäftsführer Fredi Bobic darauf hin, dass die Mannschaft endlich wieder eine Einheit werden muss. Was sich wie eine Phrase anhört, ist bei Hertha BSC von essenzieller Bedeutung.

Und selbst Magath, der Hertha laut eigener Aussage in den vergangenen Jahren nicht allzu sehr verfolgt hatte, erkannte trotzdem bereits: „Bisher hatte ich den Eindruck, dass es keine so geschlossene Mannschaftsleistung gab.“

Klar ist: Wenn ein Bundesligist (mindestens) drei Trainer in einer Saison braucht, stimmt in der Regel auch in der Mannschaft etwas nicht. Das beweisen die Spieler Woche für Woche auf dem Platz. (DATEN: Die Tabelle der Bundesliga)

Nach der Verpflichtung von Felix Magath als Trainer bei Hertha BSC hagelte es viel Häme für den Trainer. Peter Neururer und Alexander Schmidt stützten den Meistertrainer des VfL Wolfsburgs.

Nach der Verpflichtung von Felix Magath als Trainer bei Hertha BSC hagelte es viel Häme für den Trainer. Peter Neururer und Alexander Schmidt stützten den Meistertrainer des VfL Wolfsburgs.

Während man manchen Spielern ansieht, dass sie zumindest alles versuchen, weckt der eine oder andere das Gefühl, dass er während den Spielen bereits überlegt, für welchen Klub er ab Sommer spielt. Aufbäumen nach Rückschlägen? Fehlanzeige.

Magath wird sich das aber sicher nicht lange anschauen und gegebenenfalls auch Spieler suspendieren, wenn sie der Mannschaft mehr schaden als helfen.

– Fehlende Erfahrung und keine Führungsspieler

Herthas Kader ist nicht für den Abstiegskampf gebaut, denn die Zielsetzung war eine ganz andere. Vielen Spieler fehlt die nötige Erfahrung, um mit diesem Extra-Druck umgehen zu können.

Auch aus diesem Grund fiel Bobics Wahl auf Magath. Der 68-Jährige bringt reichlich Erfahrung mit – und sollte aufgrund seiner Vita Respekt bei den Spielern genießen. (DATEN: Ergebnisse und Spielplan der Bundesliga)

Im Gegensatz zu Korkut hat Magath als Trainer (und zuvor auch als Spieler) schließlich zahlreiche Titel eingefahren, unter anderem wurde er in der Saison 2008/2009 sensationell Deutscher Meister mit dem VfL Wolfsburg.

Magath weiß, worauf es im Abstieg ankommt und wird seinem Spitznamen Quälix weiter alle Ehre machen: „Disziplin gehört halt nun mal zum Sport, das habe ich doch nicht erfunden. Wer diszipliniert mithilft, Hertha BSC in der Bundesliga zu halten, hat bei mir alle Trümpfe in der Hand.“

Seine erste Aufgabe wird lauten, herauszufinden, welche Spieler bereit sind, alles für den Klassenerhalt zu geben – und welche er aussortieren muss. Dabei wird Magath auch Führungsspieler finden und starkreden müssen, denn diese suchte man auf dem Platz zuletzt vergeblich.

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nCAPTION: Hertha BSC: Felix Magath will mit Disziplin zum Klassenerhalt
nDESCRIPTION: Hertha BSC hat seinen neuen Trainer bis zum Saisonende vorgestellt. So soll mit Felix Magath endlich die Kehrtwende gelingen.

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– Haarsträubende Fehler im Abwehrverhalten

Auch wenn der Angriff mit 26 Treffern ebenfalls Luft nach oben hat – das größte Sorgenkind ist die Defensive. 60 Gegentore in 26 Spieltagen, davon allein 25 in den vergangenen acht Spielen (DFB-Pokal-Spiel gegen Union Berlin mitgezählt). Das sind zuletzt mehr als drei Gegentore pro Partie!

Das ist dabei kein spezielles Abwehrproblem. Beim ersten Gegentor in Gladbach konnte Breel Embolo in der gegnerischen Hälfte bequem durch die Mitte des Feldes spazieren – ziemlich erstaunlich bei gleich drei zentralen defensiven Mittelfeldspielern Herthas.

Immerhin reagierten vier Spieler und versuchten Marcus Thuram ins Abseits zu stellen. Ihr Pech: Marc-Oliver Kempf hatte gerade nur Augen für Embolo und nicht für seine Mitspieler gehabt, weshalb er das Abseits aufgehoben hatte.

Ein ungeschicktes Tackling später lag Embolo auf den Boden und nach dem Videobeweis zeigte der Schiedsrichter auf den Elfmeterpunkt. Beim 2:0 war Gladbachs Matthias Ginter wohl selbst erstaunt, wie frei er nach dem Eckball mit einem einfachen Lauf in Richtung Ball einköpfen konnte.

Diese Szenen stehen lediglich stellvertretend für die defensiven Probleme der Berliner aktuell. Doch wenn Hertha die Klasse halten will, muss hier dringend Abhilfe geschaffen werden.

Tayfun Korkut wurde als Trainer bei Hertha BSC entlassen. Felix Magath übernimmt das Traineramt bei der Alten Dame bis Saisonende und soll die Mannschaft vor dem Abstieg bewahren.

Tayfun Korkut wurde als Trainer bei Hertha BSC entlassen. Felix Magath übernimmt das Traineramt bei der Alten Dame bis Saisonende und soll die Mannschaft vor dem Abstieg bewahren.

– Störfeuer rund um den Klub bringen Unruhe

Was es für Herthas Bosse bisher schwer machte, glaubhaft eine Einheit auf dem Platz zu fordern? Die Gräben neben dem Platz sind noch offensichtlicher als die auf dem Feld. Allein in den vergangenen sieben Tagen gab es mehrere unschöne Vorfälle.

So warf mit Sportdirektor Arne Friedrich eine Vereinsikone hin und ließ dabei tief blicken. „In den vergangenen Monaten sei bei ihm „das Gefühl entstanden, dass mein Einfluss bei wichtigen sportlichen Entscheidungen nicht mehr ausreichend gegeben ist, um meinen Aufgaben als Sportdirektor gerecht zu werden.“

Dann gab es noch großen Wirbel rund um eine geplatzte Dokumentation, dessen Produktion dem Klub eine Million Euro gekostet haben soll – und schließlich legte sich Investor Lars Windhorst noch öffentlich mit einem Fanklub an.

Apropos Windhorst: Dieser ärgert sich natürlich darüber, wie seine 375 Millionen Euro verbrannt wurden – und brachte das auch bereits zum Ausdruck. In der aktuellen Notlage des Klubs schadet jedoch jedes Störfeuer und erhöht den Druck nur zusätzlich.

Magath hat eine klare Botschaft für alle Beteiligten: „Ich muss alle in und um den Klub dafür sensibilisieren, dass bei der Arbeit gegen den Abstieg jeder einzelne mitmachen muss. Jeder sollte sich darauf fokussieren, in den letzten acht Spielen darauf konzentrieren, dass der Hauptstadt-Klub auch in der Bundesliga bleibt.“

Für ihn reicht es dabei nicht, nur eine Einheit auf dem Platz herzustellen: „Es geht nicht um Felix Magath oder Fredi Bobic oder sonst jemanden. Es geht darum, Hertha BSC in der Liga zu halten. Jeder muss mitmachen!“

Denn nur wenn Magath diese Baustellen beheben kann, ist Hertha der Klassenerhalt zuzutrauen.

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