Es gibt Phasen im Leben, da denkst du, alles läuft wie am Schnürchen. Aber dann reißt dieses Schnürchen, und was bisher gut lief, läuft alles schief, dabei machst du gar nichts anders als vorher. Ich sage nur Armin Laschet. Oder Leo Messi.
Ich meine, die Bayern haben gerade so einen Laschet-Moment.
Eben war noch alles super. Sie führen in der Bundesliga mit Riesen-Vorsprung wie immer, der Kader ist total happy, Robert Lewandowski schießt im Training lustig Bälle in Olli Kahns Büro. Ach, und in der Champions League wird Salzburg zugelost: Salzburg, haha, Österreicher! (DATEN: Ergebnisse und Spielplan der Bundesliga)
Den Bayern ist das Lachen vergangen
Inzwischen kichert niemand. Das erste Achtelfinale ging beinahe in die Hose, und was schlimmer ist: Die Österreicher spielten sensationell gut, also besser noch als vorher die Bochumer, nur dass die Österreicher obendrein so jung sind, so unglaublich jung, dass man anfängt, sich Fragen zu stellen.
Ich meine nicht die Frage, die ich mir anfangs stellte: Ob ein paar von den Salzburgern um diese Uhrzeit an einem Mittwochabend schon im Bett hätten sein müssten. Sondern: Warum die Bayern keine so frische Startelf haben. Warum die Salzburg-Elf unfassbare 4,6 Jahre jünger war als die der Bayern.
Und warum zum Beispiel einer wie Karim-David Adeyemi (20) wie selbstverständlich in Dortmund als Nachfolger von Erling Haaland gehandelt wird, den die Bayern ja auch schon verpassten, aber nicht in München, wo Robert Lewandowski, der schon in der polnischen ersten Liga spielte, als Adeyemi eingeschult wurde, im Sommer 34 wird.
Am Ende ging es gerade noch mal gut (1:1), und ja: Die Bayern hatten viele, viele Chancen. Und trotzdem blieb ein G‘schmäckle. Wie soll man denn die Champions League gewinnen, wenn es schon gegen Salzburg fast nicht reicht, während Klubs wie Manchester City oder Liverpool im Achtelfinale ihre Gegner wegfegen, und wenn Choupo-Moting und Sabitzer das Mutigste sind, das sich der Trainer einzuwechseln traut.
Ausgerechnet in einer Phase, in der die Münchner normalerweise durchstarten, kriselt‘s ein bisschen sehr. Also für Bayern-Verhältnisse. Nur sechs Punkte Vorsprung in der Bundesliga trotz Zickzack-Dortmund, dazu das DFB-Pokal-Aus – fünf Pflichtspielniederlagen haben sie schon eingeheimst. (DATEN: Die Tabelle der Bundesliga)
Zum Vergleich: In den vergangenen drei Spielzeiten waren es sechs, fünf und vier – aber in der ganzen Saison. Jetzt ist erst Februar.
Bayern steht sich selbst im Weg
Gegen Salzburg hatte ich jedenfalls urplötzlich das Gefühl, die Bayern werden altersschwach. Und die 120-Millionen-Abwehr passt auch nicht zusammen. Lothar Matthäus hat das ebenfalls angemerkt und Bayern-Sportchef Hasan Salihamidzic geantwortet, was Lothar sage, sei „ihm vollkommen wurscht“, was schade ist, denn es stimmte ja, und er hätte ihm besser ein Beraterhonorar überwiesen.
Überhaupt basteln sie sich zurzeit dauernd selbst neue Baustellen beim Dauermeister. Ich sage nur Rummenigge/Süle, Kahn/Hoeneß/Playoffs, Nagelsmann/Nianzou. Was ist bloß mit den Bayern los? (NEWS: Alle aktuellen Infos zur Bundesliga)
Okay, jetzt noch eine gute Nachricht: Am Sonntag heißt der Gegner Fürth. Den schaffen sie.
Alex Steudel ist freier Journalist in Hamburg. Er war Bayern- und Nationalmannschaftsreporter und Chefredakteur von Sport-Bild. Heute widmet er sich in seiner Kolumne für SPORT1 auf nicht immer ganz ernstgemeinte Weise aktuellen Fußball-Themen. Die besten Steudel-Texte gibt‘s auch als Buch: Infos und Bestellung hier.
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