David Alaba? Ablösefrei zu Real Madrid. Niklas Süle, Matthias Ginter oder Denis Zakaria? Der FC Bayern München und Borussia Mönchengladbach drohen erneut ihre Stars zum Nulltarif ins Ausland zu verlieren.

Während Jadon Sancho (von Borussia Dortmund zu Manchester United) oder Leon Bailey (von Bayer Leverkusen zu Asston Villa) noch über 100 Millionen Euro in den Bundesliga-Zyklus spülten, ist dies bei Süle, Ginter und Zakaria wohl nicht der Fall. (DATEN: Die Tabelle der Bundesliga)

Langweilige Bundesliga als „Ausbildungsliga?“

Im Gespräch mit Brancheninsidern erfuhr SPORT1, dass sich die Bundesliga hin zu einer Ausbildungsliga à la Niederlande entwickeln könnte. Die Topstars der einzelnen Klubs streben nach gezeigten Topleistungen in Ligen, wo sie mehr Geld verdienen können und möglicherweise eine andere Konkurrenzfähigkeit vorherrscht.

Einen Wettkampf um den Titel? Den gibt es hierzulande schon lange nicht mehr. Neben den Strahlemännern Robert Lewandowski oder Erling Haaland fehlt oftmals der Glanz.

Ist die Bundesliga mausgrau, zu langweilig geworden? Huub Stevens kennt die Liga aus dem Effeff. Der Niederländer führte Schalke 1997 zum UEFA-Cup-Sieg, er trainierte zudem Hertha BSC, den 1. FC Köln, Hamburger SV und VfB Stuttgart. Die Legende der Königsblauen sagte im Gespräch mit SPORT1: „Ich glaube nicht, dass die Bundesliga ähnlich wie die niederländische Liga immer mehr zur Ausbildungsliga wird. Die Bundesliga hat immer noch ihren Reiz. Da gibt es genug Konkurrenz.“

Nur die Bundesliga hat Abo-Meister seit 2012

Auf den ersten Blick sprechen die Fakten allerdings gegen diese Ansicht. Nur die Bundesliga hat im Vergleich zu den weiteren Spitzenligen seit 2012 durch den FC Bayern immer den gleichen Meister.

In Frankreich feierten in diesem Zeitraum drei verschiedene Titelträger (Paris Saint-Germain, OSC Lille, AS Monaco), die Serie A hatte deren zwei (Juventus Turin, Inter Mailand), Spanien drei (Atlético Madrid, FC Barcelona, Real Madrid) und die Premier League sogar fünf (Manchester City, Manchester United, Chelsea FC, Leicester City, FC Liverpool).

Die letzten deutschen Klubs, die fernab des FC Bayern einen europäischen Titel holen konnten, waren Borussia Dortmund (Champions League) und Schalke 04 (UEFA-Cup hieß die Europa League damals noch) – vor knapp 25 Jahren im Sommer 1997.

Neben den Münchnern gab es in diesem Zeitraum nur noch drei deutsche Endspielteilnehmer auf internationaler Bühne: BVB (Europa-League 2002 und Champions League 2013), Bayer Leverkusen (Champions League 2002) und Werder Bremen (Europa League 2009). Kleine Randnotiz: Feyenoord Rotterdam besiegte damals den BVB, Ajax Amsterdam unterlag im Europa-League-Endspiel 2017 Manchester United.

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nCAPTION: Das Interesse von Top-Klub Real Madrid ging an Florian Wirtz vorbei
nDESCRIPTION: Bayer Leverkusens Offensiv-Juwel Florian Wirtz zählt schon mit 18 zu den heißesten Eisen der Bundesliga. Klar, dass auch die Top-Klubs ein Auge auf ihn werfen.

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Nur FC Bayern im Champions-League-Achtelfinale

Insgesamt sind die Ansprüche der Bundesliga andere, die europäische Konkurrenzfähigkeit soll gewährleistet werden.

In dieser Spielzeit hat allerdings nur der FC Bayern den Sprung ins Champions-League-Achtelfinale geschafft, Borussia Dortmund und RB Leipzig machen in der Europa League weiter und der VfL Wolfsburg ist komplett rausgeflogen.

In der Liga selbst zeichnen sich bereits frühzeitig wichtige Entscheidungen ab. Die Bayern haben neben sechs Punkten auch etliche Tore Vorsprung auf den BVB, der wie gewohnt in die Königsklasse einziehen und wohl von Leverkusen und möglicherweise auch von den eine Aufholjagd startendenden Leipzigern begleitet wird. Überraschungspotenzial? Trotz guter Verfassung von Freiburg und Union kaum vorhanden.

Wenig Überraschungen, kaum Spannung im Meister-Rennen

Und hinten? Greuther Fürth hat trotz ordentlicher Serie nur noch minimale Chancen auf den Klassenerhalt. Dass Augsburg, Bielefeld und Stuttgart (als Aufsteiger im schwierigen zweiten Jahr) in der Kellerregion sind, war durchaus erwartbar.

Natürlich gibt es stets negative (Wolfsburg, Gladbach) oder positive (Köln, Bochum, Union) Überraschungen. (DATEN: Ergebnisse und Spielplan der Bundesliga)

Dennoch schmerzen aus Bundesligasicht die seit der Saison 2012/13 durchschnittlich 14 Punkte Vorsprung, mit denen der FC Bayern den Titel holt. Der BVB hatte 2019 die große Möglichkeit, den Baum zum Fallen zu bringen, im Schlussspurt versagten dann aber wieder die Nerven. Steht es also unumkehrbar schlecht um den deutschen Fußball?

Beim FC Bayern laufen bis 2023 die Verträge vieler Schlüsselspieler wie Robert Lewandowski, Manuel Neuer oder auch Thomas Müller aus.

Beim FC Bayern laufen bis 2023 die Verträge vieler Schlüsselspieler wie Robert Lewandowski, Manuel Neuer oder auch Thomas Müller aus.

Corona lässt Zuschauer-Interesse sinken

Stevens räumt zwar ein, dass das „Titelrennen“, sofern man dieses bezeichnen kann, zwar nur zwischen dem FC Bayern und Dortmund stattfinde: „Aber da ist in der Tabelle in anderen Regionen noch viel Spannung drin. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Bundesliga dahin abfällt, wo die Niederlande stehen.“

Die Trainerlegende weist in diesem Zusammenhang auch darauf hin, „dass Deutschland auch viel größer ist als die Niederlande. Es ist toll, dass es immer wieder gute Talente bei uns gibt, aber ich glaube nicht, dass die Niederlande in eine Situation wie die Bundesliga kommen und umgekehrt.“

Dennoch sinkt in Corona-Pandemie-Zeiten das Interesse am Wettbewerb, die TV-Quoten sprechen eine klare Sprache. Die ARD-Sportschau beispielsweise wurde an den ersten 13 Bundesliga-Spieltagen von rund 610.000 Zuschauer weniger eingeschaltet als zum gleichen Zeitpunkt in der Saison 2019/20.

Wenn Bayern oder BVB nicht spielen, dann fehlt dem Fan die Motivation, den Abend vor dem TV-Gerät mit der Fußball-Bundesliga als Inhalt zu verbringen.

Volle Stadien nur im Ausland

Stevens sieht darin aber nicht automatisch eine generelle Abkehr der Fans: „Dass es weniger Lust gibt, hat schlicht und einfach mit Corona zu tun. Es fehlen die Zuschauer. Ich will im Stadion doch viele Menschen um mich herum haben. Das macht doch mit 60.000 Fans mehr Spaß als mit nur 5000. Daran muss sich der deutsche Fußball gewöhnen.“ Doch der Frust wächst angesichts der gähnenden Leere in München, Frankfurt, Köln oder Hamburg!

Während in England vor ausverkauftem Haus gespielt wird und auch in Italien und Spanien bis zu 75 Prozent zugelassen sind, herrscht in der Bundesliga gähnende Leere auf den Tribünen. Selbst die Rückkehr von 10.000 Anhängern, wie jetzt in Bayern erlaubt, ist da nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Nicht umsonst klagt mit RB Leipzig bereits ein Klub gegen die Beschränkungen. Auch BVB-Boss Hans-Joachim Watzke – ab 11. Februar auch DFL-Aufsichtsratsvorsitzender – kündigte ebenfalls an, sein Klub werde juristische Schritte prüfen. (BERICHT: Keine Fans in Stadien – Watzke sauer)

Der FC Bayern und die Vereine im Freistaat dürfen in Kürze wieder Fans ins Stadion lassen. Es gibt aber weiter Beschränkungen.

Der FC Bayern und die Vereine im Freistaat dürfen in Kürze wieder Fans ins Stadion lassen. Es gibt aber weiter Beschränkungen.

Preiserhöhungen der Pay-TV-Sender verärgern die Fans

Die Krux bei der Sache ist, dass die Vereine mit leeren Stadien Beträge in Millionenhöhe verlieren. Es ist ein Teufelskreis! Kein Merchandising, keine Werbeeinblendungen, wenig Emotionalität, die Leute suchen nach neuen Interessen und integrieren die Bundesliga nicht mehr in ihren gewohnten Rhythmus.

Hat die Politik mit ihren harten Maßnahmen Schuld? Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) möchte sich auch auf SPORT1-Nachfrage zu diesem Sachverhalt nicht äußern, von Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier gab es keinerlei Reaktion.

Die angekündigten Preiserhöhungen der Pay-TV-Sender Sky und DAZN bringen dann das Fass bei Teilen der Fans zum Überlaufen, über 50 Euro wird es zukünftig kosten, die Spiele in der Bundesliga zu sehen. Den Klubs sind umgekehrt die Hände gebunden. Ohne Moos nichts los, wie es so schön heißt.

Der Transfermarkt lahm, Stars gehen ablösefrei und somit fehlt das in den Kreislauf gepumpte Geld aus England, Italien oder Spanien, obwohl es so dringend gebraucht würde.

Stevens sicher: „Lust kommt, wenn das Virus besiegt ist“

„Wir müssen rauskommen aus der Pandemie. Die Lust kommt wieder, wenn wir das Virus endgültig besiegt haben. Dann werden auch die Jugendlichen wieder mehr Lust auf Fußball haben“, bleibt Stevens routiniert gelassen.

Er spüre derzeit beim Thema Fußball eine große Frustration: „Viele Leute dürfen nicht ins Stadion gehen und trauen sich auch nicht.“ (NEWS: Alle aktuellen Infos zur Bundesliga)

Der knorrige Niederländer lässt sich davon aber nicht beeinflussen und sagte lachend: „Ich schaue mir nach wie vor so viele Fußballspiele wie möglich an. Ich will am liebsten alles sehen, aber das geht nicht wegen der Familie.“ Stevens blickte optimistisch nach vorne: „Die Lust auf Fußball wird in Deutschland wiederkommen.“

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