Christoph Kramer trottete gemächlich zur Seitenauslinie. Der Weltmeister wirkte ausgelaugt, also gönnte ihm Trainer Lucien Favre einen frühzeitigen Feierabend.

Kramer war im Team von Borussia Mönchengladbach aber nicht der einzige Spieler, bei dem sich ein Kräfteverschleiß bemerkbar machte. Die Niederrheiner bestritten beim SC Freiburg ihre vierte Partie innerhalb von elf Tagen. Dementsprechend platt waren sie in der Schlussphase.

Somit konnten sie am Ende mit dem 0:0 leben – zumal es ein Teilerfolg bei einem Angstgegner war.

Erster Punkt in Freiburg

„Ich bin seit Februar 2011 in Gladbach, es ist das erste Mal, dass wir hier einen Punkt geholt haben. Wir können sehr zufrieden sein“, sagte Favre nach der Partie bei „Sky“.

Drei Tage nach dem Torfestival beim 7:0 gegen FK Sarajevo fand der Schweizer aber auch kritische Worte. „Das war nicht so fantastisch, was wir gespielt haben“, betonte der 56-Jährige.

Auch Stürmer Branimir Hrgota musste erkennen, dass die Bäume nicht in den Himmel wachsen. Der Dreifach-Torschütze aus dem Sarajevo-Spiel konnte sich im Breisgau nicht durchsetzen. Der starke Freiburger Innenverteidiger Marc-Oliver Kempf und sein Nebenmann Pavel Krmas hatten Hrgota jederzeit im Griff.

Nur 38 Ballkontakte

Auch der zweite Gladbacher Angreifer spielte schwach. Raffael hatte nur 38 Ballkontakte, gab einen kümmerlichen Torschuss ab.

Die Mehrfachbelastung werden die Borussen noch mindestens bis zur Winterpause haben. Sechs Gruppenspiele in der Europa League stehen im Kalender. Deshalb wird sich Favre freuen, wenn er bald eine weitere Option für die Offensive haben wird.

Angreifer Max Kruse steht nach seiner Harnleiter-Operation vor der Rückkehr in den Kader. Spätestens nach der Länderspielpause sollte er wieder fit sein.

Bürki verhindert Rückstand

Gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber stand Kruse noch nicht im Kader. Der 26-Jährige sah eine schwache erste Halbzeit, in der sein Teamkollege Granit Xhaka die einzige Torchance hatte. Der Schweizer prüfte Landsmann Roman Bürki mit einem strammen Schuss (14.).

Nach der Pause übernahmen die Freiburger das Kommando und hatte die große Chance zum Siegtor. Doch Stürmer Admir Mehmedi ballerte einen Foulelfmeter in Richtung Tribüne (63.).

„Den muss man nicht pfeifen, aber es ist äußerst schwer für den Schiedsrichter“, meinte Tony Jantschke, der den Strafstoß mit einer Attacke gegen den eingewechselten Freiburger Maximilian Philipp (62.) verursacht hatte.

Jantschke erkennt Kopfproblem

Beim Fazit des Gladbacher Verteidigers überwog Zufriedenheit.

„Wenn man unsere Historie hier in diesem Stadion kennt, ist das sogar ein Zusatzpunkt. Irgendwie kriegen wir es hier nie hin, im Grunde können wir glücklich sein mit dem Punkt. Vielleicht hat im Kopf ein bisschen gefehlt, aber daran müssen wir uns gewöhnen“, betonte Jantschke.

Freiburg muss weiter kämpfen

Die Freiburger wussten indes nicht so richtig, wie sie den Punkt bewerten sollten. In schlechter Erinnerung ist ihnen noch der Fehlstart aus der vergangenen Saison: Damals musste der Sport-Club bis zum 11. Spieltag auf einen Dreier warten.

„In der zweiten Halbzeit haben wir Übergewicht bekommen. Aber wir haben es nicht geschafft, ein Tor zu schießen. Nach zwei Spielen haben wir einen Punkt. Jetzt geht es nach Dortmund: Es ist jedes Jahr ein Kampf bis zum Ende“, sagte Trainer Christian Streich.