Jens Keller schäumte vor Wut.
„Ich bin extrem sauer“, schimpfte der Trainer von Schalke 04 nach der nächsten Pleite in der noch jungen Saison.
Sein Team mit Stars wie Kevin-Prince Boateng, Klaas-Jan Huntelaar oder Julian Draxler hatte sich gegen die No-Name-Truppe von Hannover 96 einmal mehr wie eine Schülermannschaft angestellt und war bei dem 1:2 (0:0) (Bericht) eiskalt ausgekontert worden.
Nach der Niederlage zum Bundesliga-Auftakt und dem peinlichen Pokal-Aus bei Drittligist Dynamo Dresden fünf Tage zuvor wird die Luft für Keller auf Schalke schon jetzt immer dünner.
Start so schlecht wie seit 16 Jahren nicht
„Das ist ja nichts Neues, die Debatte wird ja ständig geführt“, sagte Keller und rang um Fassung: „Ich habe hier letztes Jahr Großes geleistet. Es ist schon überraschend, dass die Kritik jetzt schon wieder so hart ist. Aber damit kann ich umgehen.“
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Zwei Spiele, zwei Niederlagen – so schlecht waren die Königsblauen zuletzt im Jahr 1998 gestartet. Und nächste Woche reist ausgerechnet Doublegewinner Bayern München nach Gelsenkirchen.
Schalke verliert die Kontrolle
Nach einem schwachen Start hatte sich Schalke in Hannover eigentlich in die Partie gebissen und war durch Huntelaar (47.) verdient in Führung gegangen.
Doch anstatt die Partie im Stile eines Champions-League-Teilnehmers souverän über die Zeit zu bringen, verlor Königsblau komplett die Kontrolle und erlebte nach dem Doppelschlag nach Kontern von Edgar Prib und Joselu (67. und 70.) ein kleines Debakel.
Keller, der eigentlich seit seinem Amtsantritt im Dezember 2012 in Gelsenkirchen in der Kritik steht, ging mit seinen hochbezahlten Stars hinterher hart ins Gericht.
Der Schuldige bleibt ungenannt
„Beide Gegentreffer waren unnötig und ärgern mich sehr. Das darf uns nicht passieren“, äußerte Keller. Er sprach von „individuellen Fehlern“ und „falschen Entscheidungen“.
Den Namen Boateng nahm Keller nicht in den Mund. Doch der 43-Jährige monierte, dass sein Team vor dem 1:1 „das taktische Foul nicht gemacht“ habe. Boateng ließ in dieser Szene Leonardo Bittencourt an der Mittellinie einfach laufen.
Auch Heldt wütet
Und so wollte auch Sportchef Horst Heldt in Keller nicht den Schuldigen für die Schalke-Misere ausmachen. „Die Trainer-Diskussion lässt sich nicht vermeiden, findet aber bei uns nicht statt. Das muss man jetzt aushalten“, sagte Heldt.
Vielmehr ärgerte er sich über eine „ganze Kette von Fehlern“ vor den Gegentoren: „Es macht mich wütend, dass wir ausgekontert wurden, obwohl wir im Ballbesitz waren.“
In der teuer zusammengestellten Mannschaft scheint es im Moment einfach nicht zu stimmen. Jedenfalls hielten sich Weltmeister Benedikt Höwedes und Huntelaar nach der bitteren Pleite nicht zurück.
Deutliche Worte von Huntelaar und Höwedes
„Es lag nicht nur an der Konzentration, sondern auch an unserer Mentalität“, betonte der Niederländer.
Und Höwedes sagte: „Man sollte auch mal so clever sein und ein taktisches Foul machen. Wir sind leichtfertig mit dem Vorsprung umgegangen und waren vorn zu egoistisch.“ Jeder Spieler im Kader sei jetzt gefragt und „sollte an seinen Schwächen arbeiten“.
Und die gilt es, möglichst bis nächste Woche abzulegen. Dann nämlich ist der FC Bayern zu Gast in der heimischen Arena.
Die Schalker fühlen sich in der Rolle des Underdogs jedenfalls pudelwohl. „Keiner setzt auch nur einen Pfifferling auf uns. Das wird unser Glück sein“, sagte Heldt.