Trainer Mirko Slomka hatte vor lauter Wut einen ganz roten Kopf. Big-Boss Dietmar Beiersdorfer war fassungslos. Und die Spieler wähnten sich in einem Albtraum:

Der Hamburger SV ließ sich beim 0:3 (0:1) gegen die No-Name-Truppe des SC Paderborn wieder einmal vorführen – und präsentierte sich über weite Strecken wie ein Abstiegskandidat.

Kein Wunder also, dass die Fans an der Elbe schon jetzt erneut Angst haben vor einer Horror-Saison wie im Vorjahr.

Die Hoffnungen ruhen deshalb auf den offenbar bevorstehenden Transfers von Spielmacher Lewis Holtby (Tottenham Hotspur) und Offensiv-Allrounder Julian Green (FC Bayern München), dessen Wechsel nach SPORT1-Informationen am Sonntag unterschreiben soll.

Green und Holtby sollen kommen

„Dazu will ich nichts sagen“, meinte ein nach dem Debakel entgeisterter Beiersdorfer. Doch die Anzeichen verdichten sich, dass der HSV sowohl Holtby als auch Green für ein Jahr ausleihen wird.

„Wir werden erst etwas kommunizieren, wenn es etwas zu vermelden gibt“, sagte der neue Vorstandsvorsitzende. 

Zudem sollen nach Stürmer Jacques Zoua (Kayseri Erciyesspor) noch weitere Spieler den Klub verlassen – die Transferfrist endet am Montag.

Ideen, Esprit, Tempo Torgefahr – alles fehlt

Wie wichtig frische Spieler für den wankenden Traditionsklub wären, bewies das Team mit seinem peinlichen Auftritt gegen die Ostwestfalen einmal mehr eindrucksvoll.

Die Elf um den mit einer Wadenverletzung ausgewechselten Kapitän Rafael van der Vaart wirkte verunsichert, zeigte keine Ideen, kein Esprit, kein Tempo und keine Torgefahr.

Wie in der Vorsaison holte der HSV nur einen Punkt aus den ersten beiden Spielen – und das gegen die Aufsteiger Paderborn und Köln (0:0). 

„Fans brutal enttäuscht“

„Das Ergebnis ist sehr bitter für uns. Wir haben unsere Fans brutal enttäuscht, obwohl wir ein neues Gesicht zeigen wollten“, sagte Slomka.

Doch stattdessen zeigte der HSV seine alte, ziemlich hässliche Fratze.

Elias Kachunga (29.), Mario Vrancic (69.) und Moritz Stoppelkamp (87.) schossen den auch in dieser Höhe völlig verdienten ersten Sieg der Paderborner Bundesliga-Geschichte heraus.

„Vor den Gegentoren haben wir Geschenke verteilt“, ärgerte sich Slomka: „Unsere Leistung war für uns insgesamt schon schockierend.“

Slomka schon wieder in Gefahr

Beiersdorfer sah sich hinterher sogar gezwungen, den jetzt schon wieder in die Kritik geratenen Slomka den Rücken zu stärken: „Ich diskutiere nicht über den Trainer.“

Inwieweit dem tatsächlich so ist, werden die kommenden Tage weisen.

Dabei sollte alles besser werden beim neuen HSV.

Slomka quälte seine Spieler in der längsten Vorbereitung der Vereinsgeschichte.

Schon Durchhalteparolen

Die Fans sollten mit mitreißendem Offensiv-Fußball nach dem Fast-Abstieg zurückgewonnen werden – alles Makulatur.

Am Ende pfiffen die Anhänger ihre Lieblinge gnadenlos aus.

„Wir müssen jetzt Männer sein“, sagte Innenverteidiger Johan Djourou, der nach der Klatsche genau so ratlos war wie seine Kollegen: „Wir müssen viel mehr arbeiten, viel mehr kämpfen.“

Das klingt schon sehr nach Durchhalteparolen – und das nach Spieltag Nummer zwei.

Adler kündigt klare Worte an

Torwart Rene Adler, noch einer der Besseren unter ganz vielen Enttäuschungen, plädierte trotz des Schock-Erlebnisses dafür, die Ruhe zu bewahren.

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„Wir machen die gleichen Fehler wie im Vorjahr und haben einiges aufzuarbeiten“, sagte der 29-Jahre alte Routinier: „Aber wir dürfen nicht in Hektik verfallen.“

Adler kündigte allerdings auch an, intern „Ross und Reiter“ nennen zu wollen.

Endspiel in Hannover?

Slomka hat jetzt wegen der Länderspielpause zwei Wochen Zeit, seine Mannschaft wieder „aufzurichten“.

Dann muss gegen seinen Ex-Klub Hannover 96 wohl schon ein Sieg her.

Oder ihm droht das Aus – und dem HSV mehr denn je eine weitere Horrorsaison.