Hallo Fußball-Freunde,

das Hamburger 0:3-Debakel gegen Paderborn war für mich nicht verwunderlich. Ich war im Stadion, und die Gemengelage dort war erschreckend.

Die Leute wollen ja die Neuzugänge sehen und nicht die alten Spieler. Da wird dann weniger verziehen. Was ich aber erschreckend fand: Der HSV hat so abwartend gespielt.

Die Mannschaft trainiert viel, aber sie können es vom Kopf her im Moment nicht leisten. Viele sind blockiert. Da muss man den Neuen auch mal das Vertrauen geben, weil sie unbelastet sind.

Paderborn dagegen hat ohne Angst gespielt und sie haben sehr gut nach vorne agiert. Der Sieg war selbst in der Höhe verdient.

Ähnliches wie der HSV haben die Stuttgarter gegen Aufsteiger Köln verlebt. Ideen haben sie viele gehabt. Und ich finde die Mannschaft nicht schlecht besetzt.

Aber ein Antonio Rüdiger hat viele individuelle Fehler gemacht. Da muss man dann auch irgendwann die Qualitätsfrage stellen. Köln hat eine sehr gute Mannschaftsleistung abgeliefert. Riesen-Respekt dafür!

Dass Xabi Alonso einen Tag nach seiner Verpflichtung direkt sein Debüt für den FC Bayern gefeiert hat, hat mir sehr gut gefallen. Er ist ein Weltklasse-Spieler.

Fußballer mit solcher Qualität brauchen keine Anlaufzeit. Trotzdem war es ein bisschen überraschend, dass es so einfach ging. Er spürt aber das Vertrauen von Pep Guardiola, das merkt man.

Mit Alonso sind die Bayern viel variabler. Er hat sich oft in die Dreierkette fallen lassen und dort als Spielmacher fungiert. Er bringt nochmal eine neue Facette ins Spiel. Es ist einfach toll, dass so ein Spieler in die Liga gekommen ist.

Von der damit verbundenen Diskussion über eine Spanisierung bei den Bayern halte ich nichts. Wenn sich die Erfolge einstellen, ist es doch egal, woher ein Spieler kommt.

Wenn die Fans glauben, dass der Spieler alles für den Verein gibt, dann wird es keine Probleme geben.

Auch die Diskusionen um Schalkes Jens Keller gehen zu weit. Er hat ein anderes Image als viele andere Trainer. Er ist keine Glamour-Figur. Aber das muss er ja auch nicht sein.

Man hat sich auf Schalke klar zu ihm bekannt. Er ist sehr authentisch und hat in den entscheidenden Spielen immer die Mannschaft erreicht. Im Unterscheid zum ersten Spiel hat man beim 1:1 gegen die Bayern auch eine Mannschaft kämpfen gesehen. Er ist noch ein junger Trainer. Das was er bisher geleistet hat, ist aber sehr gut!

Bis demnächst,

Euer Thomas Strunz

Ex-Nationalspieler Thomas Strunz wechselt sich in dieser Saison als Experte im Volkswagen Doppelpass und bei der sonntäglichen SPORT1-Kolumne mit Thomas Helmer und Mario Basler ab.