Von Holger Luhmann und Florian Weiß
München/Portland – Pep Guardiola gestikulierte engagiert, Pep Guardiola erläuterte detailliert, Pep Guardiola ließ Übungsformen ein ums andere Mal wiederholen.
Mit großer Akribie und Intensität arbeitet der Trainer auf der USA-Reise daran, die Dreier-Abwehrkette beim FC Bayern einzustudieren und weiter zu perfektionieren.
Vieles deutet daraufhin, dass der Spanier dieses System beim deutschen Doublegewinner in der bevorstehenden Saison etablieren will. Mindestens als taktische Variante. Vielleicht sogar als langfristigen Masterplan.
Es wäre eine Umstellung, die personelles Konfliktpotenzial bietet.
Aus der Not eine Tugend machen
Guardiola hat bereits angedeutet, zumindest zu Beginn der Saison auf eine Dreierkette in der Abwehr zu setzen.
So wie er es erfolgreich im letzten Spiel der vergangenen Saison gemacht hat – beim Sieg im Pokalfinale gegen Erzrivale Borussia Dortmund.
Ein Grund für Guardiolas Überlegung ist naheliegend: Die Weltmeister Jerome Boateng und Philipp Lahm steigen ebenso wie Brasiliens WM-Teilnehmer Dante verspätet in die Vorbereitung ein.
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Es wird folglich etwas dauern, bis sie sich zu 100 Prozent in die Defensive einbringen können.
Extraschichten in Portland
In Portland, wo die Bayern in der Nacht auf Donnerstag auf die MLS All-Stars (3.50 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 US, Wiederholung ab 22.15 Uhr im TV auf SPORT1) treffen, streute Guardiola deshalb immer wieder Extraeinheiten für die Abwehrspieler ein.
Mit Javi Martinez, Holger Badstuber und David Alaba in der Dreierkette.
Sowie Rafinha und Neuzugang Juan Bernat als flexible Außen. Die bei Ballbesitz des Gegners die Abwehr verstärken. Und sich bei eigenem Ballbesitz ins Mittelfeld aufrücken.
Dieses System hatte sich auch bei der WM in Brasilien bei einigen Nationen großer Beliebtheit erfreut.
Kein Platz für Dante?
Bei den Bayern könnte die Dreierkette sogar zu einer langfristigen Trumpfkarte werden.
Doch es droht mindestens ein prominenter Härtefall, wenn alle Spieler fit zur Verfügung stehen.
Allen voran Dante muss sich große Sorgen um seinen Stammplatz machen.
Denn im optimalen Fall könnte die Dreierkette mit Boateng, Martinez und Badstuber besetzt werden.
Als Außenspieler kämen Lahm und Alaba infrage.
Und Dante steht plötzlich auf der Kippe – oder sogar außen vor.
Badstuber „ist der Beste“
Auffällig ist Guardiolas Loblied in der Vorbereitung auf Badstuber, der nach zwei Kreuzbandrissen und eineinhalb Jahre Zwangspause wieder zur Verfügung steht.
In Erinnerung ist noch Guardiolas Aussage zu Co-Trainer Hermann Gerland, die von einem Kamerateam von „FCB.tv“ eingefangen wurde: „Hermann, Hermann. Wir haben zwei überragende Spieler, Innenverteidiger, immer in der Saison gehabt. Aber Badstuber ist besser. Er ist der beste Spieler, den ich je hatte!“
Nicht gerade Worte, die Dante Hoffnung machen.
Auch Sportvorstand Matthias Sammer schwärmte in den USA von Badsturber.
„Holger ist schon so weit, wie ich es zu diesem Zeitpunkt nicht für möglich gehalten habe“, sagte Sammer SPORT1.
Badstuber stellt keine Ansprüche
Badstuber will nach dem Ende seiner Leidenszeit aber keine Ansprüche stellen. Der 25-Jährige freut sich einfach darüber, wieder dabei zu sein.
„Ich konnte jede Einheit voll durchziehen. Ich bin voll belastbar“, sagte Badstuber SPORT1.
„Früher hat man alles viel selbstverständlicher genommen. Durch die Verletzung wurde man geerdet“, erklärte Badstuber weiter: „Ich habe keine Ansprüche. Ich bin ehrgeizig, aber nicht verbissen. Ich konzentriere mich voll auf mich.“
Martinez hat „keine Präferenz“
Während Badstubers Betätigungsfeld auf die Abwehr beschränkt ist, könnte Martinez auch im defensiven Mittelfeld zum Einsatz kommen.
„Ich habe keine Präferenz. Ich fühle mich auf beiden Positionen wohl. Ich werde das Beste geben, da wo der Trainer mich aufstellt“, sagte der Spanier SPORT1.
Im Gedächtnis ist aber noch die starke Leistung von Martinez beim Sieg der Bayern im Pokalfinale gegen Dortmund ? als zentraler Abwehrchef einer Dreierkette.
Auch Guardiola scheint sich daran noch gut zu erinnern.