Von Christian Stüwe

München ? Diva vom Main? Von diesem Klischee wollen die Verantwortlichen von Eintracht Frankfurt nichts wissen.

Betrachtet man allerdings die letzten Jahre, waren zumindest die Leistungen des Klubs ein wenig launisch. Die Eintracht schwankte zwischen Höhepunkten und tiefer Depression. Abstieg, direkter Wiederaufstieg, Qualifikation für die Europa League.

Und dann erst die letzte Saison. In Europa begeisterten die Frankfurter, in der Bundesliga ging es gegen den Abstieg.

Doch nun soll alles anders werden. Trainer Armin Veh verließ den Verein, sein Nachfolger Thomas Schaaf verfügt über enorme Erfahrung und strahlt Ruhe und Souveränität aus.

Doch der Trainer-Routinier steht direkt vor einer schwierigen Aufgabe. Denn die Eintracht befindet sich in einem enormen Umbruch, fast ein halbes Dutzend Leistungsträger verließen den Verein.

SPORT1 stellt die neue Mannschaft der Eintracht vor.

Mit Kapitän Pirmin Schwegler (Hoffenheim), Außenverteidiger Sebastian Jung (VfL Wolfsburg), Mittelfeld-Abräumer Sebastian Rode (FC Bayern München), Tranquillo Barnetta (Schalke) und Torjäger Joselu (Hannover 96) sind die Eckpfeiler des Teams gegangen.

„Unser Problem ist, dass wir Spieler wie Schwegler, Jung oder Rode auf Dauer nicht halten können. Uns fehlen die wirtschaftlichen Möglichkeiten“, haderte Bruno Hübner in der „Frankfurter Rundschau“.

Vor allem Rode konnte nicht eins zu eins ersetzt werden. In der Vorbereitung drängte sich Martin Lanig als interne Lösung auf, auch Marco Russ, Johannes Flum oder der aus Bremen gekommene Alexandar Ignjovski können auf der Sechs spielen.

Timothy Chandler soll Jung hinten rechts beerben, ebenfalls aus Nürnberg kommt Makoto Hasebe, der in Schweglers Fußstapfen treten soll. Beiden ist dies durchaus zuzutrauen.

Besonders hart traf die Frankfurter Verantwortlichen auch der Abgang von Joselu.

Zum einen weil der Spanier mit neun Treffern erheblichen Anteil am Klassenerhalt hatte, zum anderen weil er mit Hannover von einem Team weggekauft wurde, mit dem sich die Eintracht auf Augenhöhe wähnte.

Die Suche nach einem Nachfolger zog sich lange hin, mal wurde Nicklas Bendtner gehandelt, dann wieder Hugo Almeida.

Mehr und mehr geriet Sportdirektor Bruno Hübner in die Kritik, bis er schließlich gleich drei neue Spieler für die Offensive präsentierte.

Auch die Trainersuche im Frühjahr zog sich lange hin. Zunächst galt Roger Schmidt als heißer Kandidat, dann Roberto di Matteo.

Mit Thomas Schaaf wurde aber letztlich die große Lösung präsentiert, die bei Spielern und Fans gleichermaßen gut ankommt.

Der 54 Jahre alte Coach war zuvor fast schon unglaubliche 41 Jahre bei Werder Bremen und feierte als Spieler und Trainer große Erfolge.

Zuletzt lief es in Bremen aber nicht mehr rund, nach der Trennung im vergangenen Jahr machte Schaaf erstmal ein Jahr Pause. Nun brennt er auf die neue Saison.

„Es macht mir große Freude wieder täglich mit Spielern auf dem Platz zu stehen“, sagte Schaaf zuletzt im SPORT1-Interview: „Wir haben bisher in der Vorbereitung sehr gut gearbeitet, die Mannschaft zieht prima mit und es macht uns allen unheimlich viel Spaß.“

Schaaf will die Mannschaft anderen Fußball spielen lassen, schneller und offensiver.

Der Meistertrainer von 2004 sieht sein Engagement in Frankfurt als langfristiges Projekt. Er will beweisen, dass er auch außerhalb von Bremen eine erfolgreiche Mannschaft aufbauen kann.

Läuft es bei Alex Meier gut, läuft es auch bei der Eintracht rund. Diese einfache Formel hatte in den zehn Jahren, in denen der Mittelfeldspieler mittlerweile in Frankfurt spielt, fast immer ihre Gültigkeit.

Die Eintracht ist abhängig von den Toren und den Ideen des 31-Jährigen Meiers. Ist der 1,96-Meter-Mann fit, gehört er zweifelos zu den besten Mittelfeldspielern der Liga.

Schwächelt Meier aber, bekommt auch die Eintracht Probleme. Gerade in diesen Phasen wird Meier immer wieder ein gewisses Phlegma vorgeworfen, was lange dafür sorgte, dass er bei den Fans nicht unumstritten war.

Spätestens seit Meier vor zwei Jahren aber nach dem Abstieg mit in die Zweite Liga ging und als Torschützenkönig großen Anteil am direkten Wiederaufstieg hatte, genießt er in Frankfurt große Wertschätzung.

Die neue Saison wird zeigen, ob die Eintracht auch unter Schaaf von Meier abhängig ist.

Die Statistiken belegen jedenfalls die Wichtigkeit des stillen Stars: In 298 Spielen für die Eintracht in der Bundesliga und der Zweiten Liga erzielte er 89 Tore und bereitete 34 vor.

Die Eintracht will eine sorgenfreie Saison erleben.

„Für uns ist das primäre Ziel in der Liga eine gute Position einzunehmen, dass man mit dem Abstieg nichts zu tun hat“, sagte Schaaf zu SPORT1: „Ich hoffe, dass wir einen Platz erreichen, wo ein gesundes Klima herrscht, um die Mannschaft weiterzuentwickeln und zu versuchen Stück für Stück eine Konstante zu erreichen.“

Mit den launischen Auftritten soll Schluss sein, doch im Moment präsentiert sich die Eintracht noch ziemlich unberechenbar. Können die Abgänge kompensiert werden? Funktioniert die neue Offensive?

Immerhin kann die Eintracht sich auf die eingespielte Abwehr um Carlos Zambrano verlassen, dahinter steht mit Kevin Trapp ein starker Torwart.

Außerdem verfügt die Eintracht über einige sehr kopfballstarke Spieler, was in Kombination mit den Standards von U-19-Europameister Marc Stendera zu einer echten Geheimwaffe werden könnte. ? SPORT1-Tipp: Die Eintracht muss aufpassen nicht in den Abstiegskampf hineingezogen zu werden. Wächst das Team aber wie von Schaaf erhofft zusammen, ist durchaus auch eine Überraschung nach oben möglich.