Bei seiner Ankunft in Leverkusen schaute Kyriakos Papadopoulos wie gewohnt grimmig. Dabei war es für den Griechen ein gelungener Sonntag.

Sein Klub Schalke 04 hatte ihm die Freigabe erteilt. Papadopoulos darf jetzt auf Leihbasis eine Saison für Bayer spielen. Dort erhofft er sich, mehr Spielpraxis zu bekommen.

Alles gut für Papadopoulos. Doch den grimmigen Blick hat er sich auch bewahrt. Er passt einfach zum Innenverteidiger mit der aggressiven Spielweise. Er passt auch zur aggressiven Transferpolitik seines neuen Klubs.

(Mehr Infos zu Bayer Leverkusen am Montag ab 18.30 Uhr in der Sendung SPORT1 News)

Fast 30 Millionen Euro haben die Leverkusener in der Sommerpause an Ablösesummen gezahlt. Die Investitionen der Rheinländer haben auch für Gesprächsstoff bei anderen Vereinen gesorgt.

Bei Rummenigge auf der Rechnung

Für Karl-Heinz Rummenigge ist der Werksverein sogar ein ernstzunehmender Konkurrent im Kampf um den Titel.

„Leverkusen hat sich das Sponsorengeld von Bayer für die nächsten drei Jahre sogar schon in Vorkasse zahlen lassen, um in neue Spieler zu investieren“, verriet Bayern Münchens Vorstandsvorsitzender zuletzt im SPORT1-Interview.

Es hat den Anschein, als wolle Bayer in seinem Briefkopf unbedingt den ersten Meistertitel der Vereinsgeschichte unterbringen. Doch von einem Angriff auf Platz eins will Rudi Völler nichts wissen.

„Wir wollen die Dortmunder ärgern. Vielleicht zusammen mit Schalke und Wolfsburg. Unser Hauptziel ist die Champions League“, erklärte Leverkusens Sportdirektor zuletzt der „Sport Bild“.

Calhanoglu als Rekordtransfer

Um Platz zwei anzugreifen, hat er Hakan Calhanoglu für 14,5 Millionen Euro vom Hamburger SV verpflichtet ? der Deutsch-Türke ist Leverkusens teuerster Einkauf der Vereinsgeschichte.

Für Angreifer Josip Drmic soll Bayer sieben Millionen Euro an den 1. FC Nürnberg gezahlt haben, für den brasilianischen Rechtsverteidiger Wendell 5,5 Millionen an Gremio Porto Alegre.

Dazu kommt der talentierte Abwehrspieler Tim Jedvaj vom AS Rom und der hochveranlagte Angreifer Wladlen Jurtschenko, der in der Vorbereitung regelmäßig traf. Papadopoulos bezeichnete Völler nun als den „letzten Mosaikstein“.

Lehren aus der Vorsaison

Er hat anscheinend aus der Vorsaison gelernt: Da stellte Bayer Leverkusen auch schon eine gute Startelf. Wenn Schlüsselspieler fehlten oder außer Form waren, dann führte das häufig zu Problemen.

Das kam besonders im Frühjahr zum Vorschein. Bayer erlebte eine Pleitenserie, die letztendlich in der Entlassung von Trainer Sami Hyypiä mündete.

Sein Nachfolger Roger Schmidt hat nun mehr Alternativen. Der 47-Jährige will mit zwei Angreifern und zwei offensiven Mittelfeldspielern agieren. Für diese vier Planstellen hat Schmidt nun zehn Bewerber.

Stefan Kießling und Heung-Min Song sind geblieben, Robbie Kruse hat seinen Kreuzbandriss auskuriert. Auch Gonzalo Castro und der Koreaner Ryu Seung-woo sind Kandidaten für die vier Positionen.

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Hinzu kommen die neuen Spieler Drmic, Calhanoglu und Jurtschenko sowie Karim Bellarabi, Rückkehrer von Eintracht Braunschweig.

Hoffnung auf Juwel Brandt

Und dann hat Schmidt noch ein echtes Juwel im Kader. Julian Brandt spielte mit seinen 18 Jahren schon in der Vorsaison auf. Der Gewinn der U-19-Europameisterschaft dürfte dem Flügelflitzer zusätzlich Auftrieb gegeben haben.

Das gilt übrigens auch für Levin Öztunali, der den Konkurrenzkampf im defensiven Mittelfeld anheizt.

Das Gedränge wird auch in der Innenverteidigung groß. Emir Spahic, Ömer Toprak, Philipp Wollscheid balgen sich mit den neuen Leuten Jedvaj und Papadopoulos um zwei Plätze.

Am 19. oder 20. August gibt es für den neuen Bayer-Kader die erste Standortbestimmung. Dann steht das Playoff-Hinspiel zur Champions League auf dem Programm.

Bilbao, Lille oder Istanbul?

Leverkusen könnte in diesen wichtigen Spielen auf schwere Gegner treffen. Duelle mit Athletic Bilbao, OSC Lille oder Besiktas Istanbul sind möglich.

Für Bayer wäre der Einzug in die Gruppenphase enorm wichtig. 20 Millionen Euro Mehreinnahmen garantiert der Wettbewerb den Teilnehmern. Geld, das Leverkusen gut gebrauchen könnte. Denn vom Sponsor dürfte es demnächst keins mehr geben.