Es gibt ja Leute, die finden, dass es eindrucksvoll genug ist, wenn jemand einen hohen Posten bei einem großen deutschen Fußballklub bekleidet.
Es ist eindrucksvoll, nicht dass wir uns hier falsch verstehen.
Vorstandsvorsitzender beim FC Bayern, wie Karl-Heinz Rummenigge: eindrucksvoll. Geschäftsführer Sport beim VfL Wolfsburg, wie Klaus Allofs: ebenfalls. Beiratspräsident der Borussia Dortmund Geschäftsführungs-GmbH, wie Dr. Reinhard Rauball: auch mehr als ordentlich.
Richtig eindrucksvoll ist es aber eben nur erst dann, wenn man dieselben Berufsbezeichnungen auf der englischsprachigen Homepage der Klubs nachliest.
Reinhard Rauball, President of the Managing Board of Directors: hui. Klaus Allofs, General Manager, Managing Director Sport, genauer gesagt: alle Wetter. Karl-Heinz Rummenigge, Executive Board Chairman: Donnerknispel!
Man versteht beim Anblick dieser Titelbezeichnungen, warum Internationalisierung gerade das große Ding in der Bundesliga ist.
Und man muss da natürlich auch den neuen Job von Franz Beckenbauer – bei dem es genau darum geht – im englischen Originalton genießen: International Brand Ambassador.
Franz Beckenbauer ist nun also internationaler Markenbotschafter bei den Bayern.
So eindrucksvoll das ist: Man kann verstehen, dass das bei den ökonomischen Laien erst einmal Fragen aufwirft.
Wie genau, fragt er sich, sind die Aufgaben eines internationalen Markenbotschafters eigentlich zugeschnitten?
Wie unterscheiden Sie sich von denen des nationalen Markenbotschafters, die Paul Breitner seit Jahren erfolgreich ausübt, ohne Furcht und Tadel, wie man versucht ist zu sagen?
Was passiert, wenn es Kompetenzkonflikte gibt? Was bei diplomatischen Verwicklungen? Welchen Markenbotschafter muss ein President of the Managing Board of Directors eines anderen Klubs dann eigentlich einbestellen?
So berechtigt all diese Fragen sind: Man darf davon ausgehen, dass jemand wie Franz Beckenbauer sich nicht unvorbereitet auf das Wagnis einlässt, einem großen deutschen Fußballklub als internationaler Markenbotschafter zu dienen.
Und dass in seiner Schublade detailliert ausgearbeitete Strategiepapiere liegen, wie die Marke FC Bayern und ihr Premiumanspruch in den USA, China und den anderen ökonomischen Schlüsselregionen effizient weiterzuentwickeln ist – am Ende des Tages natürlich auch mit Blick auf das Thema Brand Value Capitalisation, das soll hier nicht verhehlt werden.
Wobei diese Strategiepapiere wiederum natürlich nicht so überkompliziert sein werden, dass er sie all denen, die ihm bei dieser Aufgabe zuarbeiten werden, in ihrer Detailliertheit nicht mehr erklären kann.
Denn natürlich wird hinter Beckenbauers Business Plan für seinen Job als International Brand Ambassador auch ein über allem stehender und leicht verständlicher Leitgedanke stehen.
Ein Leitgedanke, den man notfalls auch mit einem Satz plakativ und griffig auf den Punkt bringen kann.
Grob vereinfacht dürfte er in etwa so lauten: Geht’s raus und botschaftet Marke.
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