Von Matthias Becker

München – Bastian Schweinsteiger hat schon einen Feier-Marathon hinter sich, als er in einer Bar im Münchner Glockenbachviertel das Wort ergreift.

Er ist gut gelaunt, dass sieht man auf dem Video, das am Wochenende auf Facebook auftauchte.

Ein paar Kumpels hatten für den frisch gebackenen Weltmeister eine Willkommens-Party organisiert. Die Stimmung ist ausgelassen und Schweinsteiger stimmt einen bekannten Schmähgesang auf Borussia Dortmund an.

Das Video hätte das Potenzial, einen kleinen Skandal auszulösen. Wochenlang wurde der hervorragende Teamgeist des Nationalteams gelobt. Über die Vereinsgrenzen hinweg hatten die DFB-Spieler sich zu einer verschworenen Einheit geformt – und dann beleidigt ausgerechnet der emotionale Leader Schweinsteiger die Konkurrenten aus Dortmund?

Er, der nach dem Rücktritt von Philipp Lahm als Kandidat auf die Nachfolge als Kapitän der Nationalmannschaft gehandelt wird?

Großkreutz zeigt Verständnis

Schweinsteiger hat die Sprengkraft des Clips erkannt und zur Schadensbegrenzung gleich selbst das Wort ergriffen.

„Ich möchte mich dafür entschuldigen. Ich möchte natürlich nichts schönreden, es ist ein bekannter Fansong, aber mit dem Schimpfwort will ich keinen beleidigen. Ich verstehe mich mit allen Spielern von Borussia Dortmund gut, speziell mit Kevin Großkreutz. Es war eine unglückliche Situation“, teilte der Mittelfeldspieler von Bayern München in einer Videobotschaft mit.

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Kevin Großkreutz nahm die Entschuldigung an.

„Die Aktion war nicht cool, aber ich verstehe deine Erklärung zu diesem Thema und ich werde niemals vergessen was du alles für mich getan hast“, schrieb der Dortmunder bei Facebook: „Jeder Mensch macht Fehler und damit muss das Thema durch sein.“

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BVB akzeptiert Entschuldigung

Auch der BVB selbst reagierte direkt auf die Videobotschaft Schweinsteigers.

„Dass man nach einer errungenen Fußball-Weltmeisterschaft (zu der wir abermals ganz herzlich gratulieren!) mal ein Weißbier trinkt, Emotionen rauslässt und die eine oder andere unbedachte gesangliche Äußerung tätigt – geschenkt und gar kein Problem!“, schrieb der Verein auf seiner Facebook-Seite:

„Wir haben Dich immer für einen fairen Sportsmann gehalten, hätten wegen Deines Songs nie ein Fass aufgemacht und akzeptieren dennoch – selbstverständlich – Deine Video-Entschuldigung.“

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Opfer mangelnder Privatsphäre

Auf den ersten Blick ist das bemerkenswert. Gerade in der letzten Saison waren zwischen den beiden Vereinen schließlich immer wieder Giftpfeile hin- und hergeflogen.

Die Dortmunder haben sich inzwischen als der große Bayern-Jäger etabliert und arbeiten auf allen Ebenen daran, den Abstand zum Rekordmeister zu verkleinern. Da wäre es ein Leichtes gewesen, Schweinsteigers Entgleisung zum Anlass zu nehmen, die Stimmung kurz vor dem Saisonstart anzuheizen.

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Dass der BVB darauf keine Lust hat, ist aber auch ein gutes Zeichen. Auch Profi-Fußballern sollte in Zeiten sozialer Medien eine Privatsphäre zugestanden werden. Dass ein Gast einer privaten Feier nichts Besseres zu tun hat, als das Video in die Welt zu schicken, wäre den Weltmeistern von 1990 wohl kaum passiert.

Kleiner Seitenhieb vom BVB

Zumal der Auslöser für die Gesangseinlage unklar bleibt. Nach SPORT1-Informationen ist der Wirt der Bar, in der das Video entstanden ist, BVB-Fan.

Das angestimmte Lied soll Medienberichten zufolge sogar auf der WM-Party in Brasilien im Beisein der Borussen ein Hit gewesen sein. Letztlich war es wohl nicht mehr als ein Spaß.

Strafen vom Verein oder dem DFB dürfte Schweinsteiger wohl kaum zu fürchten haben, dafür sind seine Verdienste zu groß, seine Reue zu glaubwürdig.

Und wer den Schaden hat, braucht für den Spott sowieso nicht zu sorgen.

Einen kleinen Seitenhieb konnten sich die Dortmunder nämlich dann doch nicht verkneifen. „Wenn Du mal Gesangsunterricht brauchst, sag‘ einfach Bescheid. Wir helfen wirklich immer gern“, schrieben sie.