Knapp ein Jahr nach dem Tod von Werner Lorant verliert 1860 München seinen nächsten legendären Coach.

Ex-Löwen-Trainer Karsten Wettberg ist am Sonntag nach langer Krankheit in Wasserburg am Inn im Alter von 84 Jahren verstorben. Das teilte der Drittliga-Klub mit.

Karsten Wettberg wurde bei 1860 zur Klub-Legende

Die Löwen beschreiben den volksnahen und meinungsstarken Wettberg als „eine der schillerndsten Figuren in der Geschichte des TSV 1860 München“. Der gebürtige Brandenburger – dessen Mutter kurz vor Ende des 2. Weltkriegs vor den Russen nach Bayern floh – führte den Lokalrivalen des FC Bayern im Jahr 1991 nach neun Jahren in der Bayernliga zurück in die 2. Bundesliga und in den bezahlten Profifußball.

Auch wenn die Löwen im Jahr darauf wieder für ein Jahr abstiegen und Wettberg entlassen wurde, war der damalige Triumph der Grundstein für den Aufschwung der Löwen in den Neunzigern und für eine große Zeit der Vereinsgeschichte.

Wettbergs Spitzname „König von Giesing“ – verliehen vom damaligen Münchener Oberbürgermeister Georg Kronawitter – hat sich im kollektiven Gedächtnis des Klubs eingebrannt, ebenso das legendäre Interview mit dem Bayerischen Rundfunk nach dem Aufstieg. Wettberg, dem die euphorischen Fans die Kleider vom Leib gerissen hatten, gab es in Unterhose.

BR-Reporter Edgar Endres interviewte Karsten Wettberg nach dem Zweitliga-Aufstieg 1991 in Unterhose
BR-Reporter Edgar Endres interviewte Karsten Wettberg nach dem Zweitliga-Aufstieg 1991 in UnterhoseBR-Reporter Edgar Endres interviewte Karsten Wettberg nach dem Zweitliga-Aufstieg 1991 in Unterhose© IMAGO/WEREK

„1860 ist wie Rauschgift“

Wettberg hatte im Lauf seiner 44 Jahre umfassenden Trainerkarriere auch viele andere bayerische Klubs trainiert, unter ihnen die SpVgg Unterhaching, Jahn Regensburg und den FC Augsburg.

Zwischen 2007 und 2008 war Vollblut-Löwe Wettberg („1860 ist wie Rauschgift“) bei seinem Herzensklub auch kurz Vizepräsident. Für sein großes soziales Engagement für verschiedene wohltätige Zwecke erhielt er 2006 den Bundesverdienstorden.

Der TSV 1860 München wird im Heimspiel gegen Waldhof Mannheim am kommenden Samstag mit Trauerflor auflaufen.

„Er war nicht nur eine Trainer-Legende, sondern ein Mensch, der sich immer für andere eingesetzt hat“, beschließt 1860 seinen Nachruf: „Er hat weit über die Grenzen von Giesing tiefe Spuren – nicht nur bei den Löwen – hinterlassen. Ruhe in Frieden!“