Der Machtkampf zwischen der Europäischen Fußball-Union (UEFA) und dem Weltverband FIFA nimmt eine neue juristische Dimension an. Wie der britische Telegraph berichtet, hat die UEFA dem FIFA-Präsidenten Gianni Infantino sowie mehreren am gescheiterten Investorendeal beteiligten Akteuren offiziell mit rechtlichen Schritten gedroht.

In einem am Freitag verschickten Brief teilte die UEFA Infantino demnach mit, sie prüfe ernsthaft rechtliche Schritte. „Die UEFA gibt hiermit formell bekannt, dass rechtliche Schritte, ein Schiedsverfahren und/oder regulatorische Beschwerden im Zusammenhang mit dem von der FIFA vorgeschlagenen FFE-Plan aktiv geprüft werden“, heißt es demnach in dem Schreiben.

FIFA-Präsident Gianni Infantino geriet wegen Investorenplänen massiv in die Kritik
FIFA-Präsident Gianni Infantino geriet wegen Investorenplänen massiv in die KritikFIFA-Präsident Gianni Infantino geriet wegen Investorenplänen massiv in die Kritik© IMAGO/DeFodi Images

Adressiert wurde der Brief nicht nur an Infantino, sondern auch an weitere am Deal beteiligte Parteien – darunter den Investor Joshua Kushner (Bruder von Jared Kushner und Betreiber der Investmentfirma Thrive Capital), Investor Greg Maffei, die Bank JP Morgan sowie das Beratungsunternehmen OpenEconomics.

UEFA will „Beweisvernichtung“ verhindern

Besonders brisant: Die UEFA fordert FIFA und die Adressaten explizit auf, sämtliche Dokumente und elektronisch gespeicherten Informationen rund um das „FIFA Forward Enterprise“-Projekt (FFE) zu sichern und nicht zu löschen. Man sei verpflichtet, alle relevanten Materialien umgehend zu sichern.

Eine Vernichtung, Löschung, Veränderung oder Verschleierung von Unterlagen nach Erhalt der Mitteilung könne als „Beweisvernichtung“ gewertet werden, warnte die UEFA laut dem Bericht außerdem.

Auslöser des Streits war der Ende Juli bekannt gewordene Plan Infantinos, über die neue Gesellschaft FFE bis zu 30 Prozent der kommerziellen Rechte an WM-Turnieren – Männer- wie Frauen-Weltmeisterschaft sowie Klub-WM – an private Investoren zu verkaufen. Medienberichten zufolge sollte so eine Summe von mehr als 20 Milliarden US-Dollar generiert werden.

Nach heftigem Widerstand der UEFA, die ihren 55 Mitgliedsverbänden bereits einen möglichen WM-Boykott angedroht hatte, sowie nach Rückzug wichtiger Verbündeter Infantinos – darunter Berater Carlos Cordeiro – zog die FIFA das Projekt am 1. August offiziell zurück.