Jürgen Klinsmann und Lothar Matthäus hatten in ihrer Karriere viel miteinander zu tun. Von 1989 bis 1992 spielten sie gemeinsam bei Inter Mailand, ab 1995 zwei Jahre zusammen beim FC Bayern – und selbstverständlich stets gemeinsam in der Nationalmannschaft.
Mitte der 90er Jahre krachte es allerdings zwischen den zwei deutschen Fußball-Legenden. Als der Rekordmeister zum FC Hollywood mutierte, zogen beide in den Medien übereinander her. Aus heutiger Sicht äußerst unverständlich.
„Wenn wir zu zweit zusammensaßen und uns unterhalten haben, hatten wir nie Probleme miteinander. Wir haben uns respektiert, vor allem auf dem Platz, hatten aber auch daneben unseren Spaß. Klar, zu unseren Bayern-Zeiten hat es in der Kabine hier und da mal gescheppert. Aber das gehört auch dazu“, erinnerte sich Klinsmann nun anlässlich des 65. Geburtstags von Matthäus am Samstag im Interview mit der Abendzeitung zurück.
Klinsmann und Matthäus verstanden Zoff nicht
„Dass wir uns wirklich zoffen, das wurde stets von außen herangetragen. Und das hat dann unser Verhältnis gedämpft. Irgendwann im Laufe der Zeit nach der Karriere haben wir uns gefragt: Was war eigentlich damals mit uns los? Was sollte denn der ganze Schmarrn? (lacht) Und plötzlich hat sich das komplett beruhigt, wir schätzen uns gegenseitig sehr.“
Mehr noch: Beide sind regelmäßig in Kontakt, spielen bei den Bayern-Legenden gemeinsam Hallenturniere für den guten Zweck.
„Ja, wir freuen uns immer, wenn wir uns sehen. Wir sind ständig in Kontakt, schicken uns SMS hin und her, sind so auf dem neuesten Stand über das jeweilige Privatleben“, so Matthäus.
„Im Nachhinein frage ich mich auch: Was war damals, vor allem in unserer Zeit bei Bayern, eigentlich los, dass es da immer so gebebt hat?“
Klinsmann lobt Modemensch Matthäus
Neben dem Zoff erinnert sich Klinsmann übrigens auch an Modemensch Matthäus zurück. „In Sachen Mode ist Lothar immer mit der Zeit gegangen, das fand ich beeindruckend. Er wollte stets wissen: Was gibt es Neues? Gerade in Italien war es besonders wichtig, wie die Spieler sich kleiden – für sie selbst und die Öffentlichkeit.“
Und weiter: „Lothar war immer unglaublich neugierig und vor allem offen für Neues. Er hat jeden Trend aufgesaugt. Wie man sich kleidet, wie die Dinge zueinander passen müssen und aufeinander abgestimmt sind.“
Seine fußballerische Laufbahn hat er darüber aber nicht vergessen. „Er war der beste Mitspieler, den ich in meiner Karriere hatte. Ich fand es bewundernswert, mit welcher Dynamik, mit welcher Entschlossenheit, mit welcher Technik und Übersicht er agiert hat. Lothar war ein perfekter Mittelfeldspieler, ein außergewöhnlicher Fußballer“, so Klinsmann.
Beeindruckende fußballerische Fähigkeiten
Matthäus habe demnach alles in seinem Spiel vereint. „Er konnte Tore schießen, mit links, mit rechts. Er konnte lange Bälle spielen, konnte das Spiel langsam machen, konnte es schnell machen. Er hatte einen Antritt, der war jenseits von Gut und Böse. Seine ersten zehn Meter – das war brutal.“
Dabei das Wichtigste: „Bei all seiner Power hatte er immer den Ball am Fuß, dabei stets den Kopf oben. Faszinierend. Wir hatten in Deutschland einen Kapitän, der absolute Weltspitze war.“