Albert Stuivenberg war der Zwiespalt anzusehen, als er nach der 1:2-Heimniederlage des FC Arsenal gegen Manchester City seine Einschätzungen zu den vergangenen 97 Minuten zum Besten gab.
„Frustration und Stolz auf die Leistung, beides ist vorhanden“, sagte der niederländische Co-Trainer, der den Corona-erkrankten Cheftrainer Mikel Arteta vertrat.
Nach fünf Pflichtspiel-Siegen in Folge war es mal wieder ein Dämpfer für die Gunners – doch es war einer, der die Träume der Arsenal-Fans befeuern dürfte.
Was Arsenal vor allem in der ersten Hälfte auf dem Platz brachte, war beeindruckend. Die Elf von Pep Guardiola, die mit zehn Siegen in Folge angereist waren, wusste zeitweise nicht, wie ihr geschah.
Auch Arteta hin- und hergerissen
Bukayo Sakas Führung (31.) war überfällig, doch weil vor allem Gabriel Martinelli fahrlässig seine Chancen vergab, blieb City im Spiel. „Wenn man sich gegen eine solche Mannschaft Chancen erarbeitet, muss man sie auch nutzen“, haderte Stuivenberg.
Den Frust des Coaches steigerten noch die Umstände, die zu dieser Niederlage führte. Den strittigen Foulelfmeter, der zum 1:1 führte, bekam City nach einem VAR-Check zugesprochen.
Auf der anderen Seite forderten die Gastgeber vergeblich einen Strafstoß, sie verloren Gabriel durch eine Gelb-Rote Karte – und bekamen in der Nachspielzeit das 1:2 durch Rodrigo.
Hin- und hergerissen war offenbar auch Cheftrainer Arteta, der sich in der häuslichen Isolation den Auftritt seines Teams anschaute.
Guardiola ehrlich: Arsenal war besser
„Er ist sehr stolz auf die Leistung der Spieler, er hat das Spiel wirklich genossen“, berichtete sein Assistent Stuivenberg. „Aber natürlich ist er auch sehr frustriert, dass wir nicht drei Punkte geholt haben, denn darum geht es am Ende.“
Dass Arsenals Aufschwung mit der unglücklichen Niederlage nun abrupt endet, davon sollte man nicht ausgehen. „Sie waren das bessere Team“, sagte City-Coach Pep Guardiola ehrlich. „Wir wissen, was es bedeutet, Arsenal hier zu schlagen, vor allem in dem Moment, in dem sie sich befinden.“
Arsenal stehe „zu Recht da oben“, sagte der ehemalige Bayern-Coach. Mit 35 Zählern haben die Gunners zwar einen erklecklichen Abstand zu City (53 Punkte), doch der Abstand zum amtierenden Meister ist nur noch auf dem Papier so groß.
Dabei war Arteta nach drei Niederlagen zum Premier-League-Start vom englischen Boulevard fast schon zum Abschuss freigegeben worden. Der Arsenal-Trainer schaffte es aber im Laufe der Saison, dem Team ein Gesicht zu geben – eines, mit dem sich die Fans identifizieren konnten.
„Dürfen uns nicht selbst bemitleiden“
„Die Niederlage tut weh, aber wir dürfen uns nicht selbst bemitleiden“, schrieb Konstantin Mitov in seinem Fan-Blog justarsenal.com. „Wir müssen uns wieder aufrappeln. Das war im wahrsten Sinne des Wortes die beste Mannschaft der Liga. Wenn wir sie dominieren können, haben wir nichts zu befürchten.“
Nach fünf Jahren ohne Champions League sieht es wieder so aus, als sei mit den jungen Spielern um Saka, Martinelli oder Martin Odegaard ein neues Arsenal entstanden – eines, das dem Ruhm alter Tage gerecht wird.
Bereits am 6. Januar kommt es zum nächsten Knüller, wenn der FC Liverpool im League-Cup-Halbfinale im Emirates Stadium aufkreuzt – auch dann werden die Gunners ohne Pierre-Emerick Aubameyang antreten.
Die Siegesserie hatte Arsenal schon ohne seinen Stürmerstar hingelegt – und dabei alles kurz und klein geschossen. Nach 14:1 Toren kletterte sie Arteta-Elf immer weiter nach oben, während Aubameyang nach Disziplinlosigkeiten zuschauen musste.
Mittlerweile bereitet sich der frühere BVB-Star mit Gabun auf den Afrika-Cup vor. Gut möglich, dass er noch in der Winterpause verkauft wird – und seine früheren Kollegen ihren Höhenflug ohne Aubameyang fortsetzen werden.