Trevoh Chalobah fiel ungläubig auf die Knie, umringt von seinen Mitspielern, die ihn in den Arm nahmen. Der 22 Jahre alte Engländer konnte selbst kaum fassen, was eben passiert war.

Im Auftaktspiel gegen Crystal Palace hatte endlich die Stunde des Premier-League-Debütanten geschlagen – und wie!

Nach der Spielverlagerung auf die rechte Seite besaß Chalobah plötzlich eine Menge Platz. Der 22-Jährige fasste sich ein Herz und zog aus rund 20 Metern einfach mal ab. Ein fieser Flatterball, der gegen den linken Innenpfosten krachte – und von dort den Weg ins Tor fand.

Der Rest waren Emotionen pur: Sofort stürmten Chalobahs Mitspieler heran und gratulierten Chelseas Torschützen überschwänglich.

Chalobah: “Das hätte ich mir nie träumen lassen”

Für Chalobah dürfte sein Treffer im Spiel gegen Crystal Palace einer der bisher bewegendsten Momente seiner noch jungen Karriere gewesen sein.

“Das hätte ich mir nie träumen lassen. Solche Momente kommen und man muss einfach geduldig sein. Von dem Tag an, an dem ich hierher kam, war es mein Ziel, den Trainer zu beeindrucken, sei es im Training oder anderswo”, sagte der überglückliche Torschütze im Anschluss der BBC.

Dass es für den Engländer eine spezielle Saison werden könnte, hatte sich in den letzten Wochen allerdings bereits abgezeichnet.

Chalobah gilt als einer der Gewinner der Vorbereitung unter Thomas Tuchel. Selbstverständlich ist das jedoch nicht.

Chalobah galt beim FC Chelsea als Streichkandidat

Denn: Chalobah, der in Sierra Leone geboren ist, konnte in seiner noch jungen Profikarriere bisher nur schwer Fuß fassen.

Das Eigengewächs des FC Chelsea wurde mit 22 Jahren bereits dreimal verliehen. Bei Ipswich Town und Huddersfield Town konnte er eine Menge Zweitligaerfahrung in England sammeln, für den französischen Erstligisten Lorient absolvierte er in der vergangenen Saison insgesamt 30 Spiele.

Nach der Rückkehr zum FC Chelsea in diesem Sommer galt Chalobah allerdings direkt wieder als Streichkandidat. Als zu übermächtig wurde die Konkurrenz aus Spielern wie Antonio Rüdiger, Andreas Christensen, Antonio Rüdiger und Thiago Silva eingeschätzt.

Chalobah ließ sich davon jedoch nicht beeindrucken. Stattdessen könnte Trevoh, dessen älterer Bruder Nathaniel beim FC Watford unter Vertrag steht, nun tatsächlich eine prägende Rolle in der laufenden Saison spielen.

Thomas Tuchel schenkt Chalobah Vertrauen

Tuchel scheint Gefallen an der Spielweise des schlaksigen Defensivspezialisten gefunden zu haben.

Im Super-Cup-Finale gegen den FC Villareal stand Chalobah über die vollen 120 Minuten auf dem Platz – und machte ein überragendes Spiel. Eine Passquote von 94,6 Prozent und insgesamt 123 angekommene Zuspiele sind mehr als bemerkenswert für einen Innenverteidiger.

Damit nicht genug: Chalobah stand zuletzt auch in den beiden Testspielen gegen den FC Arsenal und Tottenham Hotspur in der Startaufstellung.

Die Vielseitigkeit ist eine der großen Stärken von Chalobah. Der ehemalige U21-Nationalspieler Englands kann sowohl als Innenverteidiger agieren, als auch im Defensiven Mittelfeld und auf den Außenbahnen zum Einsatz kommen.

Seine Stärken scheint Chalobah nun verstärkt auf den Platz zu bringen.

Im Auftaktspiel gegen Crystal Palace zeigte der Engländer defensiv eine einwandfreie Leistung und durfte sich mit seinem Treffer zum 3:0 sogar noch in die Torschützenliste eintragen.

Bei der Abstimmung zum Spieler des Spiels liegt Chalobah mit rund 75 Prozent mit Abstand vorne.

“Fantastisch. Er bekommt das ganze Lob, und das ist wohlverdient. (…) Es ist fantastisch, dass so etwas im Sport passiert. Ein perfekter Tag für ihn”, lobte Tuchel seinen Schützling, der zum unverhofften X-Faktor mutiert.

Wird Chalobah dennoch verliehen?

Chalobah wurde bis zuletzt mit einer Leihe in Verbindung gebracht – unter anderem der FC Valencia soll an dem talentierten Defensivspieler interessiert sein.

Nach den bärenstarken Leistungen in den letzten Wochen ist aber damit zu rechnen, dass die Blues Chalobah gerne behalten würden.

Und vielleicht fällt der offensivfreudige Verteidiger in Zukunft noch öfters auf die Knie.