Viel Anlaufzeit brauchte sie nicht, die 41. Saison der Zweiten Liga. „Wir sind alle direkt drin, alle direkt angekommen“, sagte Eintracht Braunschweigs Trainer Torsten Lieberknecht nach dem intensiven Auftakt beim 2:2 bei Fortuna Düsseldorf (Bericht).

Der rauschende WM-Sommer ist Vergangenheit, seit Freitagabend steht wieder die Liga im Mittelpunkt – und die macht durchaus Lust auf mehr.

41.667 Zuschauer waren zum ersten offiziellen Eröffnungsspiel der Zweitligageschichte in die Arena geströmt, „das war ein würdiger Rahmen“, fand Lieberknecht.

Fußball-Deutschland schaute also nach Düsseldorf, um sich ein Bild von zwei heißen Aufstiegsanwärtern zu machen, und die gaben durchaus Antworten.

Lieberknecht gefällt Charakterstärke

Denn trotz Schwächephasen auf beiden Seiten zeigten Absteiger Braunschweig und die Fortuna bei ihrem Remis wichtige Qualitäten für den Kampf um die Bundesliga-Rückkehr.

In „zwei unterschiedlichen Halbzeiten“, so Lieberknecht, demonstrierte die Eintracht erst nach der Pause ihre Stärken – und das waren altbekannte. Durch Ken Reichel (60.) und Havard Nielsen (84.) glich die Mannschaft zweimal einen Rückstand aus, „diese Charakterstärke gibt Mut und Selbstvertrauen“, sagt der Trainer.

„Als Fiat 500 kannst du da nicht ausweichen“

Der Star ist schon seit Jahren das Team in Braunschweig, nach dem Abgang von Top-Torjäger Domi Kumbela im Sommer gilt das mehr denn je.

Und gemeinsam steckte die Elf neben den Gegentoren in Düsseldorf weitere Rückschläge weg, denn bei zwei elfmeterreifen Szenen blieb die Pfeife von Schiedsrichter Deniz Aytekin stumm.

Das Unverständnis war später groß, „wenn ein LKW von der Seite kommt, dann kannst du als Fiat 500 nicht mehr ausweichen“, sagte Lieberknecht etwa zum harten Rempler von Düsseldorfs Heinrich Schmidtgal gegen Nielsen: „Das war schon eine ganz klare Szene.“

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Rensing: „Das war ein Elfer“

Und Düsseldorfs Keeper Michael Rensing gestand nach Spielende, dass sein Einsteigen gegen Bakenga eigentlich elfmeterwürdig war.

„Ich muss zugeben, dass es eigentlich ein Elfmeter war“, sagte Rensing ehrlich. „Ich habe gesehen, dass er den Ball vorbeilegen will, gehe zum Ball und berühre ihn. Wir können glücklich sein, dass es keinen Elfmeter gegeben hat.“

Dennoch waren die Braunschweiger mit dem Remis nicht unzufrieden. Braunschweigs Kapitän Dennis Kruppke betonte, „Düsseldorf ist schließlich auch kein Kanonenfutter.“

Gute erste Halbzeit macht Fortuna Mut

Seit Oliver Reck die Verantwortung bei der Fortuna trägt, kann davon in der Tat keine Rede sein.

16 von 18 möglichen Punkten hatte der frühere Torwart in der Schlussphase der vergangenen Saison als Vertreter des erkrankten Lorenz-Günther Köstner geholt. Nun ist er Cheftrainer, und die Euphorie in der Rheinmetropole wurde durch eine Vorbereitung ohne Niederlage weiter angefacht.

Vor allem in Hälfte eins lieferte die Fortuna viele Argumente für ihren Status als Mitfavorit.

Achse wächst zusammen

„Wir haben zwei unterschiedliche Halbzeiten gesehen“, sagte Reck zu SPORT1: „In der zweiten Halbzeit haben wir abgebaut und hätten sogar noch verlieren können. Das müssen wir das nächste Mal besser machen.“

Und noch eine Erkenntnis nahm der Fortuna-Coach mit. Seine erhoffte Achse könnte auch künftig die Erwartungen erfüllen. Kapitän und Abwehrchef Adam Bodzek sowie der langjährige Bundesliga-Spieler Sergio Pinto sind gemeinsam mit Kreativspieler Michael Liendl die Korsettstangen des Kaders.

Vor allem Neuzugang Pinto könnte wichtig werden. „Er hat Qualität, ist präsent, strahlt etwas aus. Er tut uns einfach gut“, sagte Reck über seinen Sechser. In der Offensive verfügt Düsseldorf zudem über jede Menge individuelle Qualität, die hoffen lässt.

Liendl zeigte das mit seinem Traumtor in den Winkel zur Führung (34.), zudem traf der eingewechselte Charlison Benschop (65.).

Was all das letztlich für den Aufstiegskampf zu bedeuten hat, bleibt natürlich abzuwarten. Weitere Mitfavoriten gibt es reichlich, weitere Antworten werden folgen. „und alle sind erst mal froh“, sagte Lieberknecht, „wenn der erste Spieltag vorbei ist.“