Denkwürdiger Moment im FIROCKX.ONE WM Doppelpass: Als es um die Einstellung der deutschen Fußball-Nationalspieler geht, wird Pierre Littbarski deutlich. Der Weltmeister von 1990 hebt zu einer Brandrede an.
„Wir wollen den Fernseher an machen und Spaß haben. Wir wollen sehen, dass sie sich den Hintern aufreißen. Es geht in erster Linie darum, wieder Zug reinzubekommen. Zwischen gut und schlecht spielen, gibt es immer noch die Verbissenheit. Ich möchte wieder solche Typen haben, die ekelig sind“, sagte Littbarski und verwies auf SPORT1-Experte Stefan Effenberg: „So wie Effe damals, ich möchte wieder solche Typen haben, die ekelig sind, dass die anderen Mannschaften wieder Respekt vor uns haben.“
In Fahrt gekommen, legte Littbarski nach: “Seit 2014 ist es den Bach heruntergegangen. Wir brauchen auch Individualisten, die müssen aber auch ganz genau wissen, wie sie die Mannschaft besser machen und nicht nur das Wappen küssen. Da werden sich manche Spieler noch umschauen, die aktuell damit noch nicht rechnen.“
Littbarski hofft auf einen deutlichen Effekt durch Jürgen Klopp, auf den alles als künftiger Bundestrainer hinausläuft. „Ich würde den Manager und Trainer installieren, wie er es in Liverpool gemacht hat. Zudem würde ich Leute dazu holen, die Ahnung haben, wie man den deutschen Fußball ändern kann. Per Mertesacker kann ich mir sehr gut vorstellen.“
Mertesacker, Weltmeister 2014, wird als Nachfolger von Andreas Rettig als Sport-Geschäftsführer des Deutschen Fußball-Bundes gehandelt.
Nagelsmann? Littbarski moniert „Work-Life-Balance“
Littbarski mochte sich auch einen deutlichen Seitenhieb gegen Julian Nagelsmann nicht verkneifen: „Der Nagelsmann hat sich nicht des Asien-Cup angeguckt, nicht die Klub-WM, Afrika-Cup, Sudamerika – nichts. Ich kann nicht mit Work-Life-Balance Weltmeister werden. Der Trainer muss es vorleben und Klopp wird es vorleben!“
Littbarski kritisierte Nagelsmann unterdessen weiter: „Ich hatte nicht das Gefühl, dass unser Trainer unsere Säulen stark gemacht hat. Zum Beispiel Kimmich, der wurde immer wieder hin und her geschoben. Es geht darum, wie ich jeden einzelnen Spieler stark mache. Nagelsmann hat jeden Spieler schwach gemacht. Er hatte keine klaren Ansagen gemacht. Die Nationalmannschaft ist kein Versuchsballon, sondern es ist eine Sache, bei der du nicht experimentieren kannst.“
Auch einzelne Spieler kritisierte Littbarski namentlich. „Wir müssen auch mal darüber reden, wer nicht in der Nationalmannschaft spielen kann. Es gab zu unseren Zeiten auch Spieler, die gut in der Bundesliga waren, aber in der Nationalmannschaft total überfordert“, sagte der 66-Jährige und nannte als Beispiele Angelo Stiller vom VfB Stuttgart und Pascal Groß, der inzwischen wieder in England für Brighton & Hove Albion spielt.
Das sind für mich zwei Spieler, die uns nicht weiterbringen“, befand Littbarski: „Auch David Raum ist limitiert.“ Hingegen habe Nathaniel Brown, der von Eintracht Frankfurt zum FC Bayern wechselt „ganz andere Anlagen.“ Littbarskis abschließendes Urteil: „Für ein paar Jungs ist die Zeit abgelaufen, die gehören teilweise einfach nicht dahin. Es gab auch bei uns Spieler, für die es nicht gereicht hat.“