US-Präsident Donald Trump bleibt bei der Fußball-WM bislang im Hintergrund – und hat seine Ziele dennoch schon erreicht. Zumindest laut Nicholas McGeehan, Direktor der Organisation FairSquare. Trump und dessen Berater wollten durch das Turnier „ihren aggressiven Nationalismus und Rassismus“ demonstrieren, sagte McGeehan dem SID. Die FIFA habe ihnen das „ganz eindeutig ermöglicht. Sie haben schon erreicht, was sie erreichen wollten.“
McGeehan, der Beschwerde gegen FIFA-Präsident Gianni Infantino bei der Ethikkommission des Weltverbandes wegen dessen enger Beziehung zu Trump eingereicht hat, verwies auf den somalischen Schiedsrichter Omar Artan, dem die Einreise in die USA verweigert worden war. Infantino habe dies vor dem WM-Start „faktisch verteidigt“. Es sei „ziemlich klar, dass die FIFA versucht, das MAGA-Projekt mithilfe der Weltmeisterschaft zu unterstützen“.
Laut McGeehan wäre der somalische Referee, dem US-Behörden eine Verbindung zu mutmaßlichen Mitgliedern terroristischer Organisationen vorwerfen, „ohnehin nie ins Land gelassen worden, und sie wollten daraus eine große Show machen“. McGeehan wies zudem auf die Einreiseprobleme des irakischen Stürmers Aymen Hussein oder der usbekischen Nationalmannschaft hin und warf den US-Behörden vor, „eine große Inszenierung“ daraus gemacht zu haben. „Deshalb haben sie im Wesentlichen bekommen, was sie wollten“, sagte der FairSquare-Direktor.
Dass der US-Präsident bislang kaum in Erscheinung getreten ist und noch kein WM-Spiel besucht hat, sei „merkwürdig“. Es sei „ziemlich untypisch für Trump, sich nicht selbst in den Mittelpunkt zu rücken“, sagte McGeehan. Dadurch liegt der Fokus aber vielerorts auf dem Sportlichen: „Das Turnier läuft aus Sicht der FIFA ziemlich gut. Die frühen Kontroversen sind etwas in den Hintergrund getreten. Übrig geblieben sind die Trinkpausen als das wichtigste Thema.“
Kritiker hatten im Vorfeld des Turniers in den USA, Mexiko und Kanada befürchtet, dass Trump die WM für seine Zwecke instrumentalisieren könnte. Infantino, der dem US-Präsidenten im Dezember den neuen „Friedenspreis“ der FIFA überreicht hatte, bestätigte am Dienstag, dass er gemeinsam mit Trump den WM-Pokal nach dem Finale am 19. Juli übergeben wird. „Das fand ich bemerkenswert“, sagte McGeehan, Infantino scheine „nicht unbedingt zu wollen, dass Trump einfach in den Hintergrund verschwindet“.
Ob der US-Präsident vor dem Finale erstmals ein Spiel besuchen wird, ist derweil offen. Laut des britischen Telegraph sei dies „unwahrscheinlich“.