Ricardo Pietreczko bereitet der deutschen Dartswelt derzeit große Sorgen. Der 31-Jährige hat seit dem 24. Februar auf der PDC-Tour nur drei Spiele gewonnen und zuletzt bei den Players Championships in Leicester erschreckend schwache Averages gespielt. „Pikachu“ erlebt seit Wochen eine schwierige Phase in seiner Karriere.

Der Grund für seine schwachen Auftritte ist sein Wurf, da er erhebliche Probleme mit dem Timing sowie dem Loslassen der Darts hat. Dies erinnert an die Krankheit Dartitis, welche eine psychisch bedingte Blockade beim Wurf darstellt. Immer wieder haben unterschiedliche Darts-Profis damit zu kämpfen.

Ricardo Pietreczko steckt in einer schwierigen Phase seiner Darts-Karriere
Ricardo Pietreczko steckt in einer schwierigen Phase seiner Darts-KarriereRicardo Pietreczko steckt in einer schwierigen Phase seiner Darts-Karriere© IMAGO/Jan Huebner

Darts-Star Pietreczko muss Spiel aufgeben

Auffällig ist, dass Pietreczko aktuell Probleme hat, einen Drei-Dart-Average von über 90 Punkten zu spielen, weshalb es ihm sehr schwerfällt, Partien auf der European Tour sowie bei den Players Championships zu gewinnen.

Der 31-Jährige spielte bei der PC15 und 16 in Leicester seine beiden niedrigsten Karriere-Averages. Gegen Wessel Nijman kam Pietreczko auf nur 76,31 Punkte im Durchschnitt und kassierte einen Whitewash. Am vergangenen Mittwoch hatte der Deutsche noch mehr Probleme und spielte bei der 2:6-Pleite gegen Jim Long einen Average von nur 66,58 Zählern. Eine Woche später spielte er dann bei der PC17 durchschnittlich 80,18 sowie 77,14 Punkte bei PC18.

Der bittere Tiefpunkt fand aber bereits am 5. Mai bei der PC14 in Hildesheim statt, als „Pikachu“ sein Duell mit Jeffrey de Zwaan beim Stand von 0:2 in Legs aufgeben musste.

Schindler: „Mir ist das nicht entgangen“

Ein paar Tage später traf er bei den Austrian Darts Open in Graz in der 1. Runde auf Patrik Kovacs und verlor mit 4:6. Dabei spielte Pietreczko immerhin einen Average von 83,58 Zählern.

Am Rande des besagten Events wurde die deutsche Nummer eins, Martin Schindler, vom Portal Dartsnews auf die vergangenen Auftritte seines Landsmanns angesprochen: „Mir ist natürlich auch nicht entgangen, was da bei den letzten Players Championships los war – auch mit der Spielaufgabe.“

Vor diesem Hintergrund brisant: Pietreczko und Schindler bilden beim vom 11. bis 14. Juni stattfindenden World Cup of Darts in der Frankfurter Eissporthalle das deutsche Team. Hierfür wurde die Order of Merit als Qualifikationskriterium genommen.

„Pikachu“ hat auf die deutsche Nummer drei, Niko Springer, einen Vorsprung von 93.500 Pfund Preisgeld und ist damit verdientermaßen Teil des deutschen Duos – doch das aktuelle Leistungstief bereitet Sorgen.

World Cup: Experte rechnet mit Pietreczkos Teilnahme

„Es ist seine Entscheidung, es ist seine Ranglistenposition und er kann es selbst entscheiden“, meinte SPORT1-Experte Robert Marijanovic und fügte hinzu: „Es hängt alles an ihm, ich verstehe die Diskussion im Moment.“

Marijanovic betonte, dass es eigentlich jedes Jahr eine Debatte darüber gebe, wer für Deutschland an den Start gehen solle, aber „in diesem Jahr ist es etwas Besonderes wegen der Leistungen von ‚Pikachu’“.

Zugleich betonte der SPORT1-Experte aber, dass Pietreczko bereits gesagt hätte, dass er bereit sein wird: „Ich gehe davon aus, dass er den World Cup spielen wird.“

Schindler erwartet „erwachsene Entscheidung“

Schindler meinte mit Blick auf Pietreczkos Teilnahme an der Team-WM: „Da bin ich ehrlich: Das liegt in Ricardos Hand.“

Zugleich verwies er aber auf die starken Auftritte beim World Cup 2025, als die beiden Deutschen unter anderem die großen Favoriten aus England, Luke Humphries und Luke Littler, schlugen und bis ins Halbfinale kamen.

„Wenn er sagt, er fühlt sich danach und vertraut auf sich und sein Spiel, dann vertraue ich auch ihm. Aber wenn er natürlich auch so ehrlich ist und sagt: Macht er nicht. Dann respektiere ich das – und dann finde ich das auch wirklich eine sehr, sehr gute und erwachsene Entscheidung“, ergänzte Schindler im Anschluss.

Springer brilliert auf der PDC-Tour

Die Diskussion um Pietreczkos Teilnahme am World Cup nahm in den vergangenen Tagen nochmal mehr Fahrt auf, da sein Kollege Springer auf der European Tour sowie bei den Players Championships brillierte. In Graz verpasste der „Meenzer Bub“ dem Pro-Tour-Dominator Wessel Nijman einen Whitewash und kam bis ins Viertelfinale.

In Leicester setzte er dann zwei weitere Ausrufezeichen, als er zunächst einen Average von 112,48 Punkten spielte und einen Tag später bei PC16 bis ins Halbfinale kam.

Springer ist sehr gut in Form und würde nachrücken, falls Pietreczko seine Teilnahme am World Cup absagen würde.

Pietreczko geht weiterhin von Teilnahme aus

In den vergangenen Tagen bestätigte Pietreczko in einem Twitch-Chat, dass er momentan davon ausgehe, dass er in Frankfurt beim World Cup das deutsche Trikot tragen werde.

Klar ist hingegen: „Pikachu“ wird das neunte und zehnte Event der European Tour – die Slovak Darts Open im Juni sowie die European Darts Open im Juli – verpassen. In der Qualifikation am Mittwoch schied er gleich zweimal aus, ein Average von 85,78 Punkten stellte dabei bereits den Bestwert dar.

Es spricht zudem vieles dafür, dass Pietreczkos Leistungen bis zum in rund drei Wochen beginnenden World Cup weiterhin genau beobachtet werden. In Darts-Deutschland wächst die Hoffnung auf eine Leistungssteigerung – damit das deutsche Team erneut für ähnlich viel Furore sorgen kann wie im Vorjahr.