„Sie bekommen keine Antwort auf diese Frage!“ Mit diesen Worten dankt Svetislav Pesic mit 76 Jahren beim FC Bayern ab – über viereinhalb Jahrzehnte nahm der Serbe auf internationalen Basketball-Trainerbänken Platz. Nun ist Schluss.
Die Coaching-Legende kann zwar auf unzählige Titel wie den EM-Triumph 1993 mit Deutschland, den WM-Erfolg mit Jugoslawien 2002 oder die zahlreichen Meisterschaften mit ALBA Berlin und dem FC Bayern München zurückblicken – doch seit dem Sonntagabend auch auf einen unrühmlichen Abgang.
Sportlich entblößten sich die Bayern bis auf die Knochen. Im finalen fünften Spiel der Finalserie gegen ALBA ließ man sich einen 20-Punkte-Vorsprung zur Halbzeit aus der Hand nehmen und hatte am Ende mit 81:84 das Nachsehen.
BBL: Pesic blafft Reporter zum Abgang an
Viel schwerer als die Klatsche auf dem Court wog jedoch das Ende Pesics. Auf der Pressekonferenz nach der ernüchternden Pleite zeigte er sich erst äußerst demütig („Mir ist es als Trainer nie gelungen, eine Mannschaft zu bilden, die in schweren Momenten des Spiels zurückkommt“) – und blaffte dann einen Reporter an.
Der Journalist hatte den emotionalen Serben gefragt, ob diese Niederlage gegen sein Ex-Team eine besondere gewesen wäre. Pesic verließ das PK-Pult vorzeitig, Bayerns Pressesprecher Andreas Burkert blickte zunächst überrascht drein und schlich dann hinterher.
Soll diese Szene nach 45 Jahren in verschiedenen Positionen in der Welt des Basketballs also nun wirklich das Ende darstellen? Selbst familienintern scheint darüber keine Klarheit zu herrschen.
Sohn Marko, selbst ehemaliger Sportdirektor und Geschäftsführer, sagte noch vor wenigen Tagen im SPORT1-Interview auf die Frage, ob es das dann nun endgültig für seinen Vater gewesen sei: „Ja, scheint so. Wenn er eine Entscheidung trifft, dann steht er auch dazu. Meine Mutter ist der festen Überzeugung, dass es das war. Und wenn sie es ist, wird es wahrscheinlich so sein (lacht).“
Klingt eigentlich nach einer beschlossenen Sache. Langjährige Begleiter von Vater Svetislav wissen jedoch: Ein derartiger Abgang frisst ihn auf – und könnte doch ein Umdenken zur Folge haben. Vielleicht nicht mehr auf der Trainerbank – dem Basketball abtrünnig würde er aber ohnehin nie.
FC Bayern: Hört Svetislav Pesic doch nicht ganz auf?
Denn schon im April sagte er im Gespräch mit SPORT1: „Irgendwann kommt die Zeit, dass man auch mal was anderes machen muss, speziell privat. Trainer werde ich nicht mehr sein, aber ich möchte trotzdem im Basketball bleiben. Wie genau, weiß ich noch nicht.“
Der 76-Jährige fügte hinzu: „In München werde ich sowieso bleiben, warum dann nicht auch bei den Bayern? Ich kann mir sehr gut vorstellen, dem FC Bayern in einer anderen Funktion erhalten zu bleiben.“
Sollte sich Präsident Herbert Hainer folglich dazu entscheiden, Pesics Nummer im Laufe der kommenden Wochen und Monate doch noch einmal auf die Kurzwahltaste zu legen, der Hörer würde wohl abgenommen werden.
Auch wenn Mama Pesic da wohl etwas dagegen hätte.