Das Imperium schlägt zurück! Nach dem schwachen Auftritt in Spiel zwei zeigte der FC Bayern Basketball in Berlin eine überzeugende Leistung und holte sich einen Meistermatchball – auch weil einer mal wieder ausgerechnet in Berlin komplett ablieferte.
Nach bisher in der Offensive für ihn schwachen BBL-Playoffs (knapp 19 Prozent Dreier-Quote) ist Vladimir Lucic in Spiel drei voll da und prägte das Spiel mit 15 Punkten und einer Wurfquote von 83 Prozent (67 % von der Dreierlinie).
„Wir haben endlich ein Spiel von der ersten bis zur letzten Sekunde richtig gespielt, waren sehr aggressiv und haben unsere bestmögliche Defensive gespielt“, freute sich Lucic am Tag nach dem Sieg in Spiel drei im exklusiven Gespräch mit SPORT1.
In Berlin, wo der Bayern-Kapitän seit Jahren die klare Persona non grata ist und regelmäßig eine Hass-Welle vom Publikum zu spüren bekommt, spielte er plötzlich wieder wie in seinen besten Zeiten und machte sich so noch an seinem 37. Geburtstag das beste Geschenk.
Lucic: „Wenn mich die Fans mögen würden, wäre das nicht gut“
Diese 37 Jahre waren Lucic in der altehrwürdigen Max-Schmeling-Halle aber am Mittwoch zu keiner Sekunde anzumerken. Schon deutlich vor dem Tipp-Off ging der Serbe als Leader voran. Er machte seine Teamkameraden heiß und feuerte schon beim Warm-Up jeden Mitspieler an.
Als Lucic wenige Minuten später beim offiziellen Teameinlauf vorgestellt wurde, gab es wie immer in Berlin ein gellendes Pfeifkonzert. Viele Fans sprangen sogar aus ihren Sitzen auf und bedachten den 37-Jährigen mit Beleidigungen.
Für den Serben ist das aber kein Problem: „Ich bin der Kapitän von Bayern München, da ist es fast schon logisch. Wir hatten in den zehn Jahren sehr viele Schlachten gegeneinander, haben um viele Titel gekämpft. Wenn mich die Fans unseres größten Rivalen mögen würden, wäre das auch nicht gut.“
In Berlin mögen sie Lucic nicht, auch weil der ehrgeizige Serbe in der Vergangenheit immer alles getan hat, um Spiele zu gewinnen – teils fair, teils aus Sicht vieler ALBA-Fans aber auch extrem unfair.
Zudem zeigt er gegen Berlin in aller Regelmäßigkeit seine besten Spiele. „Ja, da spiele ich schon echt immer gut“, sagte Lucic im Gespräch mit SPORT1 lachend: „Wenn es gegen einen unserer größten Rivalen und einen der größten Namen im deutschen Basketball geht, ist man natürlich motiviert.“
Lucic von Stimmung in Berlin begeistert
Das merkte man am Mittwoch auch deutlich an der Körpersprache der Bayern-Stars. Jedes kleinste Play wurde frenetisch gefeiert. Immer vorne dabei: Vladimir Lucic. Egal ob von der Bank aus oder in Halbzeit zwei nach einem wichtigen Dreier, als der Kapitän euphorisch in Richtung der mitgereisten Bayern-Fans jubelte.
So versuchten die Bayern-Stars wohl auch gegen die frenetische Max-Schmeling-Halle anzukämpfen, die am Mittwoch von der ersten bis zur letzten Sekunde brannte. „Ich hatte bisher noch nie die Möglichkeit, in der Max-Schmeling-Halle zu spielen, ich muss sagen, dass die Atmosphäre wirklich unglaublich gut war“, lobte Lucic.
„Das fühlte sich nach den vielen Pausen bisher in den Playoffs endlich wie ein echter Playoff-Kampf an“, sagte der Bayern-Kapitän: „Die Energie, die Unterstützung, die ALBA von seinen Fans bekommt, die Intensität beider Teams. So soll es sein und so war es für uns Spieler, aber auch alle, die gerne Basketball schauen, super.“
Und wie bleibt man in solch einer hitzigen Atmosphäre cool? Das verrät Lucic SPORT1 lachend: „Ich spiele mittlerweile meine 18. Saison und bin bei Partizan Belgrad groß geworden. Das bin ich gewohnt. Ich brauche solche Stimmung ehrlich gesagt auch. Ich nutze diese Energie, um mich selbst besser zu fühlen.“
Lucic lobt Rivalen: „Wird sehr gut gearbeitet“
Zudem sei die Stimmung in Berlin ihm gegenüber auch nicht immer nur negativ. „Gestern haben mir sogar einige Fans, die in der ersten Reihe gesessen haben zum Geburtstag gratuliert. Dass ich ausgepfiffen werde, ist ganz normal, speziell, wenn es um Titel geht“, zeigte sich Lucic versöhnlich.
Insgesamt sei ALBA ein unglaublich starker Gegner in der Finalserie: „Eine der Qualitäten von Berlin ist es, dass sie egal, wie ihre Mannschaft aufgestellt ist, immer zum Ende der Saison ihre beste Version sind.“
„Ich habe nicht so viele Informationen, aber das zeigt mir, dass die Organisation hier bei ALBA sehr gesund aufgestellt ist und, dass hier sehr gut gearbeitet wird. Um sie hier in Berlin zu schlagen, müssen wir wirklich unser bestes Spiel zeigen“, lobte der Bayern-Kapitän den Gegner.
Lucic schwärmt von besonderer Beziehung zu Bayern
Die Meisterschaft will Lucic natürlich trotzdem zurück nach München holen, auch um mit dem ersten Threepeat Geschichte zu schreiben.
„Der Meistertitel würde mir sehr viel bedeuten. Speziell, weil diese Saison sehr turbulent und herausfordernd war. Wir haben viel Mist erlebt. Da trotzdem Meister zu werden, wäre etwas Besonderes für uns, gerade weil wir dann zum ersten Mal überhaupt drei Titel in Folge gewinnen würden. Geschichte zu schreiben ist immer gut“, erklärte Lucic.
Seit zehn Jahren trägt er mittlerweile das Bayern-Trikot. Wie besonders der Verein für ihn ist, ließ Lucic klar erkennen: „Ich habe die besten Jahre meiner Karriere hier und habe viele Titel gewonnen. Hier habe ich meine Familie gegründet. Meine drei Töchter sind in München aufgewachsen und sind aktuell sogar mehr Deutsch als Serbisch, weil sie in einen deutschen Kindergarten und auf eine deutsche Schule gehen. Es wird immer meine zweite Heimat sein nach Belgrad und für mich und meine Familie immer besonders sein.“
Der Stadt und dem Verein will er schon am Freitag (ab 20:30 Uhr im LIVETICKER) die nächste Meisterschaft schenken. „Berlin bietet speziell mit Blick auf das Nachleben ja sehr viele Möglichkeiten“, sagte Lucic augenzwinkernd: „Aber wir haben hier ja schon vor zwei Jahren den Titel gefeiert. Deswegen ist es mir egal. Meine Motivation ist es Meister zu werden und dann in den Urlaub zu fahren.“