Ratiopharm Ulm überlässt für den ersten Meistertitel in der BBL nichts dem Zufall.
Beim überraschenden Coup, bei den zuvor in der BBL in heimischer Halle noch ungeschlagenen Telekom Baskets Bonn, in Spiel eins der BBL-Finals, verboten die Ulmer dem übertragenden Sender Magenta Sport, bei den Auszeiten mit dem Mikrofon mitzuhören.
Normalerweise ist es bei jedem BBL-Spiel ganz normal, dass die Zuschauer bei den Auszeiten der Teams mithören kann.
Dies ist sogar im Regelwerk der BBL geregelt. Das Verbot ist also ein klarer Regelverstoß, dessen Strafmaß eine Geldstrafe in Höhe von 500 Euro mit sich bringt. Die Teams werden von der Liga dazu verpflichtet, ein Mikrofon bei den Auszeiten zuzulassen.
Bei Auszeiten von Ratiopharm Ulm blieb es in Spiel eins für die Zuschauer aber still. Denn die Ulmer nehmen diesen Regelverstoß gerne in Kauf, da sie Angst vor der Spionage ihres Gegners bei den eigenen Auszeiten haben.
Bonn soll bei Champions-League-Triumph spioniert haben
Diese Sorge hat einen besonderen Hintergrund, denn Bonn wurde in dieser Saison schon der Spionage beschuldigt.
Beim Final Four der Basketball Champions Legaue, bei dem die Bonner den Titel gewannen, beschwerte sich Gegner Unicaja Malaga nach dem Halbfinale über das Vorgehen der Bonner.
Cheftrainer Tuomas Iisalo soll einen Co-Trainer beim Champions League Final-Four dazu beauftragt haben, sich die Auszeiten des damaligen Gegners anzuhören und die wichtigsten Informationen an das Trainerteam weiterzugeben – so lautete zumindest die These des Gegners.
In der anschließenden Pressekonferenz widersprach Iisalo einen Journalisten, der ihn mit der Anschuldigung konfrontierte: „Die einzige Übertragung, die wir haben, ist die Live-Übertragung von den Spielen. Wir gehen verschiedene Situationen durch, zum Beispiel defensive Entscheidungen, die der Gegner während der Auszeiten trifft. Der Videotrainer kommt dann und informiert mich, welche Änderungen die Verteidigung vorgenommen hat. Das ist ein ganz normaler Teil des Spiels.“
Bonn-Coach verweist auf Herangehensweise in der NBA
Jedoch wusste der 40-Jährige genau, wie er die Regeln ausnutzte und verwies in seiner nächsten Aussage auf eine ähnliche Herangehensweise in der NBA hin.
„Wenn man sich NBA-Spiele anschaut, haben sie iPads auf der Bank für die Spieler, wenn sie reinkommen, damit sie ein mentales Bild davon haben, was dort passiert. Sie sind davon ausgegangen, dass wir die Auszeiten beobachten, aber wir sehen keinen Grund, warum unsere Assistenztrainer bei den Auszeiten die Augen schließen sollten, wenn dies Teil dessen ist, was die Medien und die Konkurrenz wollen“, sagte Iisalo.
Diesen Schachzug des Gegners will Ulm nun also nicht zulassen. Es wird spannend zu beobachten sein, wie die BBL auf diese Thematik reagieren wird und ob Ulm auch bei einem mögliche höheren Strafmaß das Mikrofon der Berichterstatter in den Auszeiten verbieten wird.