Luisa Geiselsöder und Frieda Bühner gehören zu den größten deutschen Hoffnungsträgerinnen mit Blick auf die Heim-WM (4. bis 13. September 2026). Die Basketballerinnen sind seit rund zwei Monaten Teamkolleginnen beim WNBA-Neuling Portland Fire. Während Geiselsöder bereits 2025 bei den Dallas Wings im Kader stand, macht Bühner ihre ersten Erfahrungen in den USA.

Im exklusiven Interview mit SPORT1 sprechen beide über ihre Zeit in der WNBA, ihr Verhältnis als deutsche Teamkolleginnen in den USA und ihre Vorfreude auf die Heim-WM.

Frieda Bühner (l.) und Luisa Geiselsöder gehören zu den größten deutschen Basketball-Hoffnungen
Frieda Bühner (l.) und Luisa Geiselsöder gehören zu den größten deutschen Basketball-HoffnungenFrieda Bühner (l.) und Luisa Geiselsöder gehören zu den größten deutschen Basketball-Hoffnungen© IMAGO/Beautiful Sports

SPORT1: Ein Viertel der Saison ist vorbei, wie fällt Ihr Zwischenfazit aus? Womit sind Sie zufrieden, was soll besser werden?

Frieda Bühner: Gute Frage. Ich hab noch gar nicht so zurückgeblickt. Es geht alles so schnell. Zehn Spiele sind einfach so zack zack vorbei. Und du denkst dir: ‚Wow, es sind schon zehn Spiele vergangen.‘ Ich finde so langsam meinen Rhythmus. Ich glaube, es war am Anfang schon ein bisschen schwer. Es ist physischer, der Basketball wird anders gespielt. Mittlerweile merke ich, dass ich ein bisschen ruhiger bin, wenn ich spiele. Ich muss an vielem arbeiten, physisch, meine Sachen, meine Finishes treffen. Aber ich glaube, es kommt Schritt für Schritt und ich bin zufrieden bis jetzt. Ich bin natürlich auch total happy, dass ich upgegradet wurde von meinem Development Player Vertrag auf einen Standardvertrag. Deswegen, ja, bis jetzt läuft’s gut.

„Wir sind die junge Generation, die jetzt Geschichte schreiben kann“

SPORT1: Die Portland Fire sind ein neues Team in der WNBA. Wie ist das, wenn man weiß, man ist quasi die Geschichte dieses Teams?

Luisa Geiselsöder: Die waren ja schon von 2000 bis 2002 in der Liga. Das heißt, wir sind wieder zurückgekommen. Ein bisschen Geschichte ist dabei. Aber wir sind die junge Generation, die jetzt Geschichte schreiben kann, weil sie eben nicht so erfolgreich waren. Und ich glaube, dass das sehr aufregend ist für uns. Und ich glaube, es ist auch eine extreme Chance. Ganz Portland steht hinter Frauensport, hinter Frauenbasketball. Die Halle ist voll, die Stimmung ist super. Deswegen: Es macht Spaß. Es macht Spaß, es einfach zu erleben. Und wir nehmen das mit, was wir können.

SPORT1: Luisa Geiselsöder ist Ihre einzige deutsche Teamkollegin. Wie ist das Verhältnis und wie sehr konnte sie Ihnen dabei helfen, sich hier in den USA zurechtzufinden?

Bühner: Unser Verhältnis ist sehr gut. Ich mache sehr viel mit Lui. Wenn wir auf Auswärtsreisen sind, dann gehen wir immer zusammen irgendwo hin und sie zeigt mir alles. Sie hat das ja schon letztes Jahr alles erlebt und sie zeigt mir dann so die Spots und was sie halt so das erste Mal erlebt hat. Es hilft schon. Oder wenn man dann manchmal auf Deutsch reden und sich irgendwie besser ausdrücken kann. Oder natürlich auch einfach jemand, der dich kennt. Ich kenne sie, wie sie spielt, und das hilft schon sehr.

„Weil Deutschland immer noch ein Fußballland ist …“

SPORT1: Wie würden Sie Ihr Verhältnis zueinander beschreiben? Ist es cool, da auch mal jemanden an die Hand nehmen zu können?

Geiselsöder: Super. Ich meine, Frieda macht es echt klasse hier. Ich bin sehr froh, dass sie hier ist, auch eine Deutsche hier zu haben. Es bringt ein bisschen Heimat zu uns in die Staaten, weil wir eben so wenig mit unserer Familie zusammen sind. Deswegen ist es super. Und wir arbeiten weiter an unserer Connection, die sich dann auch zur Nationalmannschaft überträgt.

SPORT1: Wenn man gegen Caitlin Clark oder Breanna Stewart spielt, gibt es dann Momente, wo man in seiner ersten Saison hier auch etwas überwältigt ist? 

Bühner: Ein bisschen vielleicht, aber ich weiß es nicht. Eher bei dieser Atmosphäre, von der bin ich überwältigt. Ich habe schon bei Olympia gegen die Stars gespielt. Es ist natürlich schon cool, das zu sehen, weil die Hallen sind häufiger ausverkauft. Es kommen mehr Leute, wenn wir halt gegen Stars spielen. Das ist schon cool, aber ich muss sagen, ich habe Respekt vor allem. Es ist nicht so, dass ich bei den Spielerinnen unbedingt wegen ihres Starfaktors überwältigt bin. Das muss man sich auch so ein bisschen abgewöhnen, wenn man gegen die spielt. Ja, aber Respekt habe ich vor allem.

SPORT1: Clark und Stewart sind natürlich die absoluten Top-Idole, aber Sie sind das auch für junge Mädchen in Deutschland. Was ist das für ein Gefühl?

Bühner: Ein gutes Gefühl. Wir reden häufig darüber, auch bei der Nationalmannschaft, dass wir einfach Vorbilder sein wollen, dass wir junge Mädchen und Jungs zum Basketball motivieren wollen. Generell ganz Deutschland, weil Deutschland immer noch ein Fußballland ist. Und es ist schon sehr schön, zu merken, wie viele dich unterstützen und wie viele auch irgendwie begeistert durch dich sind.

„Das war ein großer Schritt in der Geschichte“

SPORT1: Sie haben die WNBA aus der Ferne miterlebt und sind nun selbst Teil davon. Die Liga ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Was macht die WNBA so gut?

Geiselsöder: Ich glaube, dass sehr viel Support von der Nation vorhanden ist. Man merkt, dass in Amerika Frauensport wächst, dass die Leute Frauensport wollen und es wird nicht mehr kleingeredet. Dass sehr viel mehr Geld investiert wird. Frauenbasketball ändert sich ständig. Wir verbessern uns ständig. Es gibt Spielerinnen wie Caitlin Clark, wie A’ja Wilson, wie Stewie (Breanna Stewart, Anm.), wie JJ (Jonquel Jones, Anm.). Das zieht auf jeden Fall Spielerinnen an. Jetzt der neue CBA (Tarifvertrag, Anm.). Das war ein großer Schritt in der Geschichte. Und jetzt haben wir natürlich auch viele Europäerinnen, die herüberkommen. Damit wird die WNBA auch interessanter für europäische Fans.

Bühner: Es ist ein komplettes Event hier. Halbzeit-Shows, Viertel-Shows, so viele Interviews, du spielst in solchen Arenen. Es ist dieses ganze Drumherum, was das Ganze noch mal so ein bisschen verrückter macht.

SPORT1: Inwiefern würden Sie sagen, dass der Respekt vor dem deutschen Basketball gestiegen ist durch die Erfolge bei Männern und Frauen zuletzt? Merkt man das?

Bühner: Ja, ich denke schon. Am häufigsten merkt man das durch soziale Medien. Leute sind begeistert davon. Wir merken, dass wir uns immer weiterentwickeln. Man merkt, dass der deutsche Basketball im Aufschwung ist.

Heim-WM? „Das ist ein Once-in-a-Lifetime-Moment“

SPORT1: Im September steigt die Heim-WM in Deutschland. Worauf freuen Sie sich am meisten?

Bühner: Auf das Spiel mit meinen Mitspielerinnen. Die Nationalmannschaft ist immer etwas Besonderes. Es ist immer ein anderer Stolz, den ich verspüre, mit dem deutschen Adler auf der Brust zu spielen. Deswegen freue ich mich einfach, mit meinen Teammates wieder zusammen zu sein. Wir wollen alle eine Medaille gewinnen. Wir ziehen alle am gleichen Strang. Darauf freue ich mich einfach. Und dann natürlich die Fans. Es ist eine Heim-WM. Das ist so ein Once-in-a-Lifetime-Moment. Vielleicht spielen wir noch mal eine WM, ich hoffe es. Aber eine WM im eigenen Land: Das ist schon etwas Einzigartiges. Freunde können dadurch kommen, die Familie kann kommen. Darauf freue ich mich am meisten.

Geiselsöder: Man sieht es an meinem Lachen. Die Vorfreude ist Hammer. Gestern hat die EuroBasket etwas gepostet über uns. Da habe ich mit Leo (Leonie Fiebich, Anm.) geschrieben. Und ich war so: ‚Leo, ich habe so Bock auf September. Ich freue mich so extrem darauf.‘ Auch mit Frieda. Ich weiß gar nicht, wie oft wir die WM ansprechen. Wir freuen uns extrem darauf. Wir hoffen, dass Deutschland kommt und uns unterstützt. Und ich hoffe, dass wir auch in Deutschland weiter Geschichte schreiben.