Berlin holt Shoji zurück

von SID
Berlin holt Shoji zurück

Vor zehn Jahren gewann Erik Shoji mit Berlin das Triple. Nun ist der Weltklasse-Volleyballer zurück.

Erik Shoji war kaum in Berlin gelandet, da führten ihn die Erinnerungen an vergangene Tage schnurstracks ins Herz der Hauptstadt. „Früher habe ich es geliebt, die Kantstraße runterzulaufen und da nach den besten Restaurants mit asiatischem Essen zu suchen“, erzählt der Volleyball-Star, der nach seiner Ankunft prompt auf die „köstliche“ Mission ging. Die alten Gewohnheiten, sie bleiben – doch der Shoji, der zu den Recycling Volleys zurückkehrt, hat sich verändert.

Shojis mutiges Queer-Outing stärkt ihn

„Vor zehn Jahren war ich etwas schüchterner, etwas ruhiger“, erklärt der Ausnahmespieler im Gespräch mit dem Sport-Informations-Dienst (SID), auf seine „eigene Stimme auf und abseits des Feldes“ habe er weniger vertraut. Auf den Abschied aus Berlin folgte eine Weltklasse-Karriere – und ein Tag im Vorjahr, als der Libero sich hinsetzte und von sich selbst berichtete. Er sei queer, sagte Shoji, beängstigend und befreiend fühle es sich an, dies zu erzählen.

„Der Prozess“, sagt er heute, „war nicht einfach. Aber letztendlich habe ich das getan, was für mich richtig war.“ In seine Entscheidung „reinzuwachsen und das Selbstvertrauen in die Person zu haben, die ich abseits des Feldes bin, hilft mir auch auf dem Feld“. Insgesamt mache dies „eine stärkere Person“ aus ihm, weiß Shoji: „Die Dinge können einen nicht mehr so leicht aus der Bahn werfen.“

Shoji kehrt als Titelgarant zurück

Eigentlich ist Volleyballspielen die Komfortzone des auf Honolulu geborenen Shoji, Sohn einer hawaiianischen Trainerlegende, der Sport liegt ihm im Blut. Mit Bruder Kawika spielte er jahrelang gemeinsam im Nationalteam, dem älteren folgte er 2014 zum Hauptstadtverein der Volleyball Bundesliga (VBL). In seiner zweiten und bislang letzten Saison dort führte der damals 26-Jährige den Klub mit dem Triumph im CEV-Pokal zum Triple.

„Bei den BR Volleys ist das Ziel immer, zu gewinnen“, sagte Shoji folglich, er kennt es kaum anders. Zwei Champions-League-Triumphe, zwei Olympische Bronzemedaillen und einen dritten Platz bei der WM mit den USA bejubelte er bislang in seiner Ausnahmekarriere, die ihn nun zurück nach Berlin führt.

DEINE MEINUNG

Shoji übernimmt Führungsrolle beim Rekordmeister

Wieder „Teil eines großartigen Profiklubs zu sein, mit den wahrscheinlich besten Fans Europas“ fühle sich „großartig“ an, sagt Shoji, beim Rekordmeister will er sich auch für seine vierten Sommerspiele empfehlen. Zunächst aber geht es ab dem 21. Oktober in der Liga zur Sache – und darauf freut sich Shoji „unglaublich, ich würde die Zeit am liebsten vorspulen“.

Denn Shoji will in dieser Saison nicht nur mit seinen Leistungen auf dem Feld den Unterschied machen, das Team will der 37-Jährige auch führen. Inzwischen ist vieles anders: „Zehn Jahre später“, wie Shoji selbst resümiert, „habe ich das Selbstbewusstsein, selbst am ersten Tag etwas zu sagen – und zwar mit Bestimmtheit. Dem Verein möchte ich diese starke Stimme bieten.“