Münchens Meisterprojekt im Volleyball: „Die letzte Chance“
Die neu gegründeten WWK Volleys träumen lautstark von Titeln in der VBL. Nach drei Niederlagen zum Start herrscht aber erst mal Krisenmodus.
In der Utopie bringen die neu gegründeten WWK Volleys München schon bald Titel in die bayerische Landeshauptstadt. In der Gegenwart müssen die Verantwortlichen des ambitionierten Projekts allerdings nach drei Niederlagen zum Auftakt der Premierensaison direkt in den Krisenmodus schalten und das Träumen vorerst vertagen.
Sechs-Jahres-Titelplan nach Fusion
„Wir haben einen Sechs-Jahres-Plan, und innerhalb dieser sechs Jahre wollen wir Titel holen“, sagte Geschäftsführer Max Hauser im Gespräch mit dem Sport-Informations-Dienst (SID) über die „langfristigen“ Ziele. Den Meisterplan hatte Hauser bereits vor einiger Zeit mit seinem Amtskollegen Mihai Paduretu vom Lokalrivalen Haching ausgeheckt.
Zur laufenden Saison fusionierten die WWK Volleys Herrsching und der TSV Haching, unter gemeinsamer Flagge soll der Standort München mit aller Macht auf die Landkarte der Volleyball-Bundesliga gebracht werden. Hauser (42) und Paduretu (59) als Sportlicher Leiter planen nichts Geringeres als den Angriff auf Serienmeister BR Volleys Berlin.
Sieglos ins Krisenduell beim Schlusslicht
Die Heimspiele seien bisher vergleichsweise gut besucht, die VIP-Loge voll. Das Einzige, was noch fehlt? „Siege“, sagt Hauser. Nach einer „inakzeptablen“ 0:3-Niederlage gegen den MTV Ludwigsburg am Mittwoch steht die Mannschaft von Trainer Tomasz Wasilkowski mittlerweile bei drei Niederlagen aus drei Ligaspielen.
Am Samstag (19.00 Uhr/Dyn) kommt es damit zum ersten Krisenduell für den Tabellenvorletzten beim ebenfalls noch punktlosen Schlusslicht TV Rottenburg. Davor möchte Hauser noch ein ernsthaftes Gespräch mit den Spielern führen. Aber, betont er: Dem jungen Team mit vielen deutschen Talenten werde grunsätzlich noch Zeit für Entwicklung eingeräumt.
Letzte Chance auf Topverein
„Irgendwann“, da ist sich Hausers Kompagnon Paduretu ohnehin sicher, werde man mit Titeln „für die wahnsinnige Arbeit belohnt“. Alles andere wäre für den Rumänen auch keine Option: „Diese Kooperation darf nicht scheitern, weil das vielleicht die letzte Chance für den Münchner Raum ist, einen Topverein im Volleyball zu haben.“ Noch einmal will der frühere Profi sportliche Ziele nicht wegen finanzieller Probleme begraben.
Schließlich war 2014 Hauptsponsor Generali bei den Hachingern nach erfolgreichen Jahren ausgestiegen, der klamme Klub musste sich anschließend aus der Bundesliga zurückziehen. Auch hinter dem neuen Projekt steht mit der WWK eine Versicherung. Hauser weiß aber: „Um ganz vorne anzuklopfen, bräuchte es noch ein weiteres Zugpferd. Das wäre der Gamechanger.“
Ressourcen bündeln für mehr Fans
Bei solchen Überlegungen stimmt sich Hauser immer mit Paduretu ab. „Wir ticken gleich und sind beide ein Stück weit verrückt“, sagt Hauser. Die Ressourcen der einstigen Lokalrivalen zu bündeln, sei aber eher eine nüchterne als eine verrückte Entscheidung gewesen.
Haching hatte die Vorsaison als Elfter, Herrsching als Achter beendet. Neben der sportlichen Bedeutungslosigkeit schmerzte vor allem das geringe Fan-Interesse. Der Einzugsraum ist nun ein großer, gespielt wird abwechselnd in Unterhaching, in Herrsching am Ammersee und bei größeren Spielen im BMW Park, der Heimat von Bayerns Basketballern.
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Im Ringen um mehr Fans macht sich Paduretu aber keine Illusionen. „Wenn man in München Fuß fassen will, muss man um Meisterschaften mitspielen.“