Klopp erklärt, warum Wirtz ein schweres Jahr hatte

Wirtz-Wechsel „im ungünstigsten aller Momente“
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Wirtz-Wechsel „im ungünstigsten aller Momente“

Jürgen Klopp stärkt Sorgenkind Florian Wirtz vor dem Nations-League-Duell gegen Griechenland einmal mehr den Rücken - und plaudert dabei etwas mehr aus, als er eigentlich wollte.

Jürgen Klopp sah Gefahr in Verzug – und wollte sie eigentlich weiträumig umfahren.

„Florian Wirtz, über den in England ja viel gesprochen und geredet wird“: Als der Bundestrainer hörte, auf welche Weise ein Reporter bei der DFB-PK in Herzogenaurach zu einer Frage über seinen Schützling ansetzte, schnaufte er vernehmbar.

Wirtz und die englische Öffentlichkeit: Der ehemalige Coach des FC Liverpool weiß, dass das eine schwierige Geschichte ist. Und er wollte vor dem Nations-League-Spiel gegen Griechenland am Sonntag (20.45 Uhr LIVETICKER) eigentlich tunlichst vermeiden, sich in sie zu verwickeln.

„Was in Liverpool und generell in England da gesprochen wird: Das macht jetzt gar keinen Sinn“, erklärte Klopp als Antwort auf den Wunsch, die Lage des 125-Millionen-Manns an der Anfield Road zu beurteilen: „Das würde viel zu weit führen. Das kreiert Schlagzeilen, die wir jetzt nicht kreieren wollen – egal, was ich jetzt sage, positiv oder negativ, es wird ein Brett. Vor allem in England, wohin er dann ja zurückkehrt.“

Wenig später hatte er dann aber doch ein paar Sachen über den Offensivstar gesagt, die zur Schlagzeile taugen.

Jürgen Klopp will Florian Wirtz beflügeln

„Seine fußballerischen Fähigkeiten sind über jeden Zweifel erhaben – und wir werden gemeinsam daran arbeiten, dass er die wieder im Drei-Tages-Rhythmus auf den Platz bringen kann. Alles, was wir dazu beitragen können, werden wir versuchen“, versicherte Klopp – der für diese Mission etwas mehr Zeit bekommt als geplant.

Ursprünglich war der ehemalige Leverkusener, der sich in Liverpool noch immer schwer tut, für „Kader zwei“ vorgesehen gewesen. Aufgrund der Verletzung seines einst kongenialen Partners Jamal Musiala vor dem 1:1 gegen die Niederlande brach Klopp aber Wirtz‘ „Urlaub“, wie er die leicht verlängerte Pause augenzwinkernd nannte, kurzerhand ab.

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Nach seiner Ankunft am Freitagabend, als ihn Klopp wie Völler herzlich in die Arme schlossen, trainierte Wirtz am Samstag erstmals wieder mit seinen DFB-Kollegen.

Florian Wirtz im Sechzehntelfinale der WM in Boston
Florian Wirtz im Sechzehntelfinale der WM in BostonFlorian Wirtz im Sechzehntelfinale der WM in Boston© IMAGO/Kirchner-Media

Vor zu großen Erwartungen an ein Wirtz-Festspiel in Augsburg warnte Klopp allerdings – und schloss einen Startelf-Einsatz gegen die Griechen aus: „Das wäre sicher das Falscheste, was wir jetzt tun könnten“, betonte der Bundestrainer. Er möchte den 23-Jährigen vielmehr erst „mit genügend Trainingszeit einbauen“.

Nations League soll Wirtz Rückenwind geben

Von der gemeinsamen Arbeit mit Erfolgscoach Klopp erhoffen sich auch viele englische Beobachter Rückenwind für Wirtz – der ihm in Liverpool weiterhin fehlt.

Nach sechs Einsätzen in der laufenden Saison steht bislang nur eine Vorlage auf Wirtz‘ Leistungsnachweis. Trotz aufsteigender Tendenz bei statistischen Werten wie Pressing und Offensivpässen ist er in der englischen Expertenszene weiter unter Dauerfeuer. Auch Spekulationen, dass er bald auf der Abschussliste stehen könnte, werden immer wieder geschürt.

Klopp hält derartige Abgesänge für verfrüht, wie er deutlich machte: „Er ist auf einem gutem Weg, aber die Welt in der wir leben, ist so, dass es es den Leuten nie schnell genug geht.“

Der 59-Jährige wies auch auf besondere Umstände hin, die Wirtz das Leben in der Premier League schwer machen würden.

Tragödie um Jota erschwerte Wirtz den Start

„Flo ist im ungünstigsten aller Momente nach Liverpool gekommen“, befand Klopp: „Er ist nach dem tragischen Todesfall von Diogo Jota in eine Mannschaft gekommen, bei der für viele Spieler der Fußball in der Prioritätenliste weit nach unten gerutscht ist.“

Für Wirtz habe das den Start enorm erschwert: „Du kommst da als neuer Spieler und alle sehnen sich sofort, dass da einer die Kohlen aus dem Feuer holt – aber das ist unmöglich.“ Speziell Offensivspieler bräuchten „immer eine funktionierende Mannschaft“, um ihr Potenzial auszuschöpfen. In der neuen Saison, mit dem neuen Coach Andoni Iraola, zeigt die Kurve aus Klopps Sicht schon nach oben.

"Was wir durchgemacht haben, war einfach nur schrecklich"
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"Was wir durchgemacht haben, war einfach nur schrecklich"

Klopp griff mit seiner These zur Jota-Tragödie einen Gedanken auf, den kurz zuvor schon Wirtz‘ früherer Liverpool-Kollege Andy Robertson ähnlich formuliert hatte – und war am Ende seiner längeren Ausführungen nicht mehr sicher, ob er sein Vorhaben eingehalten hatte, nicht zu tief ins Thema Wirtz in Liverpool einzusteigen.

„Ich habe jetzt schon viel zu viel darüber gesagt“, bemerkte Klopp: „Ich bin hoffentlich allgemein genug geblieben.“

Auch Tah stärkt Wirtz den Rücken

Sorgen macht sich Klopp trotz allem nicht um Wirtz: „Alle, die Fußball lieben, sehen weiterhin, was für ein außergewöhnlicher Spieler er ist“, betonte er.

Auch Wirtz‘ Kumpel Jonathan Tah zeigte sich auf der PK überzeugt, dass Wirtz die Herausforderung in Liverpool meistern wird: „Ich finde es extrem, wie auf ihm rumgehackt wird. Ich weiß, was er für ein Spieler ist und dass er noch mehr strahlen wird. Ich weiß, was er kann – irgendwann werden es alle verstehen.“

Klopp will einen kleinen Beitrag dazu leisten: „Was wir hier tun werden, ist ihn in unsere Mannschaft einzubauen, ihm Stück für Stück Sicherheit, ein gutes Gefühl, im Idealfall ein Erfolgserlebnis mitzugeben.“


Mit Sport-Informations-Dienst (SID)

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