Selbst die Social-Media-Abteilung von Eintracht Frankfurt hatte genug gesehen. „Puuh. Schluss“, postete der Bundesligist, als es endlich vorbei war. Mit 0:7 (0:3) kamen die Hessen bei ihrer Generalprobe wenige Tage vor dem Pflichtspielauftakt unter die Räder. Die herbe Pleite am Samstag beim englischen Premier-League-Klub FC Brentford, die ganz schwache Verfassung der Schützlinge von Trainer-Rückkehrer Adi Hütter und die Verletzung von Kapitän Robin Koch versetzten die Bankenmetropole in Aufruhr.
Die Frankfurter Rundschau schrieb von einem „Debakel“ sowie einer „Tracht Prügel“ und rief die „Alarmstufe Rot“ aus. Sportvorstand Markus Krösche habe mit Blick auf den Kader „seine Hausaufgaben nicht ausreichend gut gemacht“ und müsse handeln. Der Hessische Rundfunk berichtete von einer „krachenden Bruchlandung“ zum Abschluss der Vorbereitung, bei der die Eintracht ein „desaströses Bild“ abgegeben habe.
Hütter schon vor dem 1. Spieltag unter Druck
Und Hütter? Der gratulierte zwar mit einem Lächeln im Gesicht seinem Kollegen Keith Andrews an der Seitenlinie, war aber eigentlich mehr als bedient. „In erster Linie überwiegt die Enttäuschung. Wir haben ganz klar die Grenzen aufgezeigt bekommen“, kommentierte der 56 Jahre alte Österreicher gegenüber der Bild die Klatsche bei den Londonern um den zweifachen deutschen Torschützen Kevin Schade am 55. Geburtstag von Vorstandssprecher Axel Hellmann.
Dabei soll Hütter nach der verpatzten vergangenen Saison mit zwei verschlissenen Trainern und der erstmals seit sechs Jahren verpassten Europacup-Teilnahme in seiner zweiten Amtszeit am Main eigentlich alles wieder zum Guten wenden. Doch kurz vor der Partie in der ersten Runde des DFB-Pokals am Freitag beim Fünftligisten SC St. Tönis stapeln sich die Probleme.
Eintracht-Profis geben trauriges Bild ab
Hütter fordert seit langer Zeit eine Verkleinerung des Kaders und gleichzeitig mehr Qualität in seinem Aufgebot. Das wiederum setzt Krösche unter Druck, der nicht nur wegen seines missglückten Experiments mit Kurz-Coach Albert Riera ohnehin in der Kritik steht. In London jedenfalls präsentierte sich ein Team, das offensichtlich in allen Mannschaftsteilen Verstärkung braucht – nach Patzern von Kaua Santos geht auch die altbekannte Torwartdiskussion von vorne los. Zu allem Überfluss musste Koch, selbst schon länger auf Formsuche, vor der Pause verletzt vom Platz. Der Abwehrchef erlitt eine leichte Gehirnerschütterung.
Entsprechend gaben die Profis ein trauriges Bild ab, als sie in Richtung der knapp 300 mitgereisten Fans über den Platz schlürften. Beim FC St. Tönis und eine Woche später zum Ligastart bei Union Berlin dürften wesentlich mehr Eintracht-Anhänger vor Ort sein – und die wollen keine weiteren Debakel erleben.