Während ihres Studiums der Politikwissenschaft hat Kerstin Kock sich mit kriminologischer Sozialforschung beschäftigt. Aus dieser Zeit schöpft sie in gewisser Weise bis heute, weil ihr Anreiz geblieben ist, Zusammenhänge oder Motivationen zu verstehen. Das lässt sich auf fast alle Themen übertragen, so auch auf ihre Aufgaben bei „KickIn – Beratungsstelle für Diversität und Inklusion im Fußball“.

Dort arbeitet sie derzeit unter anderem im Modellprojekt gegen Hass und Diskriminierung im Fußballnetz, #KickHate. Auf Vereinsseite sind der Hamburger SV, Arminia Bielefeld und Schalke 04 dabei Partner, gefördert wird #KickHate von der Bundeszentrale für politische Bildung und der Postcode Lotterie, unterstützt von der Bundesliga.

Heruntergebrochen geht es darum, die digitale Kurve zu gestalten. Das Projekt steht auf drei Säulen: Empowerment und Aktivierung, Community Management und Digital Streetwork. Es geht einerseits darum, Fans und Mitglieder zu sensibilisieren und ihnen Tools für Gegenrede oder kreative Kampagnen an die Hand zu geben.

Bewusstsein für Hass und Diskriminierung steigern

Andererseits sollen Menschen an Schlüsselstellen in Vereinen gestärkt werden, indem auch hier das Bewusstsein für Hass und Diskriminierung gesteigert und gleichzeitig Methoden für den Umgang damit an die Hand gegeben werden. Hier unterstützt die KI Penemue bei der Identifizierung und Einleitung von Schritten, anschließend geht es aber auch um die sichtbare Reaktion – und da kommen die Mitarbeitenden spätestens wieder ins Spiel.

Haltung, erklärt Kock, ist ohnehin der Schlüssel bei dem Thema, und die muss sichtbar gemacht werden: „Wichtig ist, ganz klar zu setzen im digitalen Raum: Wer wollen wir als Verein sein? Als Fußballcommunity, Fancommunity? Wofür stehen wir?“ Der wichtigste Schritt sei dann, den Raum auch zu reklamieren durch Statements, Haltung und den Umgang miteinander.

Fans sind der Katalysator für Veränderung

Außerdem arbeitet #KickHate mit der Annahme, dass Fans, Mitglieder und andere Menschen in der Fußball-Community die Nähe zu ihrem Bezugsverein nicht gefährden möchten und so eine höhere Bereitschaft vermutet werden kann, eigenes Verhalten angeleitet zu reflektieren und zu ändern, um diese Nähe zu schützen. Das ist im Netz ebenso wie in der analogen Kurve und wird im Projekt genutzt, um Veränderung anzustoßen.

Denn letztlich ist allen Beteiligten klar: Das Fußball-Netz ist Teil des globalen Netzes, und dieses wiederum ist Teil der Gesellschaft. Wo diese in Sachen Diskriminierung und Hass kippt, ist das im Netz zu spüren, einerseits. Andererseits kann online aber auch Gegenbewegung starten – und ein emotionales Thema wie Fußball ist ein guter Ort, um diese anzustoßen.