Der FC Bayern hat eine Botschaft an die Konkurrenz: Wer in der Bundesliga spielt, sollte sich gefälligst auch außerhalb Deutschlands zeigen. PR-Reisen nach Asien, Nordamerika oder in andere wichtige Märkte seien schließlich wichtig für die internationale Vermarktung der Liga. So verkündeten es jüngst Präsident Herbert Hainer, CEO Jan-Christian Dreesen und Marketing-Vorstand Rouven Kasper.

Grundsätzlich ist das ein nachvollziehbarer Gedanke. Aber in dieser Saison machen es sich die Münchner mit dieser Forderung allzu leicht. Denn schließlich ist nicht jeder Bundesligist der FC Bayern.

Die Bosse des FC Bayern machen dem Rest der Bundesliga Vorwürfe
Die Bosse des FC Bayern machen dem Rest der Bundesliga VorwürfeDie Bosse des FC Bayern machen dem Rest der Bundesliga Vorwürfe© SPORT1.Grafik / IMAGO / osnapix

Bayerns Strahlkraft ist ein Teil des Problems

Ein kleiner Klub wie Elversberg kann nicht einfach einen Flieger chartern und in Hongkong, Tokio oder New York landen, um dort Zehntausende Menschen zu begeistern. Es fehlt an der internationalen Strahlkraft, an den globalen Fans – und nicht zuletzt am Geld. Wer sollte in Shanghai oder Bangkok Schlange stehen, um Elversberg beim Training zuzusehen?

Die Bayern können das. Sie haben über Jahrzehnte eine internationale Marke aufgebaut. Sie verfügen über Superstars, Titel, eine riesige Fanbasis und eine Strahlkraft, die weit über Deutschland hinausgeht. Doch genau hier liegt ein Teil des Problems.

Die internationale Vorreiterrolle des FC Bayern ist nicht unabhängig von seiner jahrelangen nationalen Dominanz zu betrachten. Wenn ein Klub über Jahrzehnte die Bundesliga prägt, Titel um Titel gewinnt und die größten Stars anzieht, wächst automatisch auch seine internationale Bekanntheit. Für die anderen bleibt da wenig übrig. Das kann man der Konkurrenz nicht leichtfertig vorwerfen.

Die Bundesliga braucht mehr als nur Bayern

Natürlich müssen sich auch andere Bundesligisten um internationale Märkte bemühen. Die Liga braucht mehr als nur Bayern. Und ja: Als Bayer Leverkusen 2024 mit Trainer-Star Xabi Alonso Deutscher Meister wurde und anschließend auf eine PR-Reise verzichtete, war die Kritik aus München absolut berechtigt. Das war eine verpasste Chance für die Werkself – und für die Bundesliga.

Aber daraus aktuell mal wieder eine Generalabrechnung mit allen Klubs zu machen, ist der falsche Weg. Die Bayern sollten nicht so tun, als hätten 17 andere Vereine dieselben Möglichkeiten wie sie selbst. Wenn es konkrete Kritik gibt, dann sollte sie auch konkret ausgesprochen werden.

Denn internationale Vermarktung funktioniert nicht nach dem Motto: Jeder muss einfach machen, was Bayern macht. Vielleicht wäre die ehrlichere Botschaft deshalb: Liebe Konkurrenz, wer die Möglichkeiten hat, sollte sie nutzen. Und wer sie nicht hat, kann eben nicht plötzlich Bayern spielen. Denn Elversberg muss nicht nach Hongkong – da gehören eher die Frankfurter, Leverkusener oder Stuttgarter hin.