Nicht einmal der größte Superstar, der je einen WWE-Ring betrat, hatte eine Ahnung, wie schnell er an die Spitze emporsteigen würde. Und das will etwas heißen.

Es war der 7. Januar 2025, als das junge Ringtalent Oba Femi seinen bis dahin größten Auftritt im Wrestling-Ring hatte – und kein Geringerer als Dwayne „The Rock“ Johnson war Augenzeuge. Das Hollywood-Idol, bei WWE inzwischen als Mitglied des „Board of Directors“ bei der Mutterfirma TKO involviert, war an diesem Tag Stargast beim Aufbaukader NXT, wo sich Femi damals zum Champion krönte.

Johnson hielt im Anschluss eine Motivationsrede an den Kader, bei dem er Femi und Kollegen, sich nie auf ihren Lorbeeren auszuruhen. Es hänge an ihnen, ob sie „in drei Jahren im Hauptkampf von WrestleMania stehen – oder von der Bildfläche verschwunden sind“.

Was weder Johnson noch sonst jemand zu diesem Zeitpunkt ahnte: Tatsächlich sollte der 140-Kilo-Koloss Femi sich in viel schnellerem Tempo zum WWE-Headliner aufschwingen.

WWE SummerSlam: Nächster Meilenstein für Oba Femi

Knapp sechs Monate nach seinem Hauptkader-Debüt für den Showkampf-Marktführer Ende Januar 2026 hat Femi am Wochenende seinen ersten großen Hauptkampf bei einer Stadionshow absolviert und gewonnen.

Am ersten Abend des WWE SummerSlam in der NFL-Arena der Minnesota Vikings feierte der Nigerianer seinen zweiten großen Sieg über die lebende Legende Brock Lesnar nach dem aufsehenerregenden WrestleMania-Duell im Frühjahr.

In einer emotionalen Szenerie nach dem Match im Hell-in-Cell-Käfig umarmte der frühere UFC-Schwergewichtschampion Lesnar Femi. Der 48-Jährige würdigte den 20 Jahre jüngeren Bezwinger als die „Zukunft“ von WWE.

Die schon im Frühjahr begonnenen Spekulationen, dass WWE Femi als nächsten WrestleMania-Gegner und wahrscheinlichen Bezwinger für World Champion Roman Reigns in Stellung bringt, intensivierten sich damit.

Wer aber ist der Senkrechtstarter, der sich in den vergangenen Monaten ähnlich schnell zum Phänomen entwickelt hat wie Lesnar in seinem Debütjahr 2002?

Als Kugelstoßer nicht weit weg von der Weltspitze

Isaac Odugbesan, wie Femi eigentlich heißt, war vor einigen Jahren noch ein vielversprechendes Talent in einer anderen Sportart – im Kugelstoßen.

Der in Lagos geborene Odugbesan kam 2017 nach Amerika und wurde von der University of Alabama rekrutiert. 2021 und 2022 gewann er den Titel im Kugelstoßen bei den SEC Indoor Track and Field Championships.

Odugbesan holte einen weiteren Titel im Freien und hat eine Bestleistung von 20,85 Metern. Mit dieser Weite wäre der Nigerianer ins Finale der Olympischen Spiele in Paris gekommen. Hätte er sie dort erzielt, wäre er immerhin Neunter geworden. Doch es kam anders.

Oba Femi als Kugelstoßer zu College-Zeiten
Oba Femi als Kugelstoßer zu College-ZeitenOba Femi als Kugelstoßer zu College-Zeiten© IMAGO/Imagn Images

Blitz-Aufstieg bei WWE

Dass Odugbesan sich im Wrestling als noch größeres Talent erwiesen hat, kam nicht von ungefähr, wie seine Mutter vor rund zwei Jahren dem US-Regionalmedium The Crimson White verriet: „Als er 12 Jahre alt war, hat er nach dem Duschen Triple H nachgeahmt und Wasser ausgespuckt wie er bei seinem Einmarsch. Als er jung war, hat er viele Wrestler gemalt.“

Triple H alias Paul Levesque war in Oba Femis Kindheit einer der größten WWE-Stars. Heute als „Chief Content Officer“ der Denker und Lenker hinter den Kulissen der Liga und Strippenzieher hinter Femis Aufstieg.

Femi wurde im Sommer 2021 durch ein Scouting-Programm von WWE entdeckt und unterschrieb nach einem erfolgreichen Probetraining einen Vertrag bei der Liga – wo er seitdem eine steile Karriere hingelegt hat.

Im Herbst 2022 bestritt Femi sein Ringdebüt. Im Januar 2024 wurde er als Gewinner eines „Breakout Tournaments“ bei NXT erstmals groß in Szene gesetzt. Ein Jahr später folgte der Gewinn des NXT Titles. Nochmal ein Jahr später das spektakuläre Hauptkader-Debüt beim Traditionsevent Royal Rumble.

Er weckt Erinnerungen an Hogan, Batista, Goldberg

Überall, wo Femi auftauchte, fingen die WWE-Zuschauer schnell Feuer für ihn: Seine Mischung aus Kraft, Athletik und einnehmender Zerstörer-Aura hinterließ schnell die Ahnung, dass in Femi ein „generational talent“ heranwuchs.

Die Art und Weise, wie Femi inszeniert wird, erinnert an den jungen Hulk Hogan, den Ultimate Warrior, Batista oder auch Bill Goldberg. Der langgezogene Fan-Schlachtruf „Ooooba! Ooooba!“ für Femi ist eine Hommage an die „Goldberg! Goldberg!“-Gesänge von einst – wie „Rudi!-Rudi!“-Rufe, die es früher nur für Uwe Seeler gab.

Goldbergs alter Rivale Lesnar war vor diesem Hintergrund die Idealbesetzung als erster großer Rivale Femis. In der gemeinsamen Matchserie zitierten sie vielfach Lesnars Fehde gegen Goldberg – und auch die gegen den Undertaker, ein weiteres Kindheitsidol Femis.

Bei WrestleMania schon Champion?

Schon bei WrestleMania riefen viele Fans nach einem Duell zwischen Femi und Reigns. WWE dürfte es sich aber bis zur nächsten Ausgabe des Jahreshöhepunkts aufsparen, die im kommenden April in Saudi-Arabien steigt.

Sollte nichts dazwischenkommen, scheint der Weg für Femi bis dahin allerdings vorgezeichnet: Der „Ruler“ dürfte dann seinen Aufstieg an die Ligaspitze vollenden – schneller, als selbst The Rock es ahnen konnte.