Zelebriert werden soll der Jahrestag der Gründung, doch die Zeremonie zum 123-jährigen Bestehen des Boavista FC am Samstag könnte einer Trauerfeier gleichkommen.
Der insolvente Traditionsklub, in der Champions League einst Gegner von Bayern München und Borussia Dortmund, blickt einer ungewissen Zukunft entgegen. Weil die erforderliche Gebühr zur Verlängerung des Insolvenzverfahrens nicht aufgebracht werden konnte, musste Boavista den Spielbetrieb zum 31. Juli einstellen.
Doch der portugiesische Sensationsmeister von 2001 stemmt sich gegen das Verschwinden. Am Samstag wird im Rahmen der Jubiläumsfeierlichkeiten ein Sondertrikot der Kampagne „Save Boavista“ präsentiert.
Kampagne soll Traditionsklub Boavista retten
Mit dem Verkauf des Jerseys mit dem typischen schwarz-weißen Schachbrettmuster sollen weiter Gelder für die Rettung gesammelt werden. Die Solidarität ist groß, 85.000 Euro konnten laut jüngsten Berichten im Rahmen der Kampagne bereits gesammelt werden.
Zunächst geht es darum, die Einrichtungen wieder nutzen zu dürfen und den Jugendteams eine Perspektive zu bieten.
Nach dem Abstieg in die Zweitklassigkeit im Vorjahr verzichtete Boavista nun aufgrund der finanziellen Schwierigkeiten auf die Meldung für die zweite portugiesische Liga. Wie die Nachrichtenagentur Lusa berichtet, ist stattdessen ein Neustart mit der U19-Mannschaft geplant.
Der Niedergang des früheren Topklubs beschäftigt auch den Stadtrivalen FC Porto. „Was derzeit mit einem traditionsreichen Verein unserer Stadt geschieht, sollte für niemanden Anlass zur Freude sein. Es ist eine Wunde im sportlichen und sozialen Erbe von Porto und ein Warnsignal für den gesamten portugiesischen Fußball“, mahnte Vereinspräsident André Villas-Boas in einem Beitrag für das Magazin Dragoes.
„Vereine sind keine Wegwerfartikel“
Die Einstellung des Spielbetriebs zeige, „wie weit es mit einer hundert Jahre alten Institution gehen kann, wenn sie von undurchsichtigen Geschäftsmodellen, von ihrer Gemeinschaft abgekoppelten Aktionärsstrukturen und Kontrollmechanismen abhängig ist, die nicht rechtzeitig eingreifen können“, ergänzte der frühere Coach und betonte: „Vereine sind keine Wegwerfartikel.“
Angesprochen fühlen dürfte sich der luxemburgische Geschäftsmann Gérard Lopez, der 2021 die Mehrheit der Anteile an Boavista erwarb. Der Investor geriet zuletzt auch durch den Absturz des französischen Traditionsklubs Girondins Bordeaux, ein weiterer Klub aus Lopez‘ Portfolio, in die Schlagzeilen.
Im Fall Boavista habe weit mehr als nur eine Vereinsführung versagt, führte Villas-Boas weiter aus: „Es hat ein ganzes System versagt, das den Wettbewerb, die Mitarbeiter, die Fans und das kollektive Erbe hätte schützen sollen.“
Vereine gehörten „zur Geschichte, zu den Städten, zu den Mitgliedern und zu den Gemeinschaften, die sie aufgebaut haben“, unterstrich der Präsident des FC Porto.
Symbolischer Akt angesichts des drohenden Untergangs
Daher appellierte auch der Boavista FC an seine Fans und Mitglieder, an den Feierlichkeiten am Samstag teilzunehmen und zusammenzustehen. „Wir werden seine Geschichte, seine Identität und die unvergleichliche Stärke unserer Mitglieder feiern, denn es gibt Werte und ein Gefühl, die immer Bestand haben werden“, hieß es in der Ankündigung des Klubs.
Neben der Trikot-Präsentation wird am Praca da Pantera, dem Treffpunkt der Fans in der Nähe des Estádio do Bessa, eine Flagge gehisst. Ein weiterer symbolischer Akt im Angesicht des drohenden Untergangs.
Abschließend findet in der Kirche Igreja do Foco noch eine Messe statt. Beistand von oben kann Boavista mit Blick auf die ungewisse Zukunft wahrlich gebrauchen.