DFB-Sportdirektor Rudi Völler hat Neu-Bundestrainer Jürgen Klopp mit seinem Vorgänger Julian Nagelsmann verglichen – und dabei einen wesentlichen Unterschied zwischen den beiden Übungsleitern festgestellt.

„Jürgen wird sicher öfter im Stadion sein, das war nicht so Julians Ding“, erklärte Völler beim Internationalen Trainerkongress in Mainz. Damit bestätigt der Weltmeister von 1990 einen wesentlichen Kritikpunkt am Ex-Bundestrainer, dem bereits häufiger vorgeworfen wurde, in den Stadien zu wenig Präsenz zu zeigen.

Rudi Völler vergleicht Julian Nagelsmann mit Jürgen Klopp
Rudi Völler vergleicht Julian Nagelsmann mit Jürgen KloppRudi Völler vergleicht Julian Nagelsmann mit Jürgen Klopp© IMAGO/MIS

Der Grund für das sportliche Versagen der DFB-Elf bei der Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko, seien die seltenen Stadionbesuche Nagelsmanns jedoch noch nicht gewesen. „Deshalb hat Jonathan Tah ja nicht den Elfmeter geschossen gegen Paraguay. Am Ende war es so, dass Julian Nagelsmann nicht mehr die Lobby hatte, um mitreißen zu können.“

Nagelsmann? „Das war mein großer Fehler“

„Vielleicht war er auch manchmal zu dünnhäutig, aber wer ist das nicht als Trainer?“, sprach Völler Nagelsmanns Umgang mit der Presse an – und kritisierte die deutsche Medienlandschaft im selben Zug: „Egal, welche Entscheidung er getroffen hat, es wurde ihm negativ ausgelegt. Hat er Spieler kritisiert, wurde er dafür kritisiert. Hat er Spieler in Schutz genommen, wurde er dafür auch kritisiert.“

„Teilweise war es zu hart und einfach auch ungerecht. Das habe ich ehrlich gesagt lange unterschätzt, das war mein großer Fehler“, gab sich Völler selbstkritisch. „Ich habe dann versucht, während der WM hin und wieder mal einzugreifen gegenüber den Medien.“ Am sportlichen Abschneiden der deutschen Mannschaft änderte das jedenfalls nichts.

Warum man bei Klopp „eine Auge zudrücken werde“

Klopp habe derweil eine einfachere Ausgangsposition als Nagelsmann. Der Ex-Liverpool-Trainer hätte mehr Raum für Fehler. „Egal, was du entscheidest – es diskutieren immer 80 Millionen mit. Trotzdem wird man bei Jürgen hin und wieder mal ein Auge zudrücken, wenn etwas nicht funktioniert. Das hat er sich durch seine Trainerkarriere erarbeitet. Das bekommt man nicht geschenkt.“

So bringe Klopps Standing und bisherige Leistungen in der Trainerwelt eine Chance mit sich. Er habe „die Wucht und die Macht, auch mal Dinge auszuprobieren“. Die erste Möglichkeit dafür hätte Klopp am 24. September. Dann debütiert der 59-Jährige auf der Trainerbank des DFB beim Duell mit der Niederlande in der Nations League.