Es war ein ungewöhnlicher Start von Jürgen Klopp in sein Abenteuer als Bundestrainer. Sein erstes Statement nutzte er natürlich dazu, seiner Vorfreude und seiner Erleichterung Ausdruck zu verleihen.

Ein „besonderer Tag“ sei das für ihn, so der 59-Jährige. Es sind erwartbare, aber glaubwürdige Worte aus dem Mund des Hoffnungsträgers. Seine Aussagen in Richtung der anwesenden und zugeschalteten Pressevertreter überraschten dann aber doch und ließen tief blicken.

Die Klopp-Ansage offenbart alles, kommentiert SPORT1-Chefreporter Stefan Kumberger
Die Klopp-Ansage offenbart alles, kommentiert SPORT1-Chefreporter Stefan KumbergerDie Klopp-Ansage offenbart alles, kommentiert SPORT1-Chefreporter Stefan Kumberger

Auch die Medien werde man für eine erfolgreiche Zukunft brauchen, erklärte Klopp und lud quasi alle ein, am Gelingen seines Projekts beizutragen. Gleichzeitig machte er aber auch deutlich, dass man seine Familie in Ruhe lassen solle und packte sogar noch eine Ansage aus: „Ich mache das nicht gegen euch, sondern für euch. […] Wenn ihr morgen sagt: ‚Der ist scheiße‘, bin ich weg.“

DFB: Klopp tritt an – mit Mischung aus Angebot und Drohung

Dass der neue Bundestrainer mit einer Mischung aus Angebot und Drohung versucht, nicht nur die Fans, sondern auch die Medien auf seine Seite zu ziehen, zeigt vor allem eines: Um den deutschen Fußball muss es in seinen Augen sehr schlecht stehen.

Doktor Klopp hat sich den Patienten angesehen und stellt eine verheerende Diagnose – anders lassen sich seine Worte kaum deuten. Er offenbart alles. Zum Beispiel, dass er alle an Bord braucht, um die Nationalmannschaft zu retten.

Das mag einerseits eine schlechte Nachricht sein, doch dahinter verbirgt sich auch eine gute: Beim DFB ist jetzt jemand am Ruder, der einen klaren Blick hat und an Schönrederei nicht interessiert ist. Gut so!

Klopp wird vom TV-Experten zum Bundestrainer

Dass ausgerechnet Klopp den Umgang mit Julian Nagelsmann kritisiert, entbehrt derweil nicht einer gewissen Komik. Schließlich war er selbst daran beteiligt, dass sein direkter Vorgänger Stück für Stück die Lust am Bundestrainer-Job verlor – Stichwort: „noch“.

"Kloppo! Es ist erst Juni!" Große Lacher nach Klopps Aussage

„Kloppo! Es ist erst Juni!“ Große Lacher nach Klopps Aussage

Immerhin zeigte sich der Neue hier selbstkritisch. „Der Tag mit dem ‚noch‘ war einer der schlechteren meines Lebens“, gab er zu. Da er bekanntlich frisch aus einem Job als TV-Experte kommt, dürfte dem Bundestrainer zudem klar sein, dass es nicht die Aufgabe der Medien ist, bedingungslos an seiner Seite zu stehen.

Man kann Klopp bei seiner neuen Aufgabe nur alles Gute wünschen – im Interesse der Fans und der ganzen Fußball-Nation.

Aus Erfahrung heraus ist aber auch klar: Der Funke muss von der Mannschaft und ihrem Trainer aufs Land überspringen, nicht umgekehrt. Das muss sich die Nationalmannschaft jetzt verdienen.