Aus deutscher Sicht ist es das größtmögliche Drama der diesjährigen Tour de France. Der Sturz von Florian Lipowitz und das damit verbundene Ausscheiden beschäftigen auch die deutsche Radsport-Legende Jan Ullrich. Im Podcast Ulle & Rick mit Rick Zabel äußerte er sich jetzt erstmals.
„Das ist kein Downer, das ist ein richtiger Schock. Ich war richtig geschockt. Es ist natürlich für Florian persönlich, für sein Team, für die ganzen Radsport-Fans nicht nur in Deutschland, sondern auch weltweit hat er sehr viele Fans – es ist ein richtiger Schock.“ Auch sein Podcast-Partner Zabel empfand den Unfall als „großen Schock für Radsport-Deutschland“.
Sturz zwingt ihn zur Aufgabe bei der Tour de France
Nach seinem sensationellen dritten Platz bei der letztjährigen Ausgabe des größten und prestigeträchtigsten Radrennens war Lipowitz als ganz große Hoffnung der Deutschen in die Tour gestartet.
Auch dieses Jahr sei er bis zu dem Drama eine „fantastische Tour gefahren“, bescheinigte ihm Ullrich, der sich auf der Champs-Élysées 1997 selbst einmal krönen konnte. „Eigentlich hat er eine richtig starke Tour gefahren, war auch im Zeitfahren schon einige Sekunden vor Paul Seixas, seinem größten Mitbewerber aufs Podium. Und auch schneller als Isaac Del Torro.“
Bis zum verhängnisvollen Moment im Zeitfahren am Dienstag in Thonon-les-Bains. Kurz vor dem Ziel rutschte „Lipo“ in der Kurve weg und prallte gegen den Bordstein. Das Rennen musste er danach abbrechen.
„Man sieht auch, wie schnell das gehen kann. Vom Triumph, vom Glück auf einmal – zack – in einer Zehntelsekunde rutscht das Vorderrad weg. Ich hab da auch nicht so einen Fahrfehler entdeckt“, analysierte Ullrich den Unglücks-Moment.
Lipowitz nach OP wieder obenauf
Unmittelbar danach ging es für den 25-Jährigen weiter ins Krankenhaus, wie sein Teamchef Ralph Denk bestätigte: „Das Schlüsselbein ist gebrochen, und er wurde operativ behandelt, gestern Nacht noch. Er ist aber noch im Krankenhaus und wird voraussichtlich auch noch die kommende Nacht dort verbringen. Es geht ihm gut, ich habe schon persönlich mit ihm sprechen können.“
Die gleichen Informationen konnte auch Ullrich bestätigen, der mit Lipowitz in direktem Kontakt steht: „Ich hab ihm eine sehr, sehr lange Nachricht draufgesprochen. Hab nicht damit gerechnet, dass er es schon sieht, gerade jetzt, im Krankenhaus. Er hat mir geantwortet und hat auch gesagt: ‚Danke für die Nachricht. Operation ist gut gelaufen.'“
Die Enttäuschung, sagte Denk, sei beim Fahrer natürlich groß, dennoch sei die Stimmung nicht am Boden: „Wir haben auch schon wieder gescherzt, dass das halt auch dazugehört. Er ist nicht der einzige große Rennfahrer, dem das jetzt passiert ist. Es wird weitergehen.“
Wie es weitergehen wird, deutete er auch schon an: „Bei solchen Verletzungen gehe ich normalerweise davon aus, dass man ihn dieses Jahr noch auf dem Rad und beim Rennen sehen wird. Aber wie und was – das ist viel zu früh zu sagen.“