Die Welle an Dopingkontrollen der ITA (International Testing Agency) sorgt bei der Tour de France weiter für Unruhe im Peloton. Vor allem die Uhrzeiten der unangekündigten Besuche – teils mitten in der Nacht – stoßen auf Kritik. Immer mehr Fahrer und Verantwortliche werfen der ITA vor, die Profis nicht gleich zu behandeln.

Besonders deutlich wurde Matej Mohoric vom Team Bahrain – Victorious, der nach einem Kontrollbesuch um 5 Uhr morgens von „ungleicher Behandlung“ sprach. „Wir zahlen für die Vergangenheit des Radsports, aber trotzdem wäre es gut, gewisse menschliche Grenzen zu ziehen oder zumindest für eine Gleichbehandlung aller zu sorgen“, erklärte der Radprofi.

Richard Plugge äußert sich deutlich zu den nächtlichen Dopingkontrollen bei der Tour de France
Richard Plugge äußert sich deutlich zu den nächtlichen Dopingkontrollen bei der Tour de FranceRichard Plugge äußert sich deutlich zu den nächtlichen Dopingkontrollen bei der Tour de France© IMAGO/Sirotti

Wunderkind Seixas wurde wohl nicht nachts kontrolliert

Er führte weiter aus: „Wir wissen nämlich, dass dieser französische Fahrer, der in der Gesamtwertung weit vorn liegt, diese Kontrolle nicht bekommen hat.“ Damit zielte Mohoric auf Paul Seixas ab.

Die ITA betonte dagegen, dass eine groß angelegte Blutpass-Mission beim Ruhetag alle Fahrer des Pelotons umfasst habe. Weitere Teams – darunter auch die Mannschaft von Seixas – wurden laut Berichten zu „normaleren“ Zeiten am Abend kontrolliert, was die Debatte über die Auswahl der Nachttermine zusätzlich anheizt.

Visma fordert Gleichbehandlung im Klassement

Auch bei Visma-Lease a Bike sitzt der Ärger tief: Jonas Vingegaard war nach Teamangaben der erste Fahrer, der in der Nacht von Samstag auf Sonntag aus dem Schlaf gerissen wurde – um 2 Uhr. Teamchef Richard Plugge forderte, dass die ITA ihre strengen Abläufe dann konsequent auf alle Spitzenfahrer anwenden müsse.

„Man müsste auch die anderen Kandidaten in der Gesamtwertung nehmen und ihnen dieselben strengen Regeln auferlegen, sagen wir die Top 10, im gleichen Timing“, erklärte Plugge und legte nach: „Wir haben diese Fragen der ITA gestellt: Könnt ihr erklären, warum es eine unterschiedliche Behandlung gibt? Warum nur ein Fahrer um 2 Uhr kontrolliert wurde, offenbar ein anderer um 5 Uhr – und warum nicht der Rest der Top 10?“

Brisant: Nur wenige Stunden nach dem nächtlichen Kontrollbesuch stürzte Vingegaard in der 15. Etappe an der Ausfahrt eines Kreisverkehrs und musste die Tour mit einem Schlüsselbeinbruch aufgeben. Genauso erging es Florian Lipowitz, der in der Nacht vor dem Einzelzeitfahren kontrolliert wurde, dann auf der 16. Etappe ebenfalls schwer stürzte und sich das Schlüsselbein brach.

In der Diskussion wird der Zeitpunkt des Tests deshalb noch kritischer bewertet – auch wenn ein direkter Zusammenhang nicht belegt ist.

Klare Botschaft – trotz Rückendeckung für die ITA

Plugge bleibt bei seinem Kernpunkt: „Wenn du die Integrität des Sports schützen willst, sollte jeder Podiumsanwärter meiner Meinung nach die gleiche Behandlung bekommen. Das Ziel des Antidopings ist, dass alle nach denselben Regeln behandelt werden. Und wenn die ITA meint, dass Nachtkontrollen der beste Weg sind, dann ist das eben der beste.“

Gleichzeitig stellte er klar, dass Visma die Kontrollbehörde grundsätzlich unterstützt: „Als Team haben wir eine sehr strikte, sehr rigorose Politik gegen Doping, und wir gehörten zu den ersten, die die ITA dazu gedrängt haben, im Kontrollsystem und in der Prävention an der Spitze zu stehen. Wir haben dafür sehr viel gearbeitet.“