Peter Kadiru stand hilflos in der Ringecke und war einem weiteren Schlaghagel ausgesetzt, da tat sein Trainer das einzig Richtige: Christian Morales warf das Handtuch, der ungleiche Kampf war vorbei. Völlig unerwartet hatte der Hamburger Profiboxer Kadiru am Montag seine WM-Chance erhalten – gegen Titelverteidiger Murat Gassijew war für den Schwergewichtler aber nichts zu holen.

„Heute hat es leider nicht gereicht“, schrieb Kadiru bei Instagram: „Ich werde keine Ausreden suchen. Mein Gegner war heute einfach besser und hat den Sieg verdient. Respekt dafür.“

Bereits nach sechs Runden war das ungleiche Duell um den WBA-Gürtel in Moskau vorbei. Kadiru, der praktisch ohne Vorbereitung in den Ring gestiegen war, kassierte in seinem 25. Profikampf die zweite Niederlage. Und doch blickte er nach vorn, denn das soll es noch nicht gewesen sein für den 29-Jährigen. Er werde „aus dieser Niederlage lernen, hart weiterarbeiten und wiederkommen“, gelobte er.

Für den deutschen Boxsport hatte sich beinahe aus dem Nichts die Chance auf den zweiten amtierenden Champion im Schwergewicht ergeben. Zuletzt war bereits Agit Kabayel zum WBC-Champion erklärt worden, weil Alexander Usyk seine Gürtel niedergelegt hatte. Und der Ukrainer war auch Wegbereiter für Kadirus plötzliche Chance: Auch den WBA-Gürtel hatte Usyk abgegeben, Gassijew stieg zum neuen Titelträger auf. Der Russe sollte am Samstag dann eigentlich gegen den Franzosen Tony Yoka antreten, der aber verletzt passen musste. So rückte Kadiru nach.

„Der Kampf kam sehr, sehr kurzfristig. Wir hatten keine richtige Vorbereitung“, sagte Kadiru im Vorfeld. Es sei dennoch sein „Moment“ – aber für Kadiru schien der Kampf schon ganz früh eine Ausdauerfrage zu werden.

Der Linksausleger ließ sich von Gassijew schnell in die Seile drängen, wirkte inaktiv. Der Russe ging häufig auf den Körper, das kostete Kadiru weitere Kraft, die ersten drei Runden gab er recht deutlich ab.

In Runde vier, fünf und sechs versuchte Kadiru, aktiver zu sein, das Risiko zu erhöhen – bot damit aber noch mehr Angriffsfläche, geriet erneut in die Ringecke. Kadiru kassierte einige heftige Treffer und geriet ins Wanken, Trainer Morales brach den Kampf nach einer Minute der sechsten Runde ab, um seinen Sportler zu schützen.