Arthur Fery ließ seinen Schläger fallen und fasste sich ungläubig an den Kopf: Der junge Brite hat das „Wildcard-Duell“ in Wimbledon gewonnen und die heimischen Fans einmal mehr ins Ekstase versetzt. Die Fans jubelten noch nach dem Matchball mit lauten Gesängen und feierten das „Fery-Tail“. Der 23-Jährige gewann am Montag auf dem Centre Court nach einem Nervenkrimi über 3:55 Stunden 7:5, 3:6, 4:6, 6:4, 7:6 (10:7) gegen den Bulgaren Grigor Dimitrow. Seit Beginn der Open Era 1968 ist Fery der erst fünfte Spieler, der es mit einer Wildcard bis ins Viertelfinale an der Church Road schaffte. (Wimbledon 2026 täglich im LIVETICKER)
„Ich habe keine Worte. Es ist schwer zu beschreiben, was ich gerade auf diesem Tennisplatz gespürt habe“, sagte Fery: „Es ist unglaublich. Vier Spiele zu gewinnen, im Viertelfinale zu stehen, ist ein Traum.“ Expertin Barbara Schett schwärmte bei Prime: „Im vierten Satz war er zwei mal ein Break hinten. Da haben wir es nicht mehr geglaubt. Aber was für eine Leistung vom Tennis her, vom physischen her und vom Kopf. Wahnsinn!“
Die englische Presse feierte seinen neuen Helden frenetisch ab. Die BBC schrieb glückselig: „Wenn Roger Federer dir auf dem Centre Court in Wimbledon stehende Ovationen spendet, weißt du, dass du etwas Sensationelles geleistet hast. Genieße es in vollen Zügen, Arthur. Genieße jede Sekunde.“ The Independent fand: „Das war episch. Fery schreibt Geschichte in Wimbledon.“
Fery versetzt England in Ekstase
Arthur Fery wurde in Frankreich geboren, wuchs aber zehn Minuten entfernt von Wimbledon auf. Er ist der Sohn von Loic Fery, Präsident des französischen Fußball-Erstligisten FC Lorient. Mit seinem erstmaligen Einzug ins Viertelfinale eines Grand Slams ist die Nummer 114 der Weltrangliste nun der sechste britische Spieler, der seit der Einführung des Profitennis 1968 die Runde der letzten acht beim Heimspiel erreichte.
Für Dimitrow endete das Achtelfinale auf dem Centre Court derweil wieder mit einer Enttäuschung. Im Vorjahr hatte er in selbiger Runde bereits zwei Sätze gegen den späteren Champion Jannik Sinner gewonnen, sich beim Stand von 2:2 im dritten Durchgang aber einen Teilriss des Brustmuskels zugezogen und aufgeben müssen.
„Ich war das erste Mal auf diesem Platz, spiele dann fünf Sätze gegen so eine Legende des Spiels. Ich bin so wenige Minuten von hier aufgewachsen und habe hier immer Matches gesehen. Wir hatten den Spaß unseres Lebens als wir Federer gesehen haben, der jetzt auch noch in der ersten Reihe sitzt. Dann noch zu gewinnen, ist unfassbar“, meinte der neue britische Held.
Vor den Augen des achtmaligen Champions Roger Federer ließ Fery nach seinem Satzgewinn das heimische Publikum träumen. Dimitrow dominierte aber anschließend, lag nach einem Break zum 4:3 im vierten Satz schon klar auf Siegkurs. Doch Fery kämpfte, riss die Fans mit dem Satzausgleich von ihren Sitzen – und behielt dann im Match-Tiebreak die Nerven. Im Viertelfinale wartet nun der italienische French-Open-Finalist Flavio Cobolli, der 7:5, 7:6 (7:4), 6:3 gegen den australischen Weltranglistensechsten Alex de Minaur gewann.