Nach dem Schlusspfiff sanken die Brasilianer enttäuscht zu Boden. Der späte Elfmetertreffer von Neymar zum 1:2-Endstand, der nach der Partie sein Karriereende im Nationalmannschafts-Trikot bekannt gab, weckte nur kurzzeitig Hoffnungen.

Das Medienecho in der Heimat des Rekordweltmeisters fiel entsprechend eindeutig aus.

Carlo Ancelotti geht auf den am Boden liegenden Vinícius Júnior zu
Carlo Ancelotti geht auf den am Boden liegenden Vinícius Júnior zuCarlo Ancelotti geht auf den am Boden liegenden Vinícius Júnior zu© IMAGO/Kirchner-Media

Auch die internationale Presse schlug drastische Töne an, haderte mit der brasilianischen Chancenverwertung, lobte „Cyborg“ Haaland und fordert Konsequenzen für die Zukunft. Teils ist gar die Rede von einem Fußballland, das langsam ausstirbt. Ein Überblick.

Brasilien

O Globo: Die Nationalmannschaft scheidet im Achtelfinale aus und erlebt ihre schlechteste Weltmeisterschaft seit 36 Jahren. Jetzt heißt es: Rudern!

UOL Brasilien: Der Traum ist ausgeträumt. Ancelotti hat in einem entscheidenden Spiel versagt. Mit der letzten Auswechslung, bei der er den Flügelspielern Endrick und Neymar den Vorzug gab, um den Forderungen der Fans nachzukommen, hat er die Mannschaft zerstört. Nicht Neymar starb in Ancelottis Armen, sondern Ancelotti starb in Neymars Armen.

ESPN Brasil: Brasilien muss mit ansehen, wie Haaland innerhalb von 10 Minuten alles zunichte macht. Neymar weint viel und erlebt einen bitteren ‚letzten Tanz‘ bei der WM mit nur 55 gespielten Minuten und einem Tor bei seiner letzten Ballberührung. Die Niederlage gegen die Norweger ist ein weiteres trauriges Kapitel in einer Fußballlandschaft, die langsam ausstirbt, genau wie der brasilianische Fußball.

Lance!: Brasilien sieht dem Vorbeiflug des Kometen Haaland zu und scheidet im Achtelfinale aus.

Fox Sports: Brasilien wird vom „unausweichlichen“ Haaland vernichtet und verabschiedet sich aus der Weltmeisterschaft nach der sechsten Niederlage in Folge gegen europäische Mannschaften.

Zero Hora: Schon wieder! Der Film wiederholt sich seit 2006. Einen Elfmeter verschossen, eine Riesenchance frei vor dem Torhüter vergeben und wieder einmal eine WM verloren.

Folha de Sao Paulo: Norweger rudern, triumphieren und schicken Brasilien bei der WM an den Strand.

Spanien

Marca: Das Ungeheuer, das Vinícius verschlang. Das Ausscheiden Brasiliens gegen Norwegen hat sich in dem südamerikanischen Land wie eine echte Katastrophe angefühlt.

AS: Haaland frisst Brasilien auf. Es sind bereits sieben Tore, die er bei seiner ersten Weltmeisterschaft erzielt hat. Tödlich. Unmenschlich. Der ‚Cyborg‘, vor dem die ganze Welt Angst hat.

Italien

Gazzetta dello Sport: Haaland ist größer als Brasilien. Zwei großartige Tore bestrafen eine glanzlose Selecao, Ancelotti wird nach Hause geschickt. Vor vielen Jahren hätte Norwegens Ausscheiden gegen Brasilien das Ende der Welt bedeuten können, doch die WM hat sich komplett verändert. Nicht einmal Ancelotti konnte ein Wunder vollbringen, und das will bei dem erfolgreichsten Trainer aller Zeiten schon etwas heißen.

Frankreich

L’Équipe: Haaland auf Mission, Brasilien zu Hause

Argentinien

Olé: Jaaaaaaaland: Brasilien aus der WM ausgeschieden. Erinnert ihr euch noch an das Brasilien, das gerne den Ball hatte? An das Brasilien, das seine Ballkunst verehrte? An das Brasilien der fantasievollen Spielzüge? An das Brasilien, für das „Totaler Fußball“ eine Religion war? Die Moderne hat all das hinweggefegt, und diese „Scratch“-Mannschaft spielt, gewinnt und verliert nach einem anderen Rezept.