Jan-Lennard Struff hat nach seinem nächsten Comeback sensationell das Viertelfinale in Wimbledon erreicht. Der 36-Jährige profitierte beim Stand von 3:6, 6:7 (5:7), 7:6 (7:2), 7:5, 4:2 von der Aufgabe seines polnischen Gegners Hubert Hurkacz und zog erstmals bei einem Grand Slam in die Runde der letzten acht ein. Dort wartet nun der italienische Titelverteidiger Jannik Sinner. (Wimbledon 2026 täglich im LIVETICKER)

Wimbledon: Struff gelingt Sensation

Nachdem Struff im fünften Satz nach 3:40 Stunden Spielzeit das Break gelang, warf der unter Rückenschmerzen leidende Hurkacz entnervt seinen Schläger weg und gab auf. „Es so zu beenden ist ein Jammer“, sagte Struff und ergänzte: „Ich bin sehr glücklich. Das Ende war ziemlich hart. Es ist unglaublich. Man sollte niemals aufgeben.“ Seine Wimbledon-Reise sei „einfach verrückt“.

Bei Prime fügte er an: „Hintenraus hat man natürlich deutlich gemerkt, dass er Probleme hatte. Er ist super nett und einer der freundlichsten auf der ganzen Tour.“ Dann hatte Struff noch ein Problem. Sein Match endete um halb elf Ortszeit. „Ich glaube, es ist ein wenig zu spät, um noch essen zu bestellen. Ich weiß nicht, ob die noch liefern. Ich glaube, ich schaue noch ein wenig Fußball.“

Petkovic feiert Struff: „Klingt wie absolut klassische Himmelsmusik“

Die deutsche Legende Andrea Petkovic freute sich mit. „Das klingt wie absolut klassische Himmelsmusik für mich, dass er im Viertelfinale ist. Schon wieder muss Hurkacz auf diesem Platz zwei aufgeben. Es ist für ihn zum Verzweifeln. Gute Besserung geht raus.“

Das Match auf Court zwei wurde zu einem großen Drama. Ende des dritten Satzes hatte Hurkacz deutliche Probleme am rechten Bauchmuskel und konnte kaum noch laufen. Er versuchte alles, um noch zu gewinnen.

Für Hurkacz wiederholt sich bittere Geschichte in Wimbledon

Patrik Kühnen beobachtete aus der ersten Reihe des Courts: „Er musste vor wenigen Minuten zu einer Vorhand lang hinsprinten. Danach hat er sich erstmals leicht da hingetroffen an die untere Bauchregion. Das hat sich immer mehr verfestigt bei den letzten Ballwechseln.“

Für den Polen war es besonders bitter. Vor zwei Jahren riss er sich auf exakt dem Platz gegen Arthur Fils den Meniskus und fiel lange aus. Da litt auch Kühnen mit. „Der Junge kommt nach einer sehr langen Knieverletzung zurück. Und das hier ist ausgerechnet der Platz, auf dem er sich damals schon vor zwei Jahren auch schon schwer verletzt hat. Das ist wahnsinnig bitter.“

Das Märchen von Jan-Lennard Struff geht weiter

Struff setzte beim Rasenklassiker seinen Siegeszug fort, der sich im Vorfeld nicht angedeutet hatte: Seit Oktober hatte er bei keinem Turnier im Hauptfeld zwei Matches gewonnen. Der Warsteiner startete als Nummer 74 der Welt im All England Club, im Live-Ranking liegt er jetzt schon auf Platz 40. Auch gegen Hurkacz zeigte Struff eine starke Leistung, ließ sich von einem Zwei-Satz-Rückstand nicht aus der Ruhe bringen und befreite sich wie in den Runden zuvor aus einer schier aussichtslosen Situation.

Im 47. Anlauf bei einem der vier großen Turniere feiert Struff nun seine Viertelfinal-Premiere. Seit der Einführung des Profitennis 1968 hatte nur der Franzose Fabrice Santoro länger warten müssen, bis ihm das gelungen war (54 Versuche). Mit seinen 36 Jahren ist Struff zudem nun der älteste Spieler, der in Wimbledon und überhaupt bei einem Grand Slam zum ersten Mal in der drittletzten Runde steht. Gegner ist dort entweder Topfavorit Sinner oder der japanische Qualifikant Shintaro Mochizuki.

Zieht auch Alexander Zverev ins Wimbledon-Viertelfinale ein?

Nach Struff will am Montag auch Alexander Zverev erstmals das Viertelfinale erreichen. Der French-Open-Sieger trifft auf den an Nummer 13 gesetzten Tschechen Jiri Lehecka. Sollte Zverev gewinnen, würden zum ersten Mal nach 2012 wieder zwei deutsche Tennisprofis im Viertelfinale von Wimbledon stehen.

Nach einem schnellen Break kontrollierte der Weltranglisten-96. Hurkacz auf Court 2 den ersten Satz, ging nach 30 Minuten in Führung. Beide donnerten sich die Aufschläge und Asse um die Ohren, Struff bekam aber nun den Fuß besser in die Türe. In seinem insgesamt achten Tiebreak des Turniers patzte er aber, Hurkacz sicherte sich auch den zweiten Durchgang.

Struff stemmte sich energisch und unbeeindruckt gegen das Aus, nach dem Sieg im nächsten Tiebreak wuchs die Hoffnung. Hurkacz musste sich vor dem vierten Satz behandeln lassen und mitten im Durchgang nochmal. Danach taktierte der Pole, forderte weitere Pausen oder den Abbruch wegen Dunkelheit. Dann gab er auf.