Jürgen Klopp soll es richten. Auf den ersten Blick ist das die perfekte Lösung. Kloppo ist eine lebende Trainer-Legende, er hat die Bundesliga gewonnen, die Premier League, die Champions League – und überall aus mehr oder weniger besonderen Fußballern Helden gemacht. Wo Klopp kam, ging er als Messias.
Genau deshalb beginnt jetzt vermutlich die größte Herausforderung, der er sich je gestellt hat.
Beim DFB sind Klopp Grenzen gesetzt
Klopp kann für Deutschland keine Superspieler verpflichten. In Liverpool, wo er vor seiner Trainer-Auszeit über acht Jahre als Manager arbeitete, konnte er kaufen, wen oder was er wollte.
Budgetär gab es kaum Grenzen im Schlaraffenland der US-amerikanischen Fenway Sports Group, die den Klub vor 16 Jahren übernahm und mithilfe von Klopp derart aufpoliert hat, dass der LFC, vergleichbar mit den Los Angeles Lakers, Dallas Cowboys oder Real Madrid, jetzt zu den erfolgreichsten Weltmarken des Sports gehört.
Beim DFB wären Klopp Grenzen gesetzt, und wie er sich darin bewegt, wenn es mal nicht nach Wunsch laufen sollte, das wird hochinteressant. Als allzu kompromissbereit gilt der Startrainer in der Branche nicht. Da sein Name auf dem Spiel steht, soll es bitte auch so laufen, wie er möchte.
Als Bundestrainer muss Klopp mit dem arbeiten, was da ist. Und er bekommt seine Spieler nur wenige Tage am Stück. Aus einer Ansammlung guter Fußballer muss in kürzester Zeit eine funktionierende Mannschaft entstehen.
Einen Kader entwickeln, unterschiedliche Typen und Charaktere im täglichen Miteinander zu einer Einheit formen, das geht in dem Job nicht. Bundestrainer ist eine ganz andere Disziplin.
Klopp hat mehr zu verlieren als je zuvor
Und dann ist da auch noch Deutschland. Eine Fußball-Nation, die nach Jahren der Enttäuschungen im Grunde ausgehungert ist. Die Erwartungshaltung an Klopp wäre gigantisch – im eigenen Land ebenso wie international. Jede Nominierung, jede Auswechslung, jede Niederlage wird unter dem Brennglas betrachtet.
Keine Frage, es wäre wieder ein Projekt in der Krise, das Klopp übernähme. Eine Mannschaft, der es nicht gut geht. Das war schon in Dortmund so, in Liverpool auch. Das macht es einfacher für ihn. Weniger Druck hat er deswegen nicht. Klopp hat wahrscheinlich mehr zu verlieren als je zuvor.
Gelingt ihm das große Deutschland-Comeback nicht, leidet sein Ansehen als außergewöhnlicher Trainer. Stolpert Deutschland auch durch die kommende EM, verliert der zweimalige Welttrainer seine mühsam aufgebaute Unantastbarkeit.