Mit einem späten Doppelpack hat Harry Kane England und Trainer Thomas Tuchel vor einem blamablen Scheitern bei der WM bewahrt.

Der Kapitän der Three Lions sicherte mit seinen Toren beim 2:1 (0:1)-Sieg gegen die DR Kongo doch noch das Ticket fürs Achtelfinale. Dort geht es für den Weltmeister von 1966 im Aztekenstadion gegen Co-Gastgeber Mexiko (Montag, 2.00 Uhr/MESZ).

Harry Kane (l., mit Jude Bellingham) traf gegen die DR Kongo
Harry Kane (l., mit Jude Bellingham) traf gegen die DR KongoHarry Kane (l., mit Jude Bellingham) traf gegen die DR Kongo© IMAGO/Shutterstock

„Wir müssen diese Einstellung haben: Wenn es schwer wird, dann wird es eben schwer, aber wir dürfen weder die Geduld noch den Glauben verlieren“, sagte Tuchel nach dem Spiel. „Wir brauchen diese Einstellung, dass wir weitermachen. Es war vollkommen verdient, aber wir mussten hart dafür arbeiten.“

Für Matchwinner Kane war es ein „verrücktes Spiel“. Er sah aber auch noch Luft nach oben: „Natürlich gibt es noch Dinge, an denen wir arbeiten müssen, aber letztendlich geht es in diesen Runden meiner Meinung nach einfach darum, weiterzukommen.“

WM: Kane dreht die Partie für England

Brian Cipenga (7.) schockte die Engländer in der Anfangsphase. Harry Kane (75.) gelang in der Schlussphase der ersehnte Ausgleich, mit seinem fünften Turniertreffer drehte Englands WM-Rekordtorschütze (86.) die Partie komplett.

Kurz vor der Pause wurde Bayern-Torjäger Kane noch ein möglicher Elfmeter verwehrt. Der Schiedsrichter entschied sich gegen einen Pfiff und zeigte an, dass Kane zu früh abgehoben habe. Kane war vom herausstürmenden Torhüter Lionel Mpasi am Fuß getroffen worden.

Ein Aus in der Runde der letzten 32 wäre das schlechteste WM-Abschneiden des Fußball-Mutterlandes, das seit 1966 auf einen WM-Triumph wartet, seit dem Scheitern in der Vorrunde vor zwölf Jahren in Brasilien gewesen.

Historischer WM-Lauf endet

Für die DR Kongo endet derweil ihr historischer WM-Lauf, bereits der erstmalige Einzug in die K.o.-Runde und ein 1:1 gegen Cristiano Ronaldos Portugal in der Gruppenphasen waren in der von Krieg und Krisen gebeutelten Nation groß gefeiert worden.

Bei der zuvor einzigen Turnierteilnahme 1974 (damals hieß das Land noch Zaire) waren die Kongolesen in der Vorrunde ausgeschieden. Nun hat ihr Land neue Helden.

Nach den glanzlosen Auftritten in den abschließenden Gruppenspielen gegen Ghana (0:0) und Panama (2:0) hatte Tuchel Kritik einstecken müssen, England falle nichts gegen tiefstehende Mannschaften ein, monierte Ex-Nationalspieler Jamie Carragher in seiner Telegraph-Kolumne. Roy Keane ätzte, Tuchel wisse nicht, „wie seine beste Elf aussieht“. Und der Deutsche wurde von der DR Kongo zunächst kalt erwischt.

Kalte Dusche für England

Noch bevor die Engländer überhaupt einen ersten vernünftigen Angriff aufziehen konnten, schlug der Underdog zu. Kapitän Chancel Mbemba hebelte die englische Abwehr mit einer Halbfeldflanke aus, plötzlich stand Cipenga frei vor dem Tor und schloss eiskalt in die kurze Ecke ab. Völlig losgelöst feierte der Torschütze mit einem Salto, den Fans der „Three Lions“ auf der Tribüne standen die Münder offen.

Die Léopards verteidigten in der Folge mutig nach vorne und suchten im Vorwärtsgang ihre Chancen. Erst nach der Trinkpause kam England gefährlicher auf, es entwickelte sich ein packendes Fußballspiel. Mpasi parierte einen Kopfball von Jude Bellingham (30.) stark, der gebürtige Engländer Aaron Wan-Bissaka klärte gegen Marcus Rashford (35.) auf der Linie.

Doch die Kongolesen ließen sich nicht vollends in die eigene Hälfte drücken. Yoane Wissa (42.) vergab kurz vor der Pause die Riesenchance auf das 2:0 und traf nur den Pfosten.

Three Lions erhöhen den Druck

Danach Pech für die Engländer: Schiedsrichter Adham Makhadmeh aus Jordanien verweigerte dem bislang unsichtbaren Kane (43.) einen Elfmeter, nachdem er im Zweikampf mit Mpasi zu Fall gekommen war. Stattdessen rettete der Schlussmann zweimal Weltklasse gegen Bellingham und Kane (45.+2/45.+6).

Nach der Halbzeitpause mussten die Engländer kommen – und sie kamen. Rashford (52.) traf das Außennetz, Bellingham (53.) zwang Mpasi nur Sekunden später zur nächsten Rettungsaktion.

Doch auch die Kongolesen, die Englands Drangphase erst einmal überstehen mussten, hielten weiterhin dagegen. Doch England hatte Harry Kane, der mit Beginn der Schlussviertelstunde eine Flanke von Anthony Gordon einköpfte und danach die Partie per Rechtsschuss unnachahmlich drehte.

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Mit Sport-Informations-Dienst (SID)