General-Abrechnung von Weltmeister-Kapitän Philipp Lahm! Der Kapitän der WM-Elf von 2014 hat nach dem deutschen WM-Debakel in Nordamerika grundlegende Mängel benannt. Dabei kommt auch Bundestrainer Julian Nagelsmann nicht gut weg.

„Generell fehlt uns schlicht eine Idee: Wie wollen wir Fußball spielen?“, schrieb der 42-Jährige in seiner WM-Kolumne für den kicker nach dem Aus im Sechzehntelfinale gegen Paraguay.

WM 2026: Lahm legt nach Debakel Finger in die Wunde

„Wir verändern System und Aufstellung, dann geht die Klarheit abhanden. Früher hatten wir die“, klagte Lahm: „Wer sind die acht Spieler, die in der Verantwortung stehen? Die anderen Top-Nationen haben sie.“

Nachdenklich: Philipp Lahm
Nachdenklich: Philipp Lahm Nachdenklich: Philipp Lahm © picture-alliance/Pressefoto Ulmer/SID/Markus Ulmer

Seine ernüchternde Bilanz nach der dritten enttäuschenden WM in Folge seit dem Triumph von Rio 2014: „Man hat keine Entwicklung der Mannschaft im Turnier gesehen. Keine Fortschritte. Keine Idee, wie sie agieren, wie sie zu Torchancen kommen, wie sie den Gegner vom eigenen Tor fernhalten will. Ich habe nie eine Mannschaft gesehen, die miteinander agiert.“

Was Lahm auch Nagelsmann anlastet

2014 habe es „sechs, sieben“ Führungsspieler gegeben. „Diese natürliche Hierarchie gibt es jetzt nicht mehr. Ein Miteinander vermisse ich seit Jahren.“ Auch in diesem Zusammenhang zählt Lahm Bundestrainer Nagelsmann an: „Es wurde viel gewechselt, was nicht geholfen hat, auch den Spielern nicht.“

Mit Blick auf die Zukunft forderte er: „Wir brauchen wieder mehr Klarheit, wie wir Fußball spielen wollen. Wir brauchen ein Bewusstsein fürs Verteidigen, als Mannschaft und in Eins-gegen-eins-Situationen. Jeder Zweikampf muss gesucht werden, als wäre er der letzte.“

Nagelsmann-Zukunft? „Muss hinterfragt werden“

Zusätzlich zu dieser Einstellung müsse man „eine Mannschaft entwickeln und diese nicht durch System- und Personalveränderungen immer wieder verändern“.

Hinter der Zukunft von Nagelsmann, der noch einen Vertrag bis 2028 hat, sieht Lahm Fragezeichen. „Natürlich“ trage er für das Ausscheiden die Verantwortung. „Schon bei der Heim-EM haben wir nicht wirklich geglänzt. Danach blieb eine Entwicklung aus. Jetzt zu den Top 32 der Welt zu zählen, kann nicht unser Anspruch sein. Deswegen muss er hinterfragt werden.“

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Mit Sport-Informations-Dienst (SID)