Die Kulisse ist gigantisch, das Medieninteresse riesig – und mittendrin ein Name, der im Radsport seit Jahren nachhallt. Nikolas Winokurow bestreitet seine erste Tour de France.
Der junge Fahrer ist kein gewöhnlicher Rad-Profi und ganz sicher kein unbeschriebenes Blatt. Sondern der Sohn von Alexander Winokurow: Olympiasieger, Vuelta-Gewinner und eine der umstrittensten Figuren der jüngeren Radsport-Geschichte.
Dass sein Debüt nicht einfach ein weiteres Kapitel im großen Tour-Drehbuch ist, sondern ein besonderer Moment, zeigt schon der Blick ins Astana-Aufgebot: Winokurow junior startet ausgerechnet unter der sportlichen Leitung seines Vaters. Eine Konstellation, die im internationalen Radsport ebenso selten wie brisant ist.
Tour de France: So schaffte es Winokurow auf die große Bühne
Sportlich hat sich Nikolas Winokurow diesen Moment erarbeitet. Geboren 2002 in Nizza, durchlief er die klassische Kaderschule, fuhr im Astana-Nachwuchsteam und machte mit konstanten Leistungen auf sich aufmerksam. Zwei U23-Meistertitel auf der Straße in Kasachstan (2022 und 2023) sowie Podiumsplätze bei internationalen Rundfahrten sprangen heraus.
Sein Profil: ein Allrounder mit Stärken im Zeitfahren, taktisch geschult, ruhig – ganz anders als sein Vater, der einst als aggressiver Angreifer das Peloton prägte.
2024 folgte der Aufstieg in die WorldTour, 2026 nun der vorläufige Höhepunkt: die Tour de France. Für viele junge Fahrer ein Traum, für Winokurow mehr als das. Ein gutes Debüt beim bekanntesten Radrennen der Welt könnte seine Karriere prägen.
Besondere Beziehung: Vater ist Teamchef des Sohnes
Eins ist schon vor dem Start der Tour sicher: Auf den jungen Fahrer werden viele Blicke gerichtet sein, denn die Beziehung zwischen Nikolas und Alexander Winokurow ist im Radsport einzigartig.
Der Vater ist nicht nur Vorbild und Mentor, sondern gleichzeitig Chef des Teams, für das der Sohn fährt. Entscheidungen über Einsätze, Taktik und Karriereweg laufen damit zwangsläufig durch eine familiäre Schnittstelle.
Alexander Winokurow ist seit Jahren prägende Figur beim Astana-Team und lenkt als General Manager die Geschicke des Rennstalls. Für Nikolas keine einfache Situation, weil er eben so noch mehr im Fokus steht. Denn jeder Erfolg wird automatisch in Relation gesetzt. Und jeder Fehler fällt doppelt ins Gewicht.
Oft schwingt deshalb auch die Frage mit, ob Nikolas eben wirklich viel Talent hat oder nur wegen des familiären Bonus in seine Position gekommen ist.
Vater Winokurow mit dunkler Doping-Vergangenheit
Aber nicht nur Fragen zum sportlichen Talent begleiten Nikolas. Viele verbinden ihn eben auch mit der dunklen Vergangenheit seines Vaters.
Alexander Winokurow wurde während der Tour de France 2007 des Blutdopings überführt, nachdem er unter anderem ein Zeitfahren gewonnen hatte. Der Skandal erschütterte nicht nur seine eigene Karriere, sondern führte auch zum Rückzug seines gesamten Astana-Teams von der Rundfahrt.
Tour de France 2026: Etappen & Streckenprofile in Bildern
Winokurow wurde gesperrt, kehrte später zurück – und gewann 2012 olympisches Gold. Doch die Vergangenheit blieb haften. Bis heute bleibt er eine der bekanntesten Figuren des Sports. Aber eben nicht nur als erfolgreicher Sportler.
Auch deshalb hagelte es von vielen Seiten Kritik, als er 2021 als Teamchef zu Astana zurückkehrte. Einige Beobachter machten sich für eine zweite Chance stark, andere sehen in genau dieser ein ungelöstes Problem des Radsports.
Jetzt rückt Sohn Nicolas in den Fokus
Für Nikolas Winokurow ergibt sich daraus eine besondere Situation: Er fährt nicht nur gegen die Konkurrenz – sondern auch gegen die Schatten der Vergangenheit seines Vaters.
Sein Tour-Debüt 2026 wird deshalb anders bewertet als das vieler anderer Jungprofis. Es geht nicht nur um Etappenplatzierungen oder Helferdienste. Es geht um Themen wie Glaubwürdigkeit und Eigenständigkeit.
Im besten Fall schreibt Nikolas Winokurow in den kommenden Jahren seine eigene Geschichte. Eine, die sich löst vom Namen, der ihm Türen geöffnet, aber gleichzeitig Bürden auferlegt hat.
Eines ist klar: Der Name Winokurow ist zurück auf der größten Bühne des Radsports.