Erst wurde sein vermeintlicher Siegtreffer durch einen umstrittenen VAR-Eingriff aberkannt, dann übernahm Jonathan Tah im Elfmeterschießen Verantwortung – und vergab entscheidend.

Der Innenverteidiger des FC Bayern stand damit auch sinnbildlich für das dramatische Scheitern der deutschen Mannschaft bei der WM im Sechzehntelfinale gegen Paraguay (4:5 n.E.). Erstmals war eine deutsche Nationalmannschaft nach einem Elfmeterschießen bei der WM ausgeschieden. Aber viele fragten sich: Warum war es eigentlich ausgerechnet Tah, der in diesem Moment antrat?

Jonathan Tah vergab im Elfer-Krimi gegen Paraguay vom Punkt
Jonathan Tah vergab im Elfer-Krimi gegen Paraguay vom PunktJonathan Tah vergab im Elfer-Krimi gegen Paraguay vom Punkt© IMAGO/Kirchner-Media

TV-Kommentator wundert sich über Elfmeterschütze Tah

Auch ZDF-Kommentator Oliver Schmidt zeigte sich während der Übertragung verwundert: „Ich habe Tah noch nie einen Elfmeter schießen sehen. Aber egal, irgendeiner, der Mut hat, muss jetzt ran.“

In der Tat hatte der 30-Jährige in seiner mittlerweile 13-jährigen Profikarriere noch nie einen Elfmeter geschossen. Bezeichnenderweise schoss Tah drüber, José Canale verwandelte anschließend für Paraguay und schickte Deutschland nach Hause.

Tah: „Ich habe mich gut gefühlt“

„Um ehrlich zu sein, habe ich mich gut gefühlt. Ich war nicht extrem nervös, was ich eigentlich gedacht hätte, aber ich habe ihn nicht gut getroffen“, sagte Tah hinterher.

„Ein Fehlerfestival, auch vom Punkt, es passt zu diesem Spiel“, kommentierte Schmidt – und fügte nach einer Pause – weiterhin konsterniert – hinzu: „Warum schießt Tah?“

TV-Bilder zeigen: Kimmich fragt Elfer-Schützen ab

Wie die TV-Bilder nahelegten, war die Reihenfolge der einzelnen Schützen noch während des Showdowns nicht festgelegt.

Nachdem Antonio Sanabria mit seinem Fehlschuss neben das Tor die deutschen Hoffnungen wieder aufkeimen ließ, fingen die Kameras DFB-Kapitän Joshua Kimmich ein wie er bei seinen Teamkollegen die Bereitschaft abklopfte.

Ein paar Worte waren über die Außenmikros zu vernehmen.

Kimmich legt Reihenfolge fest

„Nene, acht?“, fragte Kimmich Außenverteidiger Nathaniel Brown, drehte sich im gleichen Atemzug zu Leon Goretzka und fragte: „Oder Leon, du?“ Goretzka reagierte mit einem unentschlossenen Gesichtsausdruck und einem leichten Kopfschütteln. Nach kurzer Pause sagte Kimmich „neun“, woraufhin Goretzka zögerlich nickte.

Schließlich legte Kimmich mit der Ansage „Waldi auf Zehn“ den Dortmunder Waldemar Anton als zehnten Schützen fest.

Als siebter Schütze nach Tah wäre entweder Malick Thiaw angetreten – oder Manuel Neuer, der unter anderem im Elfmeterschießen für den FC Bayern im „Finale Dahoam“ in der Champions League 2012 verwandelt hatte.

In der Regel werden die ersten fünf Schützen zu Beginn eines Elfmeterschießens festgelegt. Danach geht es jeweils im Sudden-Death-Modus mit einzelnen Schützen weiter, eben bis einer verschießt und das andere Team trifft.

Tah: „Ich würde wieder antreten“

Amiri verwandelte und glich für Deutschland zum 3:3 aus. Anschließend verhinderte Manuel Neuer mit seiner Parade gegen Fabian Balbuena zunächst noch das Aus. Dann war Tah als sechster Schütze an der Reihe – mit den erwähnten bitteren Folgen.

So reagiert Tah auf das WM-Aus

So reagiert Tah auf das WM-Aus

Tah selbst gab sich dennoch kämpferisch: „Ich würde ihn beim nächsten Mal wieder schießen, ich würde wieder antreten. Ich glaube, es ist wichtig, auch in schwierigen Momenten Verantwortung zu übernehmen. Das war eine Sache, die ich mir für dieses Turnier besonders vorgenommen habe: Verantwortung zu übernehmen – und deswegen habe ich das in dem Moment auch gemacht.“