Ausgerechnet Sasa Kalajdzic versetzte am frühen Sonntagmorgen eine ganze Nation in einen Ausnahmezustand: Durch seinen Treffer zum 3:3 im dritten WM-Gruppenspiel gegen Algerien in der 90.+6 Minute sicherte der Stürmer seinem Team das Weiterkommen. Besonders irre: Er wurde erst rund 60 Sekunden vorher eingewechselt.
Im Anschluss gab es kein Halten mehr. Das komplette Team Austria lag sich in den Armen und lieferte auch nach dem Abpfiff höchst emotionale Bilder für die Ewigkeit – und mittendrin Kalajdzic, dessen WM-Nominierung bereits ein Märchen war. Seine Geschichte entwickelt sich durch sein Kopfballtor zu einer echten Heldenreise.
Kalajdzic weiß nicht, was passiert ist
„Ich habe 500 Watschn gekriegt“, schmunzelte der Ex-Bundesliga-Stürmer nach dem Spiel: „Ich glaube, ich muss schauen, ob ich mit dem Doc jetzt ins Spital fahren muss, um eine mögliche Gehirnerschütterung zu prüfen.“
Er fügte hinzu: „Ich weiß gar nicht, was passiert ist. Es ist so schnell gegangen. Wir haben den Treffer bekommen, alle waren gefühlt in Schockstarre. Das Happy End für uns ist unglaublich. Ich bin froh, dass ich was beitragen konnte und die Reise noch nicht zu Ende ist.“
Österreich-Held mit drei Kreuzbandrissen
Dass Kalajdzic überhaupt Teil der österreichischen WM-Reise ist, gleicht beim Blick auf die vergangenen Jahre einem Wunder, denn der Torjäger hat ganz dunkle Zeiten als Profi durchlebt. Er ging regelrecht durch die Hölle eines jeden Sportlers.
Los ging alles am 18. Juli 2019 mit dem ersten Kreuzbandriss beim VfB Stuttgart. Das nächste bittere Kapitel schrieb das Leben dann am 4. September 2022 mit dem zweiten Kreuzbandriss bei Wolverhampton.
Beide Male kämpfte sich Kalajdzic zurück. Und dann kam der 19. Februar 2024 mit dem dritten Kreuzbandriss, als der Stürmer leihweise bei Eintracht Frankfurt spielte. Zwischen Sommer 2022 und Sommer 2025 machte er deshalb gerade einmal 23 Spiele.
Kalajdzic feiert mit LASK erstes Double seit 1965
Im Vorfeld der abgelaufenen Saison wechselte der Stürmer in seine Heimat und lief für den Linzer ASK auf. Dort hatte er aber zunächst Anlaufschwierigkeiten. Der 28-Jährige stand bis zum Jahreswechsel in der österreichischen Bundesliga nur zweimal in der Startelf und fungierte überwiegend als Joker. Ein Treffer blieb ihm verwehrt.
Die Winterpause konnte Kalajdzic aber für sich nutzen, ab dem 18. Spieltag drehte er auf: In 13 Startelfeinsätzen erzielte sechs Tore und gab sieben Vorlagen. Hinzu kamen ein Treffer sowie drei Assists im Jahr 2026 im ÖFB-Cup.
Mit seinen Scorerpunkten war der Stürmer maßgeblich daran beteiligt, dass der LASK 61 Jahre nach dem legendären Double-Gewinn 1965 die Geschichte wiederholte und sowohl die Meisterschaft als auch den Pokal in Österreich holte.
Kalajdzics Leistungen sah auch Österreichs Nationaltrainer Ralf Rangnick und belohnte den Stürmer für seinen großen Willen und sein Durchhalten. 857 Tage lagen zwischen dem 19. und 20. Länderspiel des Stürmers. Im März kehrte der Stürmer gegen Ghana beim 5:1-Sieg für zehn Minuten zurück und durfte dann auch gegen Südkorea beim 1:0-Erfolg für zwölf Minuten helfen.
WM 2026 ist ein Auf und Ab für Kalajdzic
Seit dem 13. Mai stand dann auch fest, dass Rangnick auch beim Turnier in den USA, Kanada und Mexiko setzt und der 28-Jährige im finalen WM-Aufgebot Österreichs steht. Nachdem Kalajdzic dann zum Auftakt gegen Jordanien in der Startelf stand, aber bereits in der Halbzeit ausgewechselt wurde, saß er gegen Argentinien komplett auf der Bank.
Hätte Österreich am frühen Sonntagmorgen gegen Algerien nicht noch unbedingt einen Treffer gebraucht, um das Ausscheiden abzuwenden, wäre er wohl auch hier nicht auf den Platz gekommen.
Doch Rangnick musste nach dem 2:3 in der Nachspielzeit (90.+2) alles nach vorne werfen und Kalajdzic war seine letzte Hoffnung. Was anschließend passierte, ist schon jetzt österreichische Fußballgeschichte und der Stürmer wurde zum Helden.
Rangnicks Reaktion sagt alles
Alaba und Kalajdzic im Leid vereint: „Harte Arbeit wird belohnt“
„Ich habe nicht wirklich viele Worte für die letzten Minuten, die wir erleben durften. Die Gefühle nach dem Tor von Kalajdzic kann ich nicht beschreiben. Zwei Minuten davor habe ich mich schon die Koffer packen gesehen“, war Kapitän David Alaba übermannt von seinen Emotionen.
Der frühere Bayern-Profi, der selbst in den vergangenen Jahren von Verletzungen gebeutelt war, fügte hinzu: „Kalajdzic und ich haben sehr hart in letzten Monaten und Jahren gearbeitet, und harte Arbeit wird belohnt. Wir hatten in der Zeit, in der wir verletzt waren, viel Kontakt und haben uns gegenseitig gepusht.“
Für Österreich geht es am kommenden Donnerstag mit Sechzehntelfinale weiter. Dann trifft das Rangnick-Team (ab 21 Uhr im LIVETICKER) auf den Titelfavoriten Spanien.